Phicomm Europe

„Unterhaching bietet einmalige Voraussetzungen“

Unterhaching - CEO Jie Lin erklärt die Standortentscheidung der Phicomm Europe GmbH für den Bau ihrer Europazentrale in Unterhaching.

Aus der Ferne betrachtet, von Schanghai aus, wo der chinesische Mutterkonzern seinen Sitz hat, ist Deutschland bloß ein Klecks auf der globalen Landkarte. Und Unterhaching ein stecknadelgroßes Pünktchen auf diesem Klecks. Doch genau dort siedelt sich Phicomm an und baut die Europa-Zentrale – Unterhaching erhielt den Zuschlag gegenüber anderen Standort-Optionen in München und Frankfurt/Main.

Warum also Unterhaching? Jie Lin, Geschäftsführer und CEO der Phicomm Europe GmbH, erklärt den Prozess, wie chinesische Unternehmen ihren Standort in Deutschland finden. 

Generell gehe es, so Lin, um die „Marktaussichten der Branche im Zielland“ sowie die Rahmenbedingungen vor Ort: Insofern ein „bedeutender Faktor“ sei die bundesweit überall differierende Gewerbesteuer. In Unterhaching liegt der Hebesatz mit 295 Punkten, was etwa zehn Prozent des Gewinns entspricht, eher niedrig; bayernweit reicht die Spanne von 230 bis zu 490 Punkten in der Landeshauptstadt München. 

Nächster Aspekt: die jeweils nötige Infrastruktur. Die fünf Unternehmensbereiche von Phicomm sind, wie es im Fachjargon von IT und Telekommunikation heißt: Mobile, Smart Home, Cloud, Enterprise und ICT. Konzernchef Lin lobt die „wunderbare Forschungslandschaft“ in München mit den Elite-Universitäten LMU und TU, dem Max-Planck-Institut und der Fraunhofer Gesellschaft sowie dem Europäischen Patentamt. Dadurch sowie den früheren Standort von Siemens Nokia Networks gebe es „eine solide Basis für die Personalgewinnung, die Auswahl an Fachkräften ist sehr gut“. Bis zu 1200 Arbeitsplätze sollen in Unterhaching sukzessive aufgebaut werden, vorzugsweise mit Spezialisten aus der Region. Eine Rolle bei der Standortwahl hätten auch die günstige Verkehrsanbindung sowie die unmittelbare Nähe zu Infineon und Intel gespielt. 

All das hätte Phicomm auch in München haben können, abgesehen freilich von der in Unterhaching deutlich niedrigeren Gewerbesteuer. Doch nun kommt ein weiterer Punkt fürs „Investitionsumfeld“, wie Lin es nennt (immerhin lässt Phicomm sich seine Europa-Zentrale 85 Millionen Euro kosten) eine Rolle: „Die Reaktionsgeschwindigkeit und die unkomplizierte, verlässliche Arbeitsweise einer Kommunalverwaltung wird oft zum Zünglein an der Waage.“ In Unterhaching habe sich Wirtschaftsförderer Simon Hötzl von der ersten Sekunde an intensiv um Phicomm bemüht: „Er ist schuld daran, dass wir nach Unterhaching gehen“, sagt Lin scherzhaft. Sein Fazit: „Hier werden einmalige Voraussetzungen geboten.“ Von Unterhaching aus, wo Phicomm seit 2012 ansässig ist, will Lin die digitale Welt erobern: „Wir müssen uns mit Unternehmen wie Microsoft messen."

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