+
Ein starkes Team: Die Lese-Großeltern (v.l.) Ingrid Wölfert, Annegret Krieser, Manfred Pretzner, Monika Bauer, Andrea Vastag, Angelika Bahrdt, Klaus-Peter Schubert und Ilse Schieschke (sitzend) mit den Kindern.

Jahnschule Unterhaching

Lese-Opas suchen Nachwuchs

Unterhaching - Die Mischung ist bunt: Juristen, Ärzte, Pädagogen, Lokomotivführer – diverse Berufsgruppen sind vertreten. Die Senioren helfen Kindern mit Sprachproblemen als „Lese-Opas“ und „Lese-Omas“. 

Kurz vor der zweiten Pause, noch ist es ruhig im Foyer der Unterhachinger Jahnschule. Klaus-Peter Schubert blättert in Listen, die einem Stundenplan gleichen. Name, Alter, Klasse, Nationalität sind notiert. Und, ganz wichtig: Wo liegt das Problem? „Spricht wenig, aber lernt schnell“ steht dort beispielsweise, oder „Fast keine Deutschkenntnisse“.

Schubert, 73 Jahre alt und einst Ingenieur, leitet das Lese-Opa-Projekt. „In jeder Klasse sind von 25 Kindern etwa zehn verhaltensauffällig. Mit denen sind die Lehrerinnen genug beschäftigt. Zeit für jene mit Sprachauffälligkeiten bleibt nicht“, benennt er das Problem und veranschaulicht es am Beispiel einer Eisenbahn: „Diese Kinder können gar nicht erst auf den Zug aufspringen – er fährt einfach weiter.“

Um dies zu ändern, erteilen freiwillige Helfer pro Woche rund 120 ergänzende Stunden. Gut 60 solcher Lese-Opas und -Omas sind in Unterhaching derzeit aktiv. Und Klaus-Peter Schubert ist ihre Lokomotive.

11.20 Uhr, große Pause – die Stunde der Lese-Großeltern. Im Gewusel der Schüler sind sie der Anker für diejenigen, die zusätzliche Hilfe benötigen. Die Kinder werden verteilt, ein Schüler pro Lese-Opa, dann geht’s in freie Klassenräume. Hausaufgaben besprechen, spezielle Übungshefte durcharbeiten, manchmal auch bei null beginnen: mit Bilderbuch und dem sogenannten Lesestift. „Jedes Kind ist anders“, sagt Schubert. Das bedeutet für ihn und sein Team, das Hilfsangebot stets individuell zu steuern.

Lorena (8) aus Kroatien zum Beispiel. Die Eltern sind hergezogen, der Berufe wegen. Das Mädchen würde gern mitkommen im Unterricht, versteht vieles aber (noch) nicht. „Über diese Hürde, sich minderwertig zu fühlen, heben wir die Kinder“, sagt der 73-Jährige.

Das Spektrum der Lernbedürftigen ist breit gestreut. Von Kindern aus „bildungsfernen deutschen Familien“, wie Schubert es beschreibt, über jene von Akademikern aus Australien oder Korea bis hin zum Nachwuchs von Hilfsarbeitern aus der Türkei oder Ungarn; Flüchtlingskinder seien fast keine darunter.

„Unser Kursziel ist es, dass die Kinder so schnell wie möglich Deutsch lernen. Wir versuchen quasi, sie klassenfähig zu machen.“ Entscheidend sei, betont Schubert, die Kinder zum Reden zu bringen, ihrem natürlichen Mitteilungsbedürfnis Raum zu geben, Wissensdurst und Neugier zu wecken. „Die Starken“, erläutert der Unterhachinger, „die schaffen’s allein. Aber die Schwachen, denen es von zu Hause her fehlt, die brauchen diese Anschubhilfe. Andersfalls würde ihr durchaus vorhandenes Potenzial niemals auf ein anderes Niveau gehoben.“

Vom Procedere her läuft es so, dass die Lehrer gezielt auf die Lese-Opas zugehen und sagen, welches Kind Hilfe benötigt. Dann müssen die Eltern zustimmen, zumal die Kosten fürs Arbeitsmaterial ein Euro pro Stunde betragen – in fast 90 Prozent der Fälle wird eingewilligt. Dann können die Helfer loslegen – und durchaus große Erfolge verbuchen. „Zwei Kinder, die anfangs kein Wort Deutsch sprachen, haben es vergangenes Schuljahr sogar aufs Gymnasium geschafft.“

Natürlich gebe es auch Negativerlebnisse, unter anderem mit im Islam erzogenen Buben, die respektlos gegenüber weiblichen Lehrkräften auftreten würden, oder mit Familien, denen Bildung egal sei. „Man kann den Kindern einen Schwung geben, um aus dieser Schicht herauszukommen“, sagt Schubert, „aber man kann nicht das Elternhaus retten.“

Seit 2008 engagieren sich die Lese-Opas und -Omas, derzeit rund 60 bis 70. Ein Stigma sind sie nicht für die Kinder, im Gegenteil, manch einer kokettiert stolz damit: „Ich habe eine Lese-Oma.“

Damit das so bleibt, sucht Schubert Nachwuchs für sein Team mit einem Durchschnittsalter von 72 Jahren. „Wir sind an der Belastungsgrenze angelangt.“ Die Voraussetzungen für Helfer in spe: Sie sollten vormittags Zeit haben, Kinder mögen und über Geduld verfügen. „Mehr braucht’s oft nicht“, sagt Schubert und lacht. Und blättert wieder voller Enthusiasmus in seinen Listen.

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l
<center>Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l</center>

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l
<center>Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen
<center>Schokoladen-Set zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Meistgelesene Artikel

Anspruchsvolles Spielgerät

Unterhaching - Auf dem Abenteuerspielplatz am Unterhachinger Sportpark ist die 85.000 Euro teure Kletterkonstruktion am Sportpark eingeweiht worden.
Anspruchsvolles Spielgerät

Sportlicher Zeitplan für Satelliten-Anbau

Unterhaching - Ein bisschen Erde flog durch die Kluft, die Sonne strahlte dazu - an der Jahnschule in Unterhaching erfolgte der Spatenstich zur Erweiterung.
Sportlicher Zeitplan für Satelliten-Anbau

CSU: Stäblein verlässt den Gemeinderat

Unterhaching - Nach der Scheidung der Ehe mit der Landtagsabgeordneten Kerstin Schreyer verlässt Günter Stäblein (CSU) den Unterhachinger Gemeinderat.
CSU: Stäblein verlässt den Gemeinderat

Kommentare