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Einen schweren Stand hat Baierbrunns Bürgermeisterin Barbara Angermaier.

Personalrochade im Rathaus und Diskussion über Zukunft der Grundschule

Schwere Vorwürfe gegen Baierbrunns Bürgermeisterin 

Baierbrunn - Was passiert mit der Schule? Und was geht im Rathaus ab? Bürgermeisterin Barbara Angermaier muss sich scharfe Kritik gefallen lassen.

Es sind politisch stürmische Zeiten im beschaulichen Baierbrunn. Die Gemeinde steht vor einer zukunftsträchtigen Entscheidung. Es geht um die Frage:  Soll sie erweitert oder neugebaut werden? Bürgermeisterin Barbara Angermaier (BIG) möchte sich nicht festlegen. Was Kritiker auf den Plan ruft. Die 55-jährige Angermaier kämpft aber noch an einer zweiten Front. 

Dieser Kleinkrieg spielt versteckt im Schatten eines Verwaltungsapparates. Die Gemeindeverwaltung befindet sich nach dem Weggang des Geschäftsleiters Markus Stark (Otterfing) und der Kämmerin Diana Lischka (Straßlach) im Umbruch. Auch der Bauamtsleiter Richard Schmidt (bald Straßlach) geht (wir berichteten). Alle drei wollen sich auf Anfrage nicht zu ihren Beweggründen äußern. Fakt ist: Die Bürgermeisterin Barbara Angermaier spielt eine Rolle. 

Der CSU-Ortsvorsitzende Patrick Ott erhebt schwere Vorwürfe: Die Bürgermeisterin werde laut gegenüber Mitarbeitern, habe einen Drang zur Kontrolle. Um zu erfahren, was wirklich im Rathaus vor sich geht, muss man sich umhören bei denen, die sich auskennen mit den Abläufen im Rathaus. Über eine Bürgermeisterin, der Kontrollwahn vorgeworfen wird, politische Gegner, bei denen Unterstützer Angermaiers eine Profilneurose diagnostizieren, und ein Rathaus mit vielen offenen Türen. 

Die Verwaltung 

Ein Haus, 15 Mitarbeiter, fast so viele Büros, Tür an Tür. Im ersten Stock das Büro der Bürgermeisterin Barbara Angermaier. Der Ortsvorsitzende der CSU Baierbrunn hat zuletzt schwere Vorwürfen gegen sie erhoben: Angermaier trete herrisch auf, werde Mitarbeitern gegenüber laut, habe einen Drang zur Kontrolle. „Ein Stil der Personalführung, der mehr an Horrorgeschichten aus dem Manchesterkapitalismus erinnert als an moderne Teamarbeit“, schreibt Patrick Ott auf der Facebook-Seite sowie auf der Homepage der CSU Baierbrunn. Fragt man nach bei denen, die sich öfter im Rathaus aufhalten, wird Angermaier „ein Kommunikationsproblem“, „Kontrollwahn“ und „fehlende Verwaltungserfahrung“ attestiert. Sie sei unsicher und wolle das durch einen autoritären Führungsstil kompensieren. 

Niemand will sich mit Namen zitieren lassen. Die Büro-Türen im Rathaus stehen meistens offen. So zumindest wird es erzählt. Der Grund sei fehlendes Vertrauen der Chefin, argwöhnen manche. Diese wolle in alles eingeweiht sein, verlange sogar Tätigkeitsberichte von ihren Mitarbeitern. Die Meinungen gehen auseinander. Die einen wissen nicht, was das für einen Zweck haben soll. Sie fühlen sich gegängelt und unter Beobachtung. Die anderen loben die „strukturierte Arbeitsweise“. Es heißt, es handle sich um „persönliche Geschichten“ zwischen der Bürgermeisterin und einzelnen Mitarbeitern.

Aber seitdem zuletzt einige Informationen aus dem Rathaus nach draußen gedrungen waren, arbeite die Bürgermeisterin daran, dass es besser werde. Allerdings fehle noch der „große Wurf“. 

Die Bürgermeisterin 

Jemand musste Barbara Angermaier verleumdet haben. Denn ohne, dass sie etwas Böses getan hatte, wurde ihr plötzlich schlechter Umgang, ja sogar Unfähigkeit als Rathaus-Chefin vorgeworfen. So zumindest sieht das die Bürgermeisterin selbst. Also ist sie anwaltlich gegen denjenigen vorgegangen, der die Gerüchte über sie in die Welt gesetzt hat: Patrick Ott. Angermaier hat Ende Juli eine Anwaltskanzlei beauftragt und Ott eine Abmahnung und Unterlassungserklärung zukommen lassen. Der CSU-Ortschef freilich weigert sich, die Erklärung zu unterschreiben. Einer gerichtlichen Auseinandersetzung sehe er gelassen entgegen, antwortet Ott auf das Scheiben.

Angermaier möchte sich speziell zum Thema Unterlassungserklärung nicht äußern, wie sie sagt. Und auch zu den Vorwürfen bezüglich ihres Führungsstils möchte sie zunächst nichts sagen. Nur so viel: Man müsse die Hintergründe sehen. Es gebe Interessen. „Da wird alles in einem falschen Zusammenhang gestellt.“ Doch sie wolle nicht schlecht über Mitarbeiter reden. Sie ist der Meinung, dass das, was im Rathaus geschieht, auch im Rathaus bleiben soll. „Mein Ziel ist es, die Stellen wieder zu besetzen. Ich bin offen und transparent.“ Mit Nina Schierlinger hat sie zumindest eine neue Geschäftsführerin bereits gefunden. 

