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Geschafft: Vor zwölf Jahren freuten sich die Aktiven von „ProKids“ und Peter Sinhart (3.v.l.) über die Einweihung des Spielplatzes.

Aus einer Bürgerinitiative entstanden

"ProKids" gibt es nicht mehr

Straßlach-Dingharting - Bei seiner außerordentlichen Mitgliederversammlung ging es im Verein „ProKids“ in Straßlach-Dingharting nicht etwa darum, dass die Jugendlichen, die über die Freizeitstätte hinausgewachsen sind, vielleicht einen Treffpunkt bräuchten. Einziger Tagesordnungspunkt war die Auflösung des Vereins, der in der ländlich geprägten Kommune außerordentlich viel bewegt hat.

2003 haben sich unter Peter Sinhart einige engagierte Eltern zusammengetan. Die meisten waren gerade erst in den Ort am Isarhochufer gezogen Das war das eine. Das andere: Es gab in Straßlach zwischen wenigen Häusern und viel freier Fläche keinen einzigen Kinderspielplatz. „ProKids“ ist letztlich aus einer Bürgerinitiative entstanden, die sich zum Ziel gesetzt hatte, eine Fläche zu reservieren – und die dann mit Schaukel, Wippe und Rutsche zu bestücken. Um auch den Vätern und Müttern eine Gelegenheit zu geben, rauszukommen aus den meist heckenumwachsenen Gärten und einander kennenzulernen.

Beim Gemeinderat, berichtet Peter Sinhart heute, rannte die Initiative damit mitnichten offene Türen ein; man habe in dem noch von älteren Kommunalpolitikern dominierten Gremium eher darum ringen müssen, ein Grundstück zur Verfügung gestellt zu bekommen. „Wir haben das nach langen Verhandlungen bekommen.“ Für die Spielgeräte für den 2004 schließlich eingeweihten Spielplatz musste ohnehin der Verein aufkommen. Mit Flohmärkten „rund ums Kind“, die zweimal im Jahr in der alten Mehrzweckhalle stattfanden, schufen sich die Aktiven, die zu Hochzeiten 100 Mitglieder in ihren Reihen zählen konnten, eine, wie Sinhart sagt, „finanzielle Melkkuh“. Die auch nötig war, weil mit dem Spielplatz die Wunschliste noch nicht abgearbeitet gewesen ist. „Mit den wachsenden Kindern haben sich natürlich neue Bedürfnisse entwickelt.“ Bald hielt der Verein Ausschau nach einem Jugendtreff. Reaktion der Gemeinde laut Sinhart: „Die wollten erst mal, dass wir das alles bezahlen.“

Dazu ist es am Ende aber doch nicht gekommen. Als Träger der Einrichtung wurde der Kreisjugendring gewonnen, und Räume wurden provisorisch in der Mehrzweckhalle eingerichtet – beziehungsweise durften die Heranwachsenden mit den Betreuern dort einen Raum mitnutzen, der vormittags als Klassenzimmer herhalten musste. Ideal war das freilich nicht. „Es war ein bisschen schwierig“, erinnert sich Sinhart. Aber besser als nichts. Dann wurde die Mehrzweckhalle weggeschoben, durchs neue Bürgerhaus ersetzt, und während der Bauzeit zogen die Kids, für die sich ihre Eltern so eingesetzt hatten, in Container. Sinharts Kinder haben all diese Stationen durchlaufen. Sie rutschten und schaukelten auf dem Spielplatz hinterm Rathaus, den die Aktiven errichtet hatten, sie nutzten den Jugendtreff in all seinen Ausformungen. Und konnten dann, als das Bürgerhaus 2014 eingeweiht wurde, auch dort die neuen, wirklich großzügigen Räume beziehen, die die Gemeinde dem „Juze“, wie das Freizeitheim inzwischen hieß, hier reserviert hat.

Womit „unsere Rolle im Ort immer unwichtiger geworden“ sei, nachdem auch Dingharting inzwischen einen Spielplatz hat. Dies umso mehr, als inzwischen einige Gründungsmitglieder von „ProKids“ selbst im Gemeinderat sitzen – und die Anliegen der Jugendlichen direkt im Gremium vertreten. Im Herbst war die letzte Hauptversammlung des zwischenzeitlich auch mitgliedermäßig geschrumpften Vereins. Neuwahlen der Vorstandschaft standen auf der Agenda – aber es fand sich niemand aus den Reihen der Anwesenden, der sich für eines der Ämter zur Verfügung stellen wollte.

Auch Sinhart, der zwar „ungern“ die ehemals so gute Idee begraben hat, hatte freilich längst gesehen, dass es inzwischen dringendere Aufgaben gibt. Um die Älteren müsste man sich kümmern, Asylbewerber könnten Unterstützung brauchen. Aber die Umwidmung eines Vereins ist rechtlich noch komplizierter als dessen Auflösung. Weshalb schließlich bei der Versammlung von elf Anwesenden zehn dafür stimmten, „ProKids“ aus den Vereinsregistern im Landkreis streichen zu lassen. (ak)



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