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Mit ihren Taschen aus Aktenordnern unterstützen Martin Brandl (l.)und Johannes Hoffmeister auch soziale Projekte.

Kreatives Recycling

Wie aus Aktenordnern Taschen werden

Unterhaching - Bei den Unterhachingern Martin Brandl (23) und Johannes Hoffmeister (32) kommen ausrangierte Aktenordner nicht einfach in den Müll. Sie stellen aus ausrangierten Exemplaren außergewöhnliche Aktentaschen her. Und das alles hat neben dem Umweltgedanken auch noch einen sehr sozialen Aspekt.

Ein alter Ordner, kombiniert mit edlem Rindsnappaleder – so entsteht jede Tasche individuell. Und das alles made in Bavaria. Im Mai hat Johannes Hoffmeister das Start-up „ad:acta“ übernommen, Martin Brandl unterstützt ihn im Büro in Unterhaching als stellvertretender Geschäftsleiter.

Ursprünglich gegründet wurde die Firma im Jahr 2011 von zwei mit Hoffmeister befreundeten gebürtigen Oberfranken, die in München leben. Hoffmeister stieg später als Investor ins Unternehmen ein. Als seine Bekannten ein neues Projekt verfolgten, übernahm der Unterhachinger die Firma. „Mir geht es dabei nicht darum, nur Geld zu machen – ich möchte die Erlöse in soziale Projekte stecken“, sagt er. Der Unterhachinger ist ein Tausendsassa. Ganz oben auf seiner Agenda steht sein Job als Lehrer für Sport und evangelische Religion an einem Gymnasium. Das aber in Teilzeit, denn bei Hoffmeister stehen noch so einige andere Einheiten auf dem Stundenplan. Gerade schreibt der zweifache Vater seine Doktorarbeit, außerdem leitet er einen Verein für Entwicklungshilfe auf dem Philippinen, ist unter anderem an einem Computerspiel beteiligt und berät andere Start-ups. Ach ja: Und früher mal hat er für Unterhaching in der Bundesliga Volleyball gespielt.

An „ad:acta“ fasziniert hat Hoffmeister der Gedanke, unbeachteten Dingen wieder Aufmerksamkeit zu schenken. Zu Neudeutsch: Upcycling. Das Start-up bekommt die ausrangierten, grauen Ordner von großen Firmen angeboten oder kauft sie günstig über Ebay. Stellvertreter Martin Brandl sortiert dann die Ordner aus, die von der Marmorierung her für die Taschen infrage kommen. Für das Herrichten der Ordner arbeitet die Firma mit der „Lebenshilfe Werkstatt“ in Putzbrunn zusammen: Menschen mit Behinderung entfernen den Hebel, füllen die dadurch entstandenen Löcher mit Nieten und lackieren die Ordner. So werden sie wasserabweisend. In einer Manufaktur in Oberfranken vernähen Arbeiter den Ordner dann mit schwarzem oder braunem Rindsleder.

Jede Tasche ist ein Unikat, der Ordnerrücken noch aus alten Tagen beschriftet. Wer das nicht möchte, kann sich einen Blankorücken dazuschicken lassen. 79 Euro kostet die günstigste Variante der Tasche, „der Assistent“. Er erinnert an eine Laptoptasche. Wer einen Trageriemen und Schultergurt an der Tasche will, greift mit dem „Diplomat“ (169 Euro) zur teuersten Version. Neuerdings gibt’s auch Geldbeutel mit buntem Leder (69 Euro). Etwa 500 der Geld- und normalen Taschen stellt die Firma im Monat her.

Inhaber Johannes Hoffmeister hatte als Lehrer nie Schwierigkeiten, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Betriebswirtschaftliches Wissen wie die Aufstellung eines Businessplans musste er sich aber erst aneignen. „Es dauert alles immer länger und kostet mehr Geld, als man dachte“, sagt er und lacht. Eins ist für ihn aber klar: ad acta legen will er die Idee so schnell ganz sicher nicht.

Ramona Weise

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