Der Herr der Bierbrau-Geheimnisse: Robert Prinz erklärt in Kursen, worauf es ankommt beim Brauen. Er selbst führt seit zehn Jahren das „Stadlbräu“ in Oberhaching. Foto: Robert Brouczek

"Verkaufe eher mein Wissen als mein Bier"

Oberhaching - Sein eigenes Bier brauen: ein Trend, der immer mehr Anhänger findet. Nicht nur bundes-, sondern weltweit. Viele der Mini-Brauer haben ihr Fachwissen bei Robert Prinz erworben - dessen „Stadlbräu" in Oberhaching feiert heuer zehnjähriges Bestehen.

Man nehme Hopfen, Malz und Wasser. Aber dann? Einmaischen, mehrere Brauphasen, anschließend das Läutern, Hopfenkochen und Vergären sowie der Reifeprozess, nicht zu vergessen das Abfüllen in speziell gereinigte Flaschen: Das Bierbrauen ist ein komplexes Thema.

Wie es funktioniert, erklärt Robert Prinz in seinen wöchentlichen „Brau-dich-schlau-Kursen“. Seit 2004 hat er bei seinen Seminaren im „Stadlbräu“ etwa 23 000 Interessierte in die Geheimnisse des Bierbrauens eingeweiht, dazu weitere rund 10 000 bei externen Firmen-Events. Wenn der 48-Jährige an diesem Wochenende das Festival „Braukunst Live“ in München besucht, wird er manch einstigen Schüler wiedersehen. „Viele meiner Kursteilnehmer haben sich als Quereinsteiger selbstständig gemacht“, sagt Robert Prinz mit einem gewissen Stolz. Vor zehn Jahren war er eine Art Pionier, mittlerweile gibt es bundesweit über 100 Nachahmer. Aber als Urvater der Braukurse für den Hausgebrauch gilt immer noch der Chef vom „Stadlbräu“.

Auf die Idee kam der Straßlacher nach beruflichen Stationen in der Schlossbrauerei Grünbach, bei Erdinger, einem Studium an der Doemens-Akademie, im Brauhaus Penzberg und im Sudhaus Geretsried, als er merkte, wie groß der Wissensdurst der Bierliebhaber war. „Aufgrund der hohen Nachfrage dachte ich mir: Verkauf doch dein Wissen und nicht bloß das Bier.“ Also suchte er im Münchner Süden nach geeigneten Räumlichkeiten. Und wurde in Oberhaching fündig - dort machte er 2004 einen ehemaligen Kuhstall in der Kybergstraße zur Zentrale für seine Kurse rund ums Bier.

Sechs Biersorten braut Robert Prinz in seinem „Stadlbräu“, sie tragen ortstypische Namen wie „Gleißenthaler“ oder „Kybier“. Trotzdem sei Oberhaching nicht der bevorzugte Absatzmarkt: „Ich verkaufe mehr Bier nach China oder Luxemburg als hier in der Umgebung.“

Das Hauptgeschäft sind sowieso die Braukurse, die etwa 80 Prozent des Umsatzes ausmachen. Die Teilnehmer kommen aus aller Welt, insbesondere aus Südostasien und Südamerika, aber auch in Südeuropa genießt Robert Prinz viel Renommee. In Spanien zum Beispiel nennen sie ihn den „Vater der Brauer“, dort berät er immer noch seine Kursteilnehmer. „In puncto Größe haben mich manche mit ihren Brauereien dort längst überholt.“

Im Prinzip findet der 48-Jährige diese Entwicklung gut. „Es ist interessant, was durch die Hobby-Brauszene in Bewegung kommt“, sagt der Experte. „Die jungen Tüftler scheißen sich nix, bringen die Großkonzerne zum Nachdenken.“ Er selbst hat auch schon mal experimentiert, „Romaho“ nannte er seine im Sektglas servierte Kreation aus Rosmarin, Malz und Honig. „Aber das war kein Bier“, weiß Robert Prinz. Und das ist das einzige, was ihn stört: dass die sogenannten Craftbauer mit Hölzern oder Aromen operieren, das Reinheitsgebot unterwandern, sich dann aber trotzdem „Bierbrauer“ nennen. „Diese Titulierung - immerhin handelt es sich um eine geschützt Berufsbezeichnung - gefällt mir nicht.“

Was den Hobby-Brauern in spe gefallen wird: Im Jubiläumsjahr verschenkt Robert Prinz pro Großgruppenkurs eine Bierbrauanlage für daheim (Wert je nach Volumen: 1800 bis 2600 Euro), außerdem verlost er unter allen Seminarteilnehmern des Jahres eine Anlage - die Losziehung findet am 6. Dezember statt. Natürlich im „Stadlbräu“, wo der Chef sich nun erstmal den Favoriten unser seinen eigenen Bieren eingeschenkt: „Ein ,Diamant‘ - ich bin und bleibe halt bekennender Weißbiertrinker.“

Martin Becker

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