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Am Hohenbrunner Weg in Taufkirchen soll ein kleines Gewerbegebiet entstehen. Mehr Verkehr wird befürchtet.

Geplantes Gewerbegebiet an der Tegernseer Landstraße

Neuer Zoff bei jedem Beschluss

Taufkirchen - Naturraum oder Wirtschaftsstandort? Gewerbesteuereinnahmen oder Verkehr? Diese – für alle Kommunen – wichtigen Fragen exerziert der Gemeinderat Taufkirchen seit knapp zwei Jahren am geplanten Gewerbegebiet an der Tegernseer Landstraße durch. Die Geschichte eines äußerst zähen Projekts.

Dem Grundsatzbeschluss hatten einige Räte nur unter Bauchschmerzen zugestimmt. Die ILT war von Anfang an dagegen. Und von den Bürgern sind im Rathaus  bislang über 100 Einwände zum geplanten Gewerbegebiet an der Tegernseer Landstraße („GE Tela“) eingegangen. Tenor: „Wichtige Grünflächen“ würden vernichtet, der „Außenbereich zersiedelt“ und das ohnehin „hohe Verkehrsaufkommen in den umliegenden Straßen“ weiter erhöht.

100 Einwände von Bürgern

Wirklich überraschend ist der schriftlich geäußerte Unmut nicht. Vor zwei Jahren fällte der Gemeinderat mit 18:7 Stimmen den Grundsatzbeschluss für die neue, 12 000 Quadratmeter große Gewerbefläche (wir berichteten). Zwei ortsansässige Betriebe sollen dorthin umziehen, andere Flächen stünden nicht zur Verfügung, argumentieren Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) und die CSU-Fraktion. Doch viele Bürger waren von Anfang an dagegen.

Viel Protest aus dem Hohenbrunner Weg

Besonders viele Einwände beziehen sich auf den Verkehr am Hohenbrunner Weg: Hier lag die Belastung im Jahr 2001 bei 5400 Kfz/Tag. Durch Einengung der Straße gelang es der Gemeinde, den Verkehr seit 2004 auf 4400 Kfz zu reduzieren. Dann kam das Gewerbegebiet östlich der A 8 Richtung Salzburg (Ikea) – und erhöhte die Zahlen wieder auf 5600 Kfz/Tag. Laut Verwaltung würden durch das neu geplante Gewerbegebiet an der Tegernseer Landstraße nochmals „maximal 200 zusätzliche Fahrten pro Tag“ hinzukommen. Im Verhältnis zur Bestandsbelastung seien dies „geringe Zuwächse“, heißt es.

Diese Wortwahl stieß Edith Hirtreiter (ILT) in der Oktober-Sitzung des Bauausschusses sauer auf. „Über 100 Bürger haben alle die gleichen, vernünftigen Einwände gegen das Gewerbegebiet gebracht. Von der Verwaltung wird das aber ziemlich heruntergebügelt“, kritisierte sie. „Da frage ich mich, was die öffentliche Beteiligung überhaupt soll?“

Letztere ist Teil eines – mittlerweile recht langwierigen – Bebauungsplanverfahrens, das im Januar 2015 seinen Anfang nahm. Damals fällte der Gemeinderat mit 18:7 Stimmen den Grundsatzbeschluss für das neue Gewerbegebiet. Konkret nutzen sollen die Flächen der Baustoffgroßhandel „Seeberger“ und die Firma „Frieser“, die am S-Bahnhof sitz (Sander nannte die Namen jüngst im Bauausschuss).

Doch was geschieht, falls beide Betriebe das neue Gebiet doch nicht nutzen wollen? „Dann hätten wir ein Gewerbegebiet geschaffen, das wir eigentlich gar nicht wollten, weil deplatziert und zu klein – und das für Betriebe, für die das ursprünglich gar nicht vorgesehen war“, fasste Michael Lilienthal (FW) die Befürchtung mehrerer Ratskollegen im Bauausschuss zusammen.

Gabriele Zaglauer-Swoboda (Grüne) bekräftigte, ihr wäre „ein vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren“ deshalb von Anfang an lieber gewesen. Und Edith Hirtreiter bemängelte die neue Formulierung im Beschlussvorschlag: „Erst hieß es ,ein kleines Gewerbegebiet für zwei ortsansässige Betriebe’. Jetzt steht da: ,zur Ansiedlung kleiner und mittlerer Betriebe“.“

Seit Monaten wird konkret verhandelt

Fest steht: Diskutiert haben die Taufkirchner Gemeinderatsmitglieder über das Gewerbegebiet ,Tela’ genug. Neben den öffentlich geführten Debatten stand das Vorhaben mehrfach auf der Tagesordnung von nichtöffentlichen Sitzungen. Auch die Eckpunkte des Vertragsentwurfs mit der Firma Frieser seien im September bereits Thema gewesen, erinnerte Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) die Ausschussmitglieder.

Dem in der Sitzung gestellten Antrag von Michael Lilienthal (FW), den Tagesordnungspunkt zur Aufstellung des Bebauungsplans kurzfristig abzusetzen, erteilte er deshalb eine Absage. „Um das zeitlich hinzukriegen, brauchen wir heute einen Beschluss!“ Sanders Argumente: „Die Firma Frieser wird kein Ackerland kaufen.“ Und: Die Gemeinde mache mit den Flächen Gewinn. „Gekauft hat die Gemeinde damals für 25 Euro pro Quadratmeter. Heute können wir für eine erschlossene Gewerbefläche 300 Euro pro Quadratmeter verlangen.“ Auch Paul Haberl jun. (CSU) gab ein deutliches Statement ab: „Ich bin seit 2002 im Gemeinderat. Seither haben wir drei Betriebe angesiedelt. Soll das wirklich so weitergehen?“

Sander fordert mehr Tempo

Aktueller Stand: Aufgrund der Einwände von Bürgern und den Trägern öffentlicher Belange hat die Verwaltung vier Änderungen in den Bebauungsplan eingefügt (Kasten). Diesen nahm der Bauausschuss mit 7:4 Stimmen an. Nun wird der Bebauungsplan erneut vier Wochen lang ausgelegt – zu den Ergänzungen können die Bürger wiederum Stellung nehmen. Erst danach dürfen die Räte den Satzungsbeschluss fällen. Seit dem grundsätzlichen „Ja“ zum Gewerbegebiet an der Tela werden dann zwei Jahre ins Land gegangen sein.

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