Bezahlbarer Wohnraum am Riegerweg

Taufkirchen – „Bezahlbaren Wohnraum schaffen“, darum bemühen sich im Landkreis derzeit viele Gemeinden. In Taufkirchen steht das Projekt „Am Riegerweg“ exemplarisch für neuen, günstigen Wohnraum. 13 Millionen Euro will die Gemeinde in die Hand nehmen, um 47 Wohnungen zu schaffen, die für durchschnittlich acht bis zehn Euro pro Quadratmeter vermietet werden sollen. Finanziert werden soll das Vorhaben aus Mitteln des „Wohnungspakts Bayern“.

Grünen schon im Frühsommer dafür geworben, den „Wohnungspakt Bayern intensiv für Taufkirchen zu nutzen“ und einen entsprechenden Antrag im Gemeinderat eingebracht. Allerdings wurden sie damit recht barsch zurückgewiesen (wir berichteten). „Mit diesem populistischen Trittbrett-Antrag wollen die Grünen auf einen Zug aufspringen, der schon fährt“, erklärte Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) damals und verwies auf die bereits laufenden Vorhaben und Gespräche. Nun ist der Rahmen für das Projekt offenbar soweit festgezurrt, dass es in der jüngsten Gemeinderatssitzung öffentlich vorgestellt wurde. Die Gewofag-Vertreter Michael Hardi (Ressortleiter Bau) und Dennis Schauer (Ressortleiter Finanzen) stellten die Pläne in groben Zügen vor. An der Münchner Wohnungsbaugesellschaft (Gewofag) hält die Gemeinde Taufkirchen seit diesem Jahr Anteile von 5,1 Prozent und hat die Gesellschaft mit der Projektsteuerung am Riegerweg beauftragt. Bauherr bleibt die Gemeinde Taufkirchen, die das entsprechende Grundstück durch einen Deal mit einem Investor, der ebenfalls am Riegerweg ein Wohnprojekt und einen Supermarkt errichtet, günstig erworben hat.

benteilung: Die Gewofag muss sich, ebenso wie die Baugesellschaft München-Land, nicht an vergaberechtliche Vorgaben halten. Die Gemeinde hingegen hätte als öffentlicher Auftraggeber alle Leistungen, inklusive der Projektsteuerung, öffentlich ausschreiben müssen. Dieser Aufwand entfällt somit. Gleichzeitig hat die Gemeinde als Bauherr Zugriff auf die Fördermittel der „zweiten Säule“ des Wohnungspakts. „Für uns als Gesellschafter ist dieser Zugriff nicht möglich“, erklärte Gewofag-Vertreter Michael Hardi in der Sitzung.

Sobald die Wohneinheit mit 4000 Quadratmetern Geschossfläche steht, endet der Vertrag mit der Gewofag und es übernimmt die Taufkirchner Wohnungsbaugesellschaft (TWG), die sich um die Bewirtschaftung und die Pflege des Projekts kümmern wird. Klingt nach einem guten Deal für die Gemeinde – und die Taufkirchner Bürger, die ab 2020 in die Wohnungen ziehen sollen. Allerdings: 13 Millionen Euro Erstellungskosten sind trotz „Wohnungspakt Bayern“ kein Pappenstiel, wie Michael Lilienthal (Freie Wähler) im Gemeinderat mahnte. „Es geht um Geld, und wir haben ja keins.“ Zudem müsse die Gemeinde Schulen sanieren und andere Pflichtaufgaben stemmen. Ziel sollte deshalb sein, „eine Finanzierung zu finden, bei der die Gemeinde nicht jährlich Geld zuschießen muss“.

Laut Dennis Schauer kommt die Gemeinde bei „einer Nettomiete im Mittelwert von zehn Euro pro Quadratmeter“ um jährliche Zuschüsse herum. Gerechnet sei das Ganze auf 20 Jahre Bindungsfrist der Mieten und 30 Jahre Laufzeit zur Tilgung der Kredite. Grundsätzlich werde bei dem Wohnprojekt ein „robuster Standard“ umgesetzt, ergänzte Michael Hardi, der eine „Lebenszeit von 50 Jahren“ garantieren soll. In einem ersten Bebauungsplanentwurf sind 47 Wohnungen à 69 Quadratmeter vorgesehen. Auf Nachfrage von David Grothe (Grüne) ging Hardi auf die Ausstattung ein. „Hochwertige Fliesen, Naturstein im Treppenhaus und überall Parkett“ seien Standard bei Bauten der Gewofag. Die Zahl der Stellplätze soll sich an der neu zu beschließenden Stellplatzsatzung orientieren, die die Verwaltung derzeit auf Antrag der Freien Wähler aktualisiert (wir berichteten). Auch bei den Kosten seien noch „einige Sachen offen“, sagte Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei). Der Entwurf sei eine „grobe Kostenüberlegung“, die konkrete Fördersumme stehe noch nicht fest. Klar sei aber, „dass sich das im Haushalt in den nächsten Jahren spürbar bemerkbar machen wird“.

soh

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