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Zweites Standbein: Robert Prinz braut nun auch Gerstensaft für Tiroler Biertrinker.

Tag des Bieres

Tiroler setzen auf Oberhachinger Bier

Seit elf Jahren lebt Robert Prinz davon, dass er in seinem „Stadlbräu“ in Oberhaching Braukurse anbietet. Rund 40 000 Bierfreunde hat er schon in die Kunst des Bierbrauens eingeweiht, manch einer eröffnete danach seine eigene Craftbier-Brauerei. Nun expandiert der 49-Jährige mit seiner Stadlbräu-Idee: nach Tirol in die Wildschönau.

Oberhaching – Biergenuss ist reine Geschmackssache. Das musste einer von Prinz’ Kursteilnehmern erfahren, der 2011 in Oberhaching sein Braukurs-Diplom erworben hatte. Und danach versuchte, in der Tiroler „Wildschönau Brauerei“ seine persönliche Biervision umzusetzen. Das Problem: Den Leuten vor Ort mundete das sehr individuell kreierte Craftbier nicht – zu herb, zu bitter. Das Projekt scheiterte.

Heuer im Januar suchte der Eigentümer der Immobilie an der Straße von Oberau nach Auffach per Annonce einen neuen Braumeister. Robert Prinz bewarb sich, stellte sein ans Oberhachinger „Stadlbräu“ angelehntes Kurskonzept vor – und machte das Rennen. Unter immerhin etwa 800 Mitbewerbern.

 Wir sitzen am urigen Holztisch vor dem einstigen Kuhstall in Oberhaching, bei „Gleißenthaler“ und „Diamant“, dem Hellen und dem Weißbier nach der Rezeptur von Robert Prinz. „Der April“, sinniert er, „soll in der Tiroler Tourismus- und Gastronomiebranche angeblich ein ,toter Monat‘ sein.“ Der 49-Jährige nimmt einen Schluck, streicht dann mit der Hand durch den blonden Haarwald. „Du siehst ja, ich war schon drei Monate nicht mehr beim Friseur.“ Eine Anspielung auf den enormen Zeitaufwand, den Prinz aktuell betreibt, obwohl das Brauerei-Lokal in der Wildschönau erst am 9. Mai öffnet.

Offiziell zumindest. Doch um nicht den Fehler seines Vorgängers (und eigenen Braukursteilnehmers) zu machen, begab sich Prinz zusammen mit seinem Spezl und Braumeisterkollegen Maximilian Anneser aus Dorfen, der die Wirtschaft in Tirol letztlich betreiben soll, auf Geschmackssuche: Bei den Vereinen in der Region erkundeten die beiden, was die Wildschönauer bitteschön in ihre Gläser und Krüge gefüllt bekommen mögen. Das Resultat dieser Umfrage fiel recht banal auf. Kein exotisches Craftbier und auch keine Kreationen wie in Oberhaching, „sondern klassische Münchner Biere wollen die Leute dort“, erläutert Prinz. „Süffig, leicht gehopft.“

Vor knapp drei Monaten fing er also an, die gewünschten Biere zu brauen, lud die Feuerwehr und örtliche Prominenz zum Probetrinken ein. „Seitdem ist das Ding jeden Tag gerammelt voll.“ Als vorteilhaft erwies sich, dass einige von Prinz’ Braukurs-Teilnehmern aus Tirol und der Wildschönau kommen. Fans vor Ort quasi, und zu denen kommt jetzt einer der Urväter der Craftbierszene. Mit unkomplizierten Münchner Bierrezepten, aber der Oberhachinger Idee, die Getränke namentlich regional zu verankern. Nach den vier Ortschaften heißen die Biere „Mühltaler“ (Helles), „Oberauer“ (Weißbier) und „Auffacher“ (Dunkles), dazu kommen als „Nepomuk“ (bekannt nach der Statue am Wildschönauer Bach) Spezialbiere wie Märzen oder zum Oktoberfest.

Im Erdgeschoss Gasthaus-Brauerei mit Biergarten, im ersten Stock Braukurse mit Fondue und Raclette: „Ich transferiere das Oberhachinger Konzept nach Tirol – mit angepasster Gastronomie.“ Nur „vier bis fünf Gerichte wie Weißwürscht und Schweinsbraten“ will Prinz anbieten, sucht dafür noch Koch und Bedienung. Damit es am 9. Mai, wenn’s richtig losgeht, zum Trinken auch etwas zu essen gibt.

Zum Eröffnungstermin sind zwei Pensionen mit Stadlbräu-Fans aus dem Landkreis München belegt, außerdem die ersten beiden Braukurse schon ausgebucht. Vor allem aber setzt Prinz auf die 4500 Einwohner der Wildschönau. „Dort sind die Einheimischen schon bei uns – es ist das komplette Gegenteil wie in Oberhaching.“ Wo das „Stadlbräu“ zwar viele Stammgäste hat – aber nicht aus dem Ort, sondern eher aus Neubiberg, Ottobrunn und Taufkirchen.

Womit Prinz die Wildschönauer geschmacklich überzeugt? „Entscheidend ist es, die Reifezeiten einzuhalten. Zwei bis drei Monate. Je länger ein Bier gelagert wird, desto besser schmeckt es.“ Bei einem kalkulierten Ausstoß von 750 Hektolitern pro Jahr kann sich der 49-Jährige diese Zeit und damit entsprechende Qualität leisten.

 In Oberhaching lässt Prinz aktuell seine Praktikanten ran. Denn „ein bis zwei Jahre“, wird er dem Braumeisterkollegen in Tirol unter die Arme greifen. Danach will er im Hintergrund bleiben – und sich auf sein Kerngeschäft „Stadlbräu“ konzentrieren.

Martin Becker

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