+
„Hoher Gebäudeleerstand, niedrige Kundenfrequenz“: Die „Lindenpassage hat nach Ansicht von Kathrin Menzel vom Bauamt Taufkirchen schon bessere Tage gesehen. Nun soll das gesamte Ensemble erneuert werden, um so die Nahversorgung und die Lebensqualität im Ortsteil Taufkirchen „Am Wald“ zu verbessern.

Bürgerinformation zur „Lindenpassage“

Neue Pläne für marodes Einkaufszentrum

Taufkirchen - Der Taufkirchner Gemeinderat hat darauf gedrängt, nun wurde der Mehrheitswunsch umgesetzt: Im Sitzungssaal des Rathauses informierten Bauamt und Planer rund 70 Zuhörer über das Großprojekt „Lindenpassage“ im Ortsteil „Am Wald“, das über die Rock Capital Investment GmbH abgewickelt wird – und nicht bei allen Taufkirchnern auf Gegenliebe stößt.

Stehen die Taufkirchner mehrheitlich hinter dem Umbau der „Lindenpassage“ oder sind die Kritiker in der Überzahl? Diese Frage trieb die Projektplaner um, als sie auf Wunsch des Taufkirchner Gemeinderats nun erstmals der breiten Öffentlichkeit über die Pläne zur neuen Passage berichteten.

Seit drei Jahren beschäftigt sich die Gemeinde Taufkrichen mit dem Projekt, und seither ist einiges an Kritik ins Rathaus geschwappt. Vor allem eine Eigentümergemeinschaft aus der Wildapfelstraße fühlt sich übergangen und – trotz direkter Nachbarschaft – nicht persönlich in die Pläne eingebunden. Auf der Infoveranstaltung übten die Vertreter daran noch einmal offen Kritik. Andere Anwohner fürchten eine „Verschattung“ durch den neuen Gebäudekomplex mit Erdgeschoss und insgesamt fünf terrassenförmig angeordneten Wohngeschossen.

In Vertretung des kurzfristig erkrankten Bürgermeisters Ullrich Sander hatte der stellvertretende Bauamtsleiter Thomas Beer die Moderation übernommen und versuchte, die Stimmung mit launigen Sprüchen etwas zu lockern: „Wir haben uns bemüht, vor alle sieben Referenten auf dem Podium die richtigen Namensschilder zu stellen – und ich denke, das ist uns ganz gut gelungen.“ Danach übergab er das Wort an Bauamtsmitarbeiterin Kathrin Menzel, die das Projekt in groben Zügen vorstellte.

Geplant ist demnach folgendes: Die „Lindenpassage“, ein Raum mit „hohem Gebäudeleerstand und niedriger Kundenfrequenz“ soll sich zu einem neuen Zentrum für Einkaufen, Wohnen und Freizeit entwickeln.

Für den Einzelhandel im Erdgeschoss ist eine Fläche von 3650 Quadratmetern vorgesehen. Darin sollen ein Vollsortimenter und ein Discounter Platz finden und ein Drogeriemarkt eröffnen, den es bislang noch nicht in Taufkirchen gibt. Zudem hoffen die Planer auf einen Gastronomiebetrieb mit Mittagstisch und Freisitzflächen außerhalb der Passage, eine Bäckereifläche und eventuell Arztpraxen. Ziel ist es, „die fußläufig erreichbare Nahversorgung Am Wald zu verbessern“, erläuterte Menzel.

Für Kunden, die dennoch mit dem Auto kommen, sind insgesamt 408 Stellplätze vorgesehen, davon 14 oberirdisch entlang des Lindenrings, alle anderen in einer zweigeschossigen Tiefgarage. Über einen „Rollsteig“ geht es von der Tiefgarage direkt zu den Geschäften im Erdgeschoss, erläuterte Objektplaner Laurent Brückner. Die Einfahrt soll über die Wildapfelstraße, die Ausfahrt über die Eichenstraße erfolgen; die Einbahnregelung dort bleibt bestehen. Zwischen den Geschäften liegt eine etwa zehn Meter breite Passage, die zur Parkanlage im Westen und in Richtung S-Bahn während der Geschäftszeiten offen zu passieren ist. Abends, nachts sowie an Sonn- und Feiertagen wird der Durchgang abgesperrt. Ein Umstand, der bei vielen Anwesenden auf Unverständnis stieß. Kritisiert wurden vor allem die „viel zu schmalen Wege“, die im Norden und Süden um die Anlage herumführen – und „etwa für Kinderwagen absolut ungeeignet sind“.

Teil zwei des Projekts: Wohnbebauung, die auf einem „Deckel“, der die Gewerbeeinheit nach oben abschließt, entstehen wird. Auf circa 10 000 Quadratmetern Wohnfläche soll es rund 180 Wohnungen geben, treppenförmig angeordnet und auf insgesamt fünf Stockwerke verteilt. Ob die Wohnungen barrierefrei sind, wollte ein Zuhörer wissen. „30 Prozent der Wohnungen entstehen gemäß Bayerischer Bauordnung barrierefrei und können sehr leicht behindertengerecht ausgebaut werden“, antwortete der stellvertretende Bauamtsleiter Thomas Beer. Zudem hat sich die Gemeinde für etwa 900 Quadratmeter Wohnfläche das Belegungsrecht gesichert, um günstigen Wohnraum schaffen zu können. Die Gesamt-Geschossfläche liegt bei 24 400 Quadratmetern; die Grundflächenzahl, die angibt, wie dicht der Boden eines Grundstücks versiegelt oder überbaut werden darf, bei 0,9.

Höchstes Gebäude des neuen Ensembles bleibt das Hochhaus mit der Apotheke an der Eichenstraße 36. „Dieses Haus wird nicht abgerissen“, betonte Beer. Die neue, fünfstöckige Wohnbebauung bliebe höhenmäßig unter diesem Bestandsgebäude. Eine Zuhörerin aus der Eichenstraße Nord befürchtet durch die neuen Wohnungen eine „Verschattung“, was von Objektplaner Brückner umgehend zurückgewiesen wurde: „Die Abstandsflächen werden eingehalten. Da sind wir weit außerhalb jeglicher kritischer Bereiche.“ Insgesamt blieb es bei der Infoveranstaltung ruhig, was Rudolf Häusler, Anwalt des Investors Christian Lealahabumrung (Rock Capital), mit offener Erleichterung quittierte. „Die Vorhabensträger befassen sich seit drei Jahren mit dem Projekt.“ Da sei es schön zu sehen, dass bei der Bevölkerung keine „grundsätzliche Ablehnung“ vorhanden sei. Allerdings: Nicht alle Antworten konnten die Bürger überzeugen (siehe Kasten). Die Ausführungen Beers zu den formalen Abläufen eines Bauleitplanverfahrens („Wir können nicht jeden Nachbarn einzeln befragen“) wurde von vielen mit Kopfschütteln kommentiert. Einige verließen schon kurz vor Schluss den Sitzungssaal. „Das wird spannend“, raunten sie sich beim Gehen zu.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

60 Prozent Strom aus erneuerbarer Energie

Taufkirchen – Gut 28 Millionen Euro investiert das Bayernwerk heuer in den Ausbau und die Modernisierung seiner Stromnetze in der Region. Eine große Herausforderung ist …
60 Prozent Strom aus erneuerbarer Energie

Letztes Konzert des Kirchemusikers in Taufkirchen

Taufkirchen - Die Verabschiedung von Kirchenmusiker Johannes Eppelein in der Jerusalemkirche, der zur Christuskirche nach Neuhausen wechselt, wurde zum Ereignis.
Letztes Konzert des Kirchemusikers in Taufkirchen

Kommentare