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Leonhardifest

Hufgetrappel beim Glockenschlag

Siegertsbrunn - Drei Tage lang stand Siegertsbrunn ganz im Zeichen des Leonhardifestes mit dem Höhepunkt am Sonntag. Fast 50 Kutschen und Truhen- sowie Kastenwagen, zahlreiche Einzelreiter und Fußgruppen beteiligten sich an der dreimaligen Umfahrt um die Wallfahrtskirche St. Leonhard.

Tausende Menschen säumten den Weg und bewunderten prächtig geschmückte Pferde und Reiter in Tracht. Kaiserwetter herrschte in den frühen Morgenstunden, als Pfarrer Toni Wolf und Monsignore Wolfgang Huber, der Präsident des Missionswerkes Missio, unter freiem Himmel den Gottesdienst zelebrierten. Eingeladen war auch der evangelische Pfarrer Thomas Lotz. In seiner Predigt knüpfte Huber die Verbindung vom Heiligen Leonhard zur aktuellen Gegenwart. So wie der Heilige in der Nachfolge Christi den Ruf Gottes annahm und auf der Straße der Barmherzigkeit wirkte, so gelte es auch heute, das Schicksal der Menschen zu sehen und den „Nächsten, auch wenn er weit weg ist, nicht aus den Augen zu verlieren“, sagte Huber. Der Nächste, das seien die Menschen, die auf der Flucht sind, weil sie verfolgt werden, Hunger und Durst leiden. Ihnen zu helfen dort wo sie leben, in den Lagern im Libanon beispielsweise, und so zu helfen, dass sie dort leben können und ihr Leben gestalten können. „Sie wollen nicht weg, den gefährlichen Weg nach Europa auf sich nehmen, aber wenn ihnen die Lebensgrundlage entzogen wird, wird es schwierig für sie“, so Huber. Das Ziel müsse es sein, die Straßen der Flüchtlingsrouten erst gar nicht entstehen zu lassen, ein Leben zu gestalten, das ihnen erlaubt, wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Hier helfe Missio, engagiere sich im Libanon und die Kollekte des Gottesdienstes war für diesen Zweck bestimmt. 

Nach dieser feierlichen Messe startete der Leonhardiritt. Angeführt von den vier Vorreitern Johann Minsinger mit der Standarte sowie Ludwig Minsinger und Günter und Florian Hörger machte sich der kilometerlange Zug auf den Weg. Weit war das Läuten der Glöckchen, mit denen die Pferde geschmückt waren, zu hören. Mit Schleifen und Blumen waren die Rösser herausgeputzt, prächtiges Zaumzeug und liebevoll mit Blumen verzierte Wagen brachten die Zuschauer immer wieder zum bewundernden Staunen. Allein 18 Wagen kamen aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn, weitere über 30 aus den umliegenden Ortschaften und dem Landkreis Ebersberg, berichtete Hans Loidl, der Vorsitzende des Leonhardi-Komitees. Fast eine Stunde dauerte der Umritt. 

Während der ganzen Zeit läuteten Mathias und Michael Deuter sowie Leonhard und Lukas Hörger die Glocken. Im Viervierteltakt stießen sie jeweils die Glockenschwengel an, so wie es in Siegertsbrunn in der Geschichte des Leonhardifestes der Brauch ist. Für Loidl und sein Team bedeutet das größte Fest in der Gemeinde jede Menge Arbeit. 

Die Vorbereitungen beginnen schon Wochen vorher mit der Anmeldung der Teilnehmer, dem Einteilen der Reihenfolge. Die heiße Phase beginnt mit dem Aufbau des Festzeltes, in dem heuer zum ersten Mal mit dem Bieranstich der Auftakt gefeiert wurde. Aber das Leonhardifest soll nicht zur touristischen Attraktion und Folklore verkommen. Darum bildet als wichtigster Tag immer noch der Samstag, der Tag der Wallfahrer, einen Höhepunkt. Bereits um 3 Uhr machen sich die ersten Gläubigen beispielsweise aus Perlach zu Fuß auf den Weg und ziehen um 7 Uhr in die Wallfahrtskirche ein. Jede Gruppe wird am Ortseingang mit den Wallfahrerfahnen abgeholt und geleiten sie zur Kirche. Ab 5 Uhr beginnen die Burschen mit dem Glockenschlagen und begrüßen so jede Wallfahrergruppe. Um 6 Uhr werden vier Messen gefeiert, die vom Kirchenchor und dem Brunnthaler Chor musikalisch gestaltet werden. Hier pflegen die Siegertsbrunner die überlieferte Tradition und halten sie lebendig. Zur Tradition gehört auch das Siegertsbrunner Leonhardi-Lied, dass während der Messen und am Sonntag zu Beginn des Gottesdienstes von den Gläubigen gesungen wird, zur Ehre des Heiligen Leonhard.

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