Angermaier ist auch jemand, der sich gerne auf alles Mögliche vorbereitet. Einmal hat sie sich vorher aufgeschrieben, was sie einem Vertreter der Bayernwerke sagen will, wenn der in den Gemeinderat kommt. Der wollte ein Kraftwerk vorstellen, an dem sich die Gemeinde vielleicht beteiligen will. Auch wer sie anruft und um ein Telefoninterview bittet, den fragt sie umgehend, ob man ihr zunächst das Thema nennen könne. Sie würde sich dann kurz vorbereiten und in ein paar Minuten zurückrufen. Man fragt sie, ob es stimmt, dass sie von ihren Mitarbeitern Tätigkeitsberichte verlange und die Türen der Büros immer offen stehen müssen. „Ich stehe für ein offenes Rathaus“, antwortet sie. Wenn sich jemand im Gespräch befinde, sei die Tür natürlich zu. Ob sie Fehler gemacht habe?. „Ich hinterfrage mich. Ich bin jemand, der Kritik annimmt.“ 

Der politische Gegner 

Patrick Ott ist ein politischer Weltenbummler. Der 49-Jährige war von 1984 bis 1989 Ortsvorsitzender der Jungen Union in Baierbrunn. Nach einer Lehre zum Bankkaufmann machte er eine außergewöhnliche politische Karriere. Direkt nach der Wende half er mit, demokratische Institutionen im Osten aufzubauen. Er fuhr immer wieder an den Wochenenden nach Sachsen. Für die Wahl zum ersten sächsischen Landtag im Jahr 1990 kandidierte er auf der FDP-Liste auf dem vierten Platz. Schließlich saß er bis 1995 im sächsischen Landesparlament. Anschließend studierte er an der Harvard Universität in den USA. Seit zehn Jahren ist er selbstständig und lebt in Schäftlarn. Seit 2015 ist er Ortsvorsitzender der CSU in Baierbrunn. 

Die Frage ist: Warum liefert sich so jemand einen politischen Kleinkrieg mit der Baierbrunner Bürgermeisterin? Ott selbst sagt, er habe gewusst, wie schief der Haussegen im Rathaus hänge. Er wolle zum Umdenken bringen, zum Wohle der Gemeinde. So sieht er das. ÜWG-Gemeinderat Hans Ruppenstein dagegen sagt: „Der CSU-Vorsitzende will sich ganz eindeutig profilieren.“ Die CSU, die noch immer mit dem schlechten Wahlergebnis von 2014 hadere, wolle Ott für die nächste Wahl als Bürgermeisterkandidat aufbauen. 2014 hatte keine andere Partei einen Kandidaten gegen Barbara Angermaier, die selbst eine Newcomerin ist, aufgestellt. 

Die Schule 

Die Erweiterung oder der Neubau der Grundschule ist schon lange ein Thema in Baierbrunn. Grund ist eine deutliche Zunahme bei den Anträgen auf Mittagsbetreuung. 2012 hatte der Gemeinderat daher einen Architekten beauftragt, Möglichkeiten für die Erweiterung zu suchen. 

Eine Variante wäre, die Schule in Richtung Landschafts-Schutzgebiet auszubauen. Das müssten allerdings Grundbesitzer und Behörden erst einmal genehmigen. Eine andere Möglichkeit wäre ein Erweiterungsbau nördlich der Schule. Selbst die Befürworter halten das für nicht gerade optimal. 

Bürgermeisterin Angermaier ist seit 2014 im Amt. Kritiker werfen ihr vor, sie würde die Entscheidung über die Schule verschleppen. ÜWG-Gemeinderat Hans Ruppenstein beklagt die ständigen, nicht-öffentlichen Arbeitskreise zu diesem Thema. Der CSU-Fraktionsvorsitzende Bernhard Ketterl sagt: „Es werden keine Entscheidungen getroffen.“ Grund sei, dass es die Bürgermeisterin jedem Recht machen wolle. Immer wieder gebe es Gutachten oder Bürgerveranstaltungen ohne Ergebnis. „Doch wir sind gewählt, um Entscheidungen zu treffen.“ 

Die CSU will das Thema nun zu dem ihren machen. Sie favorisiert einen Neubau der Schule. Zu diesem Zweck will sie laut Ott ein Bürgerbegehren initiieren, sollte sich herausstellen, dass sich der Gemeinderat für eine Erweiterung entscheidet.

Derzeit werden schon Unterschriften gesammelt - allerdings nicht in Verbindung mit der CSU. Initiator der Aktion ist Stefan Zenz. Er ist Vorsitzender des Bund Naturschutz in Baierbrunn. Mehr als 200 Unterschriften habe man bereits gesammelt. Es geht um den Erhalt der Schutzfläche. „Wir sind nicht gegen eine Schulerweiterung. Wir wollen aber eine Variante, die das Landschaftsschutzgebiet erhält“, sagt Zenz. Er befürchtet, dass eine Baulücke entsteht und Privatleute ihre Flächen auch zur Bebauung verkaufen. Der Bund Naturschutz setzt sich schon seit fast 30 jahren für den Erhalt des Landschaftsschutzgebietes am Isarhochufer ein, wie auch für alle anderen Landschaftsschutzgebiete in Baierbrunn. Das habe mit aktuellen Forderungen nach einem Neubau nichts zu tun, schon gar nicht in Verbindung mit der CSU.  

Die Bürgermeisterin selbst möchte sich nicht in die Karten schauen lassen. „Es gibt drei Varianten. Ich möchte die zukunftsfähigste Lösung für Baierbrunn.“ Zur Kritik, sie lasse sich zuviel Zeit, sagt sie: Manchen Räten könne es nicht schnell genug gehen. Doch ihr Vorgehen sei richtig. „Jedes Projekt sollte so aufbereitet werden.“ Beim Bürgerforum am morgigen Mittwoch (19 Uhr, Rathaus) sollen offene Fragen geklärt werden.

Thomas Radlmaier

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