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Was tut sich in Unterhaching? Darüber berichtet Rathauschef Wolfgang Panzer bei der Bürgerversammlung im Kubiz.

Bürgerversammlung

1:0 für flotteren Verkehr

Unterhaching - Der Fußball  hat hin und wieder die Bürgerversammlung der Gemeinde Unterhaching überlagert.

Rund 2000 Kilometer Strecke liegen zwischen Unterhaching und Madrid. Bei der Bürgerversammlung im Kubiz rückte Spaniens Hauptstadt trotzdem immer wieder als Nebenblickpunkt an Unterhaching heran. Wegen des zeitgleich stattfinden Champions-League-Halbfinals des FC Bayern bei Atletico.

Den ersten kleinen Fußball-Seitenhieb setzte Arno Helfrich vom Kommissariat 105 des Polizeipräsidiums München. „Ich bin erstaunt“, ließ er den Blick über die mit rund 100 Zuhörern gefüllten Stuhlreihen gleiten, „dass es in Unterhaching so viele Sechzger-Fans gibt.“ Die nicht am FC Bayern Interessierten jedenfalls erfuhren aus Helfrichs Mund allerlei über Einbrecher. Dass es in Unterhaching zu Jahresbeginn 17 Einbrüche gab, seit Februar aber keinen einzigen mehr. Dass die Täter nichts nachts zuschlagen, sondern meist zwischen 10 und 18 Uhr. Dass den Einbrechern einen großer Schraubenzieher als reicht und sie damit in 70 Prozent der Fälle ein Fenster oder eine Terrassentür aufhebeln. „Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster“, warnte Helfrich. Und führte als Beispiel Bayern-Torwart Manuel Neuer an, der sich in diesem Moment gerade in Madrid aufwärmte. Und bei dem kürzlich eingebrochen worden sei. Der Polizeibeamte appellierte an die Wachsamkeit in der Nachbarschaft und daran, nicht zu zögern, die 110 zu wählen: Sie bestimmen den Notfall! Sensibilisieren Sie die restlichen Bayern-Fans, die jetzt schon daheim vorm Fernseher sitzen.“

Zuvor hatte sich auch der Unterhachinger Polizeichef Stefan Schraut, übrigens erstmals mit markanter Lesebrille („So groß kann ich mir die Buchstaben gar nicht ziehen, dass ich sie erkenne“), Fragen der Sicherheit gewidmet. Weniger Einsätze, weniger Straftaten (2015 nur noch 758 gegenüber 780 im Jahr zuvor), Schrauts Bilanz klang positiv. Im Straßenverkehr gebe es allerdings immer wieder Probleme mit Radfahrern, beispielsweise an Zebrastreifen: „Der Fußgängerüberweg ist für Fußgänger – der Radfahrer ist dort haltepflichtig!“ Größter Aufreger seien, kurz nach den Attentaten am 13. November in Paris, zwei Jugendliche mit sogenannten Anscheinswaffen gewesen, darunter dem Imitat eines G36-Sturmgewehrs. Plötzlich sahen sich die Buben mit Blaulicht und schussbereiten Polizisten konfrontiert. Schrauts genereller Appell an Eltern: „Wenn der Burli sich zu Weihnachten eine Waffe wünscht, lassen Sie ihn damit bitte nicht zur Haustür raus.“

Als in Madrid die Aufwärmphase begann, startete Bürgermeister Wolfgang Panzer mit seinem auf 35 Minuten gestrafften Abriss des kommunalen Geschehens. Die visuelle Präsentation der neuen Feuerwehrdrehleiter entlockte Panzer ein kleines Geständnis: „Ich bin nicht ganz schwindelfrei.“ Er skizzierte kurz die Asyl-Situation in Unterhaching mit den drei Einrichtungen, ging etwas ausführlicher auf die „sehr heftige Krähenproblematik“ auf dem Friedhof ein, streifte den Haushalt („Ein paar Eckdaten kann ich Ihnen nicht ersparen“) und kam dann zu einem mit Aufmerksamkeit verfolgten Punkt: dem Verkehrsproblem an der Kreuzung Biberger-, Leipziger- und Von-Stauffenberg-Straße (wir berichteten). Mit Veränderungen bei Abbiegespuren und Ampelphasen solle die Wartezeit von momentan 120 auf 90 Sekunden verkürzt werden. „30 Sekunden weniger auf der Straße“, sinnierte Panzer schmunzelnd, „sind fast ein halbes Leben.“

