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605 Unterschriften von Anwohnern der Stumpfwiese übergibt Thomas Wilde (l.) an Bürgermeister Wolfgang Panzer.

Unterhachinger Brennpunkte

Schleichverkehr, Lärm und Slalomstraße

Unterhaching - So lange hat die Bürgerfrageviertelstunde noch nie gedauert. Drei Unterhachinger machten ihrem Unmut Luft.

Offiziell dauert die Bürgerfrageviertelstunde im Unterhachinger Gemeinderat sekundengenau gestoppte 15 Minuten. Normalerweise. Diesmal verdoppelte sich die Zeitspanne für Basisdemokratie auf eine halbe Stunde. Drei Redner, drei Einzelfälle, ein Thema: der Straßenverkehr.

Problemfeld Nummer eins: der Schleichverkehr auf der Stumpfwiese. Von den leidgeplagten Anwohnern aus der Walter-Paetzmann-Straße sind deshalb schon zwei Unterschriftensammlungen eingereicht worden, von Johannes Schildmann am 29. Juli 2015 und von Marc Strasser am 8. Mai 2016. Die Intention war jeweils, in der sogenannten grünen Mitte einen Durchstich von der Witney- zur Ludwig-Specht-Straße zu machen, um durch diese Öffnung die Walter-Paetzmann-Straße zu entlasten (wir berichteten). Genau gegen diesen Durchstich wehren sich jetzt 605 Unterhachinger – so viele Unterschriften übergab Thomas Wilde an Bürgermeister Wolfgang Panzer. Wilde argumentierte, die Probleme des Durchgangsverkehrs auf der Kreisstraße dürften nicht zu Lasten des Wohngebiets auf der Stumpfwiese gelöst werden. Ein Durchstich würde noch mehr Schleichverkehr anziehen, mutmaßte Wilde – dabei gehe es doch darum, die grüne Mitte auszubauen und das Wohnklima möglich angenehm zu gestalten: „Nicht die Bequemlichkeit der Autofahrer sollte Priorität haben, sondern die Lebensqualität der Anwohner – insbesondere der Kinder.“ 

Die Unterschriftensammlung fließt nun als Meinungsbekundung ins Bauleitverfahren ein und wird als Einwendung gewertet. Dabei komme es „nicht auf die Menge der Unterschriften an, sondern auf die Argumente“, erläuterte Rathaus-Sprecher Simon Hötzl auf Nachfrage des Münchner Merkur. Laut Bürgermeister Panzer werde man das Verkehrskonzept für die Stumpfwiese erst 2017 angehen; zuvor würden die Ampelkreuzung Biberger Straße / Leipziger Straße umgestaltet und die Auswirkungen per Gutachten analysiert. 

Problemfeld Nummer zwei: der fehlende Lärmschutz an der A 995. „Ich kann nachts nicht mehr schlafen, der Autobahnlärm ist unerträglich“, klagte Andreas Ammersbach aus der Professor-Huber-Straße. Der Flüsterasphalt allein bringe nichts – er forderte die Gemeinde auf, sich für eine Lärmschutzwand wie in Ottobrunn stark zu machen. Eine solche gab es schon mal, die habe nichts gebracht, entgegnete Panzer und verwies auf entsprechende Gutachten. Ammersbach ließ sich damit nicht abspeisen, das sei eben „eine Frage der Höhe“, 15 Meter seien wohl nötig. Das wiederum gehe technisch nicht, mutmaßte Panzer, obwohl er auch zugab: „Ich bin kein Ingenieur.“ Damit fing sich der Bürgermeister gleich den nächsten Konter ein: „Herr Panzer, ich bitte Sie – wir fliegen zum Mond. Wo ist Ihr Problem? Bauen Sie halt eine Wand!“ Allerdings werde die wohl um die 50 Millionen kosten, schätzte der lärmgeplagte Anwohner – nun wird die Frage sein, wie Gemeinde, der Landkreis und die Autobahndirektion mit den Nöten der Menschen in der Kriegersiedlung umgehen. 

Drittes Problemfeld, von Christian Ruppelt („Ich bin der Ruppsi und lebe seit 75 Jahren in Unterhaching“) in emotionaler Wortwahl dargelegt: die Parkplatzsituation in der Forststraße, die Autofahrer zum Zickzackkurs zwinge und Rettungskräfte im Notfall behindere. „Das ist keine Bitte“, betonte Christian Ruppelt. „Ich möchte, nein, ich verlange, dass die Gemeinde in der Forststraße ein einseitiges Halteverbot erlässt, um diese Slalom-Fahrerei zu beenden.“ Grimmig fügte er an die Adresse der Kommunalpolitiker hinzu: „Wenn ihr das innerhalb des nächsten halben Jahrs nicht hinbekommt, mache ich auch eine Unterschriftensammlung."

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