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Die vielen Stunden des Trainings für einen Ernstfall haben sich ausgezahlt. Die Arbeit der Feuerwehren, Polizei und Rettungsdienste war geprägt von höchster Professionalität.

Unglaubliches Engagement

Wegen Amoklauf in München: Schlaflose Nacht für Einsatzkräfte

Landkreis - Eine schlaflose Nacht bedeutete der Amoklauf von München auch für die Einsatzkräfte. Alle verfügbaren Kräfte waren in und um München unterwegs, um für die Sicherheit der Bürger zu sorgen.

Stefan Schraut, Leiter der Polizeiinspektion Unterhaching: „Der Amoklauf ist unser kleines 9/11. Jeder wird auch noch in vielen Jahren wissen, was er an diesem Tag getan hat. Das einzig Positive, was ich daraus gewinnen kann, ist, dass viele Bürger danach auf uns zugekommen sind, und sich dafür bedankt haben, dass es uns gibt. Das habe ich noch nie so erlebt.“

Von der großen Welle des Engagements waren alle überwältigt. Eine „mutige und richtige Entscheidung“ nennt es Grünwalds Polizeichef Andreas Aigner, dass bereits kurz nach Bekanntwerden der Tat in München alle Kräfte der Polizei nach München gerufen wurden. Die Streifen der Landkreis-Inspektionen, die gerade im Dienst waren, machten sich auf den Weg. Kurz nach 19 Uhr ging an alle Polizisten des Landkreises eine Vollalarmierung raus. Sie alle kamen in den Dienststellen zusammen. „Sogar von weit her kamen Kollegen extra angereist. Wenn unsere Polizei gebraucht wird, dann sind sie da, haben sie gesagt“, berichtet Aigner. Er ist voller Respekt für seine Kollegen: „Ich bin stolz auf meine Kollegen und ziehe meinen Hut vor so viel Engagement.“ Bürger, die an diesem Abend zur Dienststelle kamen, um Anzeigen aufzugeben, mussten wieder weggeschickt werden, wenn es sich nicht um schwerere Delikte handelte. Denn die Beamten hatten alle Hände voll zu tun, hunderte Anrufe von Bürgern entgegenzunehmen. 

„Es kamen diverse Mitteilungen von Menschen, die etwas Verdächtiges gesehen haben wollen.“ Da war etwa die Rede von einer leblosen Person, die mit einer Kopfschusswunde an der Großhesseloher Brücke liegt. Das Ganze stellte sich am Ende glücklicherweise als unwahr heraus. In Pullach meldeten sich Leute, die drei verdächtige Männer mit großen Koffern in das Pullacher Bürgerhaus gehen sahen. Auch hier war schnell klar: Es waren Musiker, die nach einer Kulturveranstaltung ihre Sachen zusammenpackten. „Wir mussten jedem Hinweis nachgehen, weil wir ja auch lange nicht wussten, mit was für einer Tat wir es hier zu tun hatten, Amoklauf oder Terroranschlag. Lange war ja auch noch die Rede von mehreren Tätern“, erklärt Aigner. An der Reaktion der Menschen habe man aber sehr stark gespürt, „dass alle hoch sensibilisiert waren“. 

Andreas Aigner, Leiter der Polizeiinspektion Grünwald: „Nicht nur meinen Kollegen zolle ich meinen Respekt, sondern auch den Bürgern, die sich vorbildlich verhalten haben. Sie haben sich an das gehalten, was die Polizei ihnen geraten hat und sind zu Hause geblieben. Die Straßen waren wie leer gefegt, das war schon beinahe gespenstisch.“

Er selbst war im Rahmen des sogenannten Raumschutzes im Dienstbereich unterwegs, um zum Schutz der Bürger sensible Bereiche abzusichern. Darunter fallen etwa das afghanische Generalkonsulat und das Gelände des Bundesnachrichtendienstes. Bis um 6 Uhr morgens waren die Beamten im Dauereinsatz. Auch wenn sich am Ende ein Terroranschlag glücklicherweise nicht bestätigt hat, so hätten sich die vielen Stunden des Trainings bezahlt gemacht. „Man hat einfach gesehen, dass in solch einer Situation jeder der Kollegen genau weiß, was er zu tun hat“, betont Aigner. 