Ein heißes Thema in Unterhaching, auch Vize-Landrätin Susanna Tausendfreund hatte es angesprochen: der beitragspflichtige Straßenausbau. Die Andresenstraße habe eine „durchgehende Aufwertung“ erfahren, kommentierte Panzer einen Vorher-Nachher-Fotovergleich. Und zählte auf, welche Straßen heuer drankommen: Kirchfeldstraße, Prager Straße und Eponaweg. Just, als in Madrid das 1:0 für Atletico fiel, breitete sich im Kubiz thematischer Frost aus: Panzer präsentierte die Winterdienstbilanz. 33 Einsatztage gab es diesmal, 855 Arbeitsstunden summierten sich – mit 128 000 Euro war dieser Winter um 86 000 Euro günstiger als der vorangegangene. 

Und sonst? Der Bürgermeister pries die Taktverdichtung beim 220er Bus und forderte die Unterhachinger auf: „Fahren Sie viel Bus, damit keine Fahrten gestrichen werden.“ Am morgigen Samstag um 8 Uhr „beginnt bei uns der Sommer“, versprach Panzer. Denn jedenfalls wird er die Badesaison im frisch aufgehübschten Freibad eröffnen.

Mit der Bekanntgabe des Zwischenstands aus der Champions League („Es steht übrigens 1:0 aus Madrid“) und enttäuschtem Seufzen im Auditorium leitete Rathaussprecher Simon Hötzl zu Anträgen und Anfragen der Bürger über. Die drehten sich allesamt um den Straßenverkehr. Schriftlich eingereicht worden waren vier Fragen. Der marode Straßenbelag an der Autobahnunterführung bei der Isartalstraße werde noch heuer repariert, gleiches gelte ab Mai für die Hachinger Haid, die unter dem Bau der Versorgungsleitungen fürs Asylbewerberheim arg gelitten hatte. Östlich von dieser Unterkunft verläuft ein Trampelpfad – ob sich der befestigen lasse? Panzer teilte mit, dass ein Grundstückseigentümer sich sperre: „Vielleicht muss ich den nochmal massieren, damit er umschwenkt.“ Noch einen Trampelpfad gibt es, nämlich den an der Biberger Straße auf der Seite der Traglufthalle. Der lasse sich nicht so einfach zu einem festen Weg umbauen, erläuterte der Bürgermeister. „Da hilft nur der Appell an die Flüchtlinge, den asphaltierten Gehweg auf der anderen Straßenseite zu benutzen.“

Mit Verkehrsfragen ging es auch in die Verlängerung, als Bürger im Saal zum Mikrofon greifen durften. Helga Grund monierte, dass neuerdings verstärkt Güterzüge die S-Bahnstrecke nutzen würden. Wolfgang Ziolkowski vom Ordnungsamt bestätigte dies grundsätzlich – von der Bahn heiße es dazu, München – Holzkirchen sei eine offizielle Bahnstrecke und werde auch für den Güterverkehr genutzt. In der benachbarten Bussardstraße, sagte Ziolkowski, hätten die Menschen vor 40 Jahren zunächst auch jeden S-Bahn gehört und nach zwei Jahren nichts mehr: „Sie werden sich daran gewöhnen.“

Andreas Gries wollte wissen, ob und wann das Brünnlein in der Bürgermeister-Prenn-Straße wieder sprudele. Das sei technisch zu aufwändig, antwortete Panzer unter Verweis darauf, dass Trinkwasser fließen müsse. Und auf Gries’ Sorge, in der Spielstraße bei St. Korbinian halte sich niemand an die Schrittgeschwindigkeit, entgegnete der Bürgermeister: „Das ist leider ein Problem, dessen wir nicht Herr werden, selbst wenn wir noch soviel blitzen.“

Abpfiff im Kubiz dann kurz vor der Halbzeitpause in Madrid – Panzer verabschiedete die Nicht-Sechzger: „Ich wünschen allen Fußballfans einen guten Nach-Hause-Weg.“ Und allen anderen natürlich auch.

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