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Aufgeppt für Asien: Die Taschen sind nun bunter.

Unterhachinger Label stellt sich vor

„ad:acta“ gibt Nachhilfe in Hongkong

Unterhaching – Taschen aus Aktenordnern präsentiert „ad:acta“ in Hongkong. Und zeigt in Asien, wie Umweltschutz auf bayerisch geht.

Der Kreis ist klein und fein, geradezu erlaucht – nicht jeder darf mitmachen bei der Aktion von „bayern.design GmbH“ und Wirtschaftsministerium. Eine Jury hat zehn „Labels“, wie sie in der Sprache der jungen Kreativen sagen, ausgewählt. Sie dürfen sich vom 25. November bis 25. Dezember im PMQ vorstellen, einem hippen Gebäudekomplex mit zig Ladengeschäften, Pop-up-Stores und Kreativagenturen. Motto der Aktion: „Bayerisches Design in Hongkong“. 

Mit dabei: „ad:acta Upcycling Goods“ aus Unterhaching. Platz ist knapp im kleinen Büro von Martin Brandl, 24. Der stellvertretende Geschäftsleiter von „ad:acta“ sitzt zwischen Kartons mit ausrangierten Aktenordnern, Regalen mit Businesstaschen und einer weißen Tafel, auf der die Marketingstrategie notiert ist. Twitter, Facebook, Webseite. Und jetzt eben: Hongkong. 

„Made in Germany“, weiß Martin Brandl über den asiatischen Markt, „ist dort grundsätzlich interessant.“ Jetzt kommt ein weiterer Aspekt hinzu. Nämlich in einer Region der Welt, der nicht gerade ein Faible für Umweltschutz und Nachhaltigkeit nachgesagt wird, eben genau damit zu punkten. Das macht das Unterhachinger Unternehmen: Hand-, Business- und Geldtaschen aus alten Aktenordnern, die sonst ein Fall für die Mülltonne wären. 

Aus Aktenordnern entstehen Taschen.  Der stellvertretende Geschäftsleiter Martin Brandl erklärt‘s.


Das Image, sie seien „doch eh nur so seltsame Ökos“, kennt Martin Brandl. „Unsinn“, entgegnet er. „Wir hüpfen nicht den ganzen Tag im Hanfkleidchen durch die Gegend, sondern sind ganz normale Leute, die überlegen, wie sie der Umwelt Gutes tun können.“ In diesem Fall, indem sie alte Aktenordner (sogar mit Originalbeschriftung der einstigen Verwendung) in einer Ledermanufaktur umarbeiten lassen zu hochwertigen Aktentaschen für Geschäftsleute. „Assistent“, „Dienstweg“ oder „Diplomat“ heißen sie bis zu 169 Euro teuren Modelle. 

Öko-Optik? Keine Spur davon. „Das müssen die Leute erst lernen über Upcycling“, sagt Martin Brandl. „Dass dahinter optisch ansprechende und qualitativ hochwertige Produkte stecken.“

Diese Art von Nachhilfeunterricht geben die Unterhachinger um Firmenchef Johannes Hoffmeister nun in Hongkong. Genauer gesagt, sie lassen ihn geben, denn in der Vorweihnachtszeit hat niemand Luft für eine derart aufwändige Reise. Also springt Johannes Raatz ein, eine Art langjähriger Fan der „ad:acta“-Produkte; und einer, der nach Taiwan ausgewandert ist, rasch vor Ort sein und sogar in der Landessprache parlieren kann. „Er agiert als Freund, ist in Hongkong quasi unsere rechte Hand“, sagt Martin Brandl. 

Worum es dabei geht, erklärt Silke Claus, Geschäftsführerin der „bayern design GmbH“: „Mit dieser Aktion möchten wir aufstrebende Designer aus dem Standort Bayern bei der Erschließung neuer Absatzmärkte in China unterstützen und ihnen in Hongkong eine hochattraktive Plattform bieten.“ Ob das Unterhachinger Unternehmen davon profitieren wird? Martin Brandl zuckt die Schultern, der 24-Jährige will sich überraschen lassen. Die Chance, dass die Aktentaschen im wörtlichen Sinne das Publikum in Hongkong begeistern und örtliche Händler sie aus dem Showroom für ihre Läden ordern, besteht immerhin. „Dann würde für uns ein kleiner Traum in Erfüllung gehen.“ 

Auf Wunsch von „bayern.design“ haben die „ad:acta“-Macher ihre sonst in dezenten Braun- und Grautönen gehaltenen Taschen farblich aufgepeppt. Weil, wie Martin Brandl weiß, „der asiatische Markt mehr hip und frech ist, eher Lifestyle als Business“. Also gibt’s Sonderanfertigungen, auf der Farbtafel als „Pesca“ (gelb) und „Mattone“ (rot) notiert. Aus ausrangierten Dingen neues, innovatives Design entstehen lassen: „Das dürfte auch für den asiatischen Markt von großer Bedeutung sein“, glaubt Martin Brandl. Wird Upcycling zum neuen Trend bei den Chinesen? Die Denkanstoßgeber aus Unterhaching sind gespannt aufs Feedback.

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