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Eröffnung des Hanns-Seidel-Hauses 1970 in Ottobrunn: Direktor und KWA-Mitbegründer Hermann Beckmann (l.) und der damalige Bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel.

50 Jahre Kuratorium Wohnen im Alter

Betreut und doch eigenständig

Unterhaching/Ottobrunn - Seit 50 Jahren gibt es das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA), das deutschlandweit Wohn-und Pflegestifte zur Verfügung stellt. Ziel ist es, Senioren ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, immer mit der Option, Hilfe anzubieten, wenn sie gebraucht wird. Im Landkreis gibt es drei Einrichtungen: zwei in Ottobrunn und eine in Unterhaching.

Jedes Haus hat sich im Zuge des Jubiläums ein individuelles Programm überlegt: „Was den Bewohnern und Betreuern Spaß macht“, sagt Karin Inringer, die Marketingleiterin, die seit 30 Jahren bei KWA arbeitet. Die Mitglieder der Malgruppe „Silberbunt“ im Wohnstift am Parksee in Unterhaching etwa sind allesamt Stiftsbewohner und haben sich etwas Besonderes einfallen lassen. Ihre 62 Gemälde zeigen Impressionen aus dem Leben in Wohnstift.

Bayerisches Wohngefühl

Das Wohnstift in Unterhaching ist das elfte, und wurde vom Kuratorium Wohnen im Alter 1984 eröffnet. Damals war dort noch der Sitz der Hauptverwaltung. Heute ist das Gelände zudem sehr viel grüner: „Das war in den 80er Jahren noch nicht so. Da war alles noch sehr kahl“, sagt Karin Ihringer. Im Wohnstift gibt es 109 Ein- und Zweizimmerwohnungen zwischen 25 und 94 Quadratmetern. Der Stift liegt direkt am Parksee und passt in die bayerische Gemeinde: mit den Balkonen aus dunklem Holz, die mit Geranien geschmückt sind, und rotem Ziegeldach. Wie in jeder Wohnung in den deutschlandweiten Wohnstiften gibt es immer einen Küche, ein Bad, einen Balkon oder eine Terrasse, und die Bewohner können sich ihre Wohnung individuell einrichten: „Jeder kann etwas mitbringen, um es sich wohnlich zu machen“, sagt Karin Ihringer. „Der Grundgedanke ist es, dass jeder die Tür hinter sich zumachen kann, aber nicht vereinsamt“, sagt Pressereferentin Sieglinde Hankele.

Lebensabend vor heimatlicher Kulisse: Das Wohnstift am Parksee in Unterhaching ist das elfte Haus des KWA und wurde 1984 eröffnet.

Dieses Grundkonzept hat sich seit seinen Anfängen vor 50 Jahren nicht geändert. Das Ziel ist es, Senioren ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und ihnen die Hilfe anzubieten, diese sie vielleicht brauchen. Ganz gemäß ihrem Motto: „So viel Selbstständigkeit wie möglich, so viel Unterstützung wie nötig“. So kann man beispielsweise das Essen im Restaurant mit den anderen Bewohnern zu sich nehmen, man könne sich aber auch abmelden oder mal selbst etwas kochen, sagt Karin Ihringer. Die Wohnstifte haben einen „hotelähnlichen Charakter“ und es gibt viele Service- und Freizeitangebote: beispielsweise ein Café, eine Außenterrasse, einen Fitness- und Wellnessbereich sowie viele kulturelle Freizeitveranstaltungen. Oft gibt es auch eigene Frisöre, einen Andachtsraum, oder einen kleinen Laden. KWA-Reisen bietet zudem Urlaube speziell für die Senioren an. Das Leben im Wohnstift ist also „betreutes Wohnen auf hohem Niveau“.

Jedes Haus verfügt über einen eigenen ambulanten Pflegedienst, der rund um die Uhr vor Ort ist. Die Kosten müssen die Bewohner allerdings selbst aufbringen: „Die Wohnungen kosten zwischen 1600 und 3500 Euro monatlich“, sagt Karin Ihringer. Dabei seien aber viele Leistungen, wie beispielsweise die Reinigung der Wohnung, das Essen und die Serviceangebote, mit inbegriffen. Für Senioren, die pflegebedürftig sind, gibt es zudem zwei Pflegestifte. Dort würden die Kosten, wie sonst auch, nach bestimmten Sätzen von den Krankenkassen übernommen. Aber auch als Stiftsbewohner kann man Pflege und Begleitung in Anspruch nehmen: durch persönliche Assistenzen, Tagesbetreuung oder Kurzzeitpflege. Auch Betreutes Wohnen bietet KWA an: „Die Leute leben in ihren Mietwohnungen und werden pflegerisch betreut“, erklärt Karin Ihringer.

Gründer lebt heute selbst in KWA-Haus

Gegründet wurde KWA 1966 als Verein „Münchner Altenwohnstift“. Unter den Gründern war auch der langjährige Direktor Hermann Beckmann, der heute selbst im Georg-Brauchle-Haus in München-Perlach lebt – dem ersten Wohnstift, das 1969 eröffnet wurde. Heute hat KWA insgesamt 14 Wohn- und zwei Pflegestifte in ganz Deutschland. Es gibt etwa 3000 Bewohner, zwischen 60 und über 100 Jahren, rund 2500 Mitarbeiter und 1000 Mitglieder des KWA-Clubs. Als Mitglied wohnt man nicht in einem Stift, kann aber die Service- und Reiseangebote nutzen. „Wir wollen ein offenes Haus sein. Und die Bewohner freuen sich auch über den regen Austausch“, sagt Sieglinde Hankele. Zudem ist das gemeinnützige Sozialunternehmen Träger einer Reha-Klinik für Neurologie und Geriatrie in Bad Griesbach sowie einem Bildungszentrum in Pfarrkirchen. Und KWA möchte sich immer noