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Die Bar sieht unscheinbar aus, hat es aber nach Ansicht der Anwohner nachts in sich: lärmtechnisch.

Bewohner klagen über Lärm

Streit um Shisha-Bar

Taufkirchen - Vor zweieinhalb Monaten hat am Köglweg 13 in Taufkirchen eine Shisha-Bar eröffnet. Seitdem leiden einige Bewohner unter massiver nächtlicher Ruhestörung. Pikant: Laut Notarvertrag der Eigentümer gilt für die Wohnungen in der Anlage Köglweg-Keltenring die Zweckbestimmung Betreutes Wohnen, was zu besonders hoher Rücksichtnahme verpflichtet.

Eine Shisha-Bar unterhalb von Wohnung mit der Zweckbestimmung Betreutes Wohnen? Für ein Ehepaar aus Taufkirchen, das sich an den Münchner Merkur gewandt hat, und andere Miteigentümer der Wohnanlage Köglweg-Keltenring passt das gar nicht zusammen. Das Paar vermietet eine Wohnung im ersten Obergeschoss, schräg über der Shisha-Bar. Und seit die Ende Juni eröffnet hat, gibt es ein Problem. Die Mieterin des Paares und andere Bewohner im Haus können nachts nicht mehr ruhig schlafen. Die Musik ist zu laut, und die Gäste, die ins Lokal kommen oder es verlassen, machen viel Lärm, klagen die Betroffenen. Schon oft haben sie deshalb die Polizei gerufen, sich an die Gemeinde Taufkirchen, ans Landratsamt und an den Landrat gewandt. Geöffnet hat die Shisha-Bar bis 1 Uhr, am Wochenende bis 3 Uhr früh. Und sie ist damit ein echtes Kontrastprogramm zum „Tagescafé“, das bei Eröffnung der Anlage 1998 in der „Gewerbeeinheit Köglweg 13, Erdgeschoss rechts“ eingerichtet war. 

Zehn Jahre lang wurde die Anlage von einem sozialen Hilfsdienst betreut, dessen Vertrag im Jahr 2008 endete. Auch das Café hat schon nach einigen Jahren wieder zugemacht, berichtet eine Eigentümerin. Zuletzt zog für fünf Jahre eine Pizzeria ein – nun dringen süßlicher Shisha-Rauch und Hip-Hop-Musik“ aus den Räumlichkeiten und bringen die Betroffenen um ihren Schlaf. „Wir haben keine Tanzfläche, wir sind keine Diskothek. 

Bei uns ist es nicht laut“, betont derweil Assad Beseh (23), der Pächter des zweigeschossigen Betriebs, auf Nachfrage des Münchner Merkur. An einem guten Miteinander in der Anlage sei ihm gelegen. Die Streitigkeiten mit den Eigentümern reiben ihn auf: „Vor zwei Monaten habe ich eröffnet, mit einer vorläufigen Betriebserlaubnis (s. Kasten). Doch es gab schon so viel Streit, so oft war die Polizei bei uns, dass ich das Gefühl habe, schon zehn Jahre hier zu sein.“ Decke ist nicht gedämmt Die Eigentümer berufen sich in ihrer Argumentation auf die Zweckbestimmung Betreutes Wohnen in ihrem Notarvertrag und auf die Hausordnung: „Sie besagt, dass ruhestörende Aktivitäten ab 22 Uhr zu unterlassen sind“, betonen sie. „Trotzdem wurde vom Landratsamt eine solche Bar genehmigt, ohne hierfür ein normiertes Schallschutzgutachten einzufordern.“ 

Dass die Decke zu den Wohnungen im ersten Obergeschoss nicht gedämmt ist, bestätigt auch Pächter Assad Beseh. „Das habe ich vorher aber nicht gewusst.“ Und: „Wenn die Dämmung das einzige Problem ist, würde ich das auch nachträglich noch machen.“ Die Eigentümerin, die an Assad Beseh verpachtet, war bei der jüngsten Eigentümer-Versammlung Ende August selbst vor Ort. Doch die Fronten sind verhärtet, zu einer Einigung mit den anderen Eigentümern kam es nicht. Für Pächter Beseh ein schlechtes Zeichen: „Es liegt nicht an der Lautstärke“, ist er überzeugt. „Die war nur zweimal hoch: einmal bei der Eröffnung und dann beim Spiel Deutschland gegen Italien.“ 

Klären muss die ganze Angelegenheit das Landratsamt. Die Vorfälle sind der Behörde seit gut zwei Monaten bekannt und haben bereits verschiedene Abteilungen durchlaufen. Anfang dieser Woche wurde nun ein Verwaltungsverfahren eröffnet, wie die Gemeinde Taufkirchen auf Nachfrage sagt. Nach Aussage der Gemeinde habe man das Landratsamt um ein solches Verfahren gebeten, um die vertrackte Situation zu klären. Schließlich kämen hier rechtlich verschiedene Punkte zusammen. „Die Hausordnung und die Zweckbestimmung Betreutes Wohnen sind privatrechtliche Angelegenheiten“, betont Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei). „Baurechtlich handelt es sich um ein ,Allgemeines Wohngebiet‘.“ Welches Recht hier gegebenenfalls in welcher Form verletzt worden ist, soll das nun angelaufene Verwaltungsverfahren klären. 

Konkret bedeutet das, dass sich Pächter Assad Beseh binnen weniger Wochen schriftlich zu seiner Shisha-Bar erklären muss. Danach entscheidet das Landratsamt München, ob die Nutzung fortgeführt werden darf oder nicht. Die auf drei Monate befristete vorläufige Betriebserlaubnis für die Shisha-Bar am Köglweg in Taufkirchen läuft Ende des Monats aus. Bis dahin, so eine Sprecherin des Landratsamts, soll die Sache geklärt sein.

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