Auch die Feuerwehren haben in der Einsatznacht höchste Professionalität bewiesen. Zehn Feuerwehren waren alarmiert. Alle anderen waren in Bereitschaft. Wichtigster Einsatzort war für die Feuerwehren aus Unterschleißheim, Oberschleißheim, Taufkirchen, Feldkirchen und Gräfelfing der Hubschrauberlandeplatz in Oberschleißheim. Dort sicherten die Kameraden den Brandschutz und leuchteten das Gelände aus für die Hubschrauber, die am Abend landeten. Darunter waren 13 Rettungshubschrauber, die für den Transport von Patienten bereitstanden, berichtet Markus Brandstetter, Kommandant der Unterschleißheimer Feuerwehr. Auch die Einsatzkräfte der Polizeien, der Spezialeinheiten und des GSG 9 sind hier gelandet und von dort Richtung Innenstadt weitergefahren. Erst gegen 2 Uhr morgens, als die Lage sich beruhigte, konnten die Feuerwehren wieder einrücken. „Es war eine extreme Situation, die ich so auch noch nie erlebt habe“, sagt Brandstetter.

Markus Brandstetter, Kommandant der Feuerwehr Unterschleißheim: „Der Amoklauf hat bei mir ein mulmiges Gefühl ausgelöst. Bei der Feuerwehr erleben wir oft schlimme Fälle, das ist aber auch schnell wieder vergessen. Das jetzt sitzt tiefer. Jeder, den ich kenne, war schon mal im OEZ. Das hätte jeden treffen können. Dieses Unkontrollierbare ist eine schlimme Vorstellung.“

Nach der Alarmierung am Freitagabend standen in kurzer Zeit auch zahlreiche Einsatzkräfte aus dem Rettungsdienst zur Verfügung. Vom BRK-Kreisverband München waren laut Pressemitteilung insgesamt rund 140 Einsatzkräfte vor Ort, unter anderem mit zwölf Rettungswagen, teilweise mit zusätzlichen Ärzten besetzt, sieben Krankentransportwagen und fünf Schnelleinsatzgruppen. Das Münchner Rote Kreuz war anfangs mit zehn Führungskräften zur Unterstützung der eingesetzten Einheiten vor Ort. Zusätzlich hielten sich rund 120 Einsatzkräfte der Bereitschaften, Wasserwacht und der Bergwacht an ihren Unterkünften oder einem der drei Bereitstellungsräume Nord, West oder Süd im Stadtgebiet bereit. „Ein besonderer Dank gebührt den Kolleginnen und Kollegen der Polizei, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens unsere Einsatzkräfte geschützt haben. Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus diesem Einsatz werden in den kommenden Tagen und Wochen evaluiert und ausgewertet, um die bestehenden Einsatzkonzepte weiterzuentwickeln“, heißt es in einer Pressemitteilung des Bayerischen Roten Kreuzes. 

Für Unterhachings Polizeichef Stefan Schraut hat die Amoktat von München für persönliche Bestürzung gesorgt. „Ich bin in Moosach aufgewachsen, das war lange Zeit mein Dienstbereich, ich kenne die Gegend um das OEZ in- und auswendig. Das ist dann schon noch mal eine Spur heftiger“, sagt er. Unter den Kollegen der Unterhachinger Polizeiinspektion war der Einsatz am Tatabend auch am nächsten Morgen noch längst nicht vom Tisch. Schraut: „Jeder hatte das Bedürfnis, darüber zu sprechen, was er erlebt hat. So richtig konnte das noch keiner fassen.“

Lesen Sie hier alles zum Amoklauf in München und zu den Reaktionen aus dem Landkreis.

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