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Der einzige Nahversorger in Schäftlarn ist der Tengelmann Supermarkt am Rodelweg.

Zerschlagung von Tengelmann

Kunden sauer, Redeverbot für Mitarbeiter

Schäftlarn/Heimstetten - Die Verhandlungen zur Rettung der Supermarktkette „Tengelmann“ sind gescheitert. Jetzt sind auch die 15 000 Arbeitsplätze in Gefahr. Und nicht nur das: Im Landkreis München sind die Filialen in vielen Gemeindeteilen ein wichtiger Anker in der Nahversorgung. Einige Kunden sagen, für sie wäre eine Schließung eine Katastrophe.

„Für unsere Gemeinde wäre das eine Katastrophe.“ Luise Tyroller (69) steht vor der Tengelmannfiliale in Ebenhausen und verstaut ihre Einkäufe. Wie berichtet, droht die Zerschlagung von Kaiser’s Tengelmann. Termin: Ab der kommenden Woche. Für den gestrigen Freitag war geplant, die Mitarbeiter über das weitere Vorgehen zu informieren. In der Isartalgemeinde Schäftlarn ist die Niederlassung am Rodelweg 7 der einzige Nahversorger. „Ein Kundenstamm ist auf alle Fälle vorhanden.“ Tyroller hofft, dass ein anderes Unternehmen die Filiale übernehmen wird, zumal auch die räumliche Nähe zu der Rossmann-Filiale für viele Kunden eine optimale Ergänzung ist. „Ansonsten bleibt uns nur der Weg in den Netto nach Wolfratshausen oder zum Aldi nach Baierbrunn.“

Auf das Weiterbestehen des Ebenhauser Tengelmanns, egal in welcher Form, hofft auch Dieter Franziskus (50). „Hier wird sehr viel eingekauft“, beschreibt der Schäftlarner seinen Eindruck. „Ich würde ja verstehen, wenn man das Geschäft schließen würde, wenn der Umsatz schlecht wäre. Doch hier ist eigentlich immer etwas los, und auch das Personal ist sehr freundlich.“ Auch als Anlaufstelle für „Zwischendurch“ erfreut sich der Tengelmann großer Beliebtheit. „Ich komme regelmäßig her, es ist ein schöner Laden“, bestätigt Ulrich Heiß. Der 34-Jährige arbeitet als Lehrer an der Klosterschule Schäftlarn und nutzt die Zeit vor oder nach Arbeitsbeginn zum Einkauf. „Ich fände eine Schließung sehr schade.“ Der Marktleiter selbst möchte keine Stellung zu den Entwicklungen nehmen.

„Wenn der Tengelmann hier schließt, wo sollen wir dann einkaufen?“ fragt Inga Brühl, die beim Tengelmann im Räter Einkaufszentrum Heimstetten (REZ) seit Jahren ihren täglichen Bedarf deckt. Diese Frage kann Brühl vor Ort niemand beantworten, Marktleiter Detlef Christ darf nämlich keine Auskunft geben. Auch ein Anruf bei der Münchner Bezirksleiterin hilft nicht weiter. Ob es auch in Kirchheim auf den knapp 1000 Quadratmetern Verluste und Umsatzeinbußen gibt wie in der gesamten Kette, darauf bleibt Christ ebenso eine Antwort schuldig. Die Meldung der bevorstehenden Zerschlagung erfuhr der Marktleiter am Donnerstagabend aus dem Fernsehen. Dann erst kam die ähnlich lautende E-Mail vom Arbeitgeber. Zehn feste Mitarbeiter und sieben Aushilfen sind in der Kirchheimer Filiale beschäftigt, sie sitzen an der Kasse oder räumen Regale ein wie jeden anderen Tag auch. Sie wissen weder, was mit ihrem Arbeitsplatz geschieht, ob dieser gefährdet ist, und was nun überhaupt passiert.

Kein Blatt vor den Mund nehmen die Kunden vor der Eingangstüre. Seit 15 Jahren kommt Mathilde Hauser in die Räter Straße zum Tengelmann. „Also das ist schon der Hammer“, so Hauser. „wenn das hier auch noch kaputt ginge.“ Nur wenige Meter von der Tengelmann-Filiale liegt das Seniorenzentrum, viele ältere Menschen kommen zu Fuß hierher, „auch die Schüler vom nur unweit entfernten Gymnasium sind hier regelmäßig in der Mittagspause“, erzählt Fritz Schnell, ehemals Friseur in Heimstetten. Die Meldungen sind für Andreas Humplmayr erst einmal kein Grund zur Besorgnis. „Wir haben bisher noch keine offizielle Stellungnahme“, so der Betreiber des Räter-Einkaufszentrums. Hauptmieter des Tengelmann Ladens, der bereits seit 19 Jahren in der Räterstraße 24 eine zentrale Rolle spielt, ist die BVG Brandl Verwaltungs GmbH (Vinzenzmurr), „Ich gehe fest davon aus, dass die BVG einen neuen Supermarkt einmietet“, sagt Humplmayr.

Sabina Brosch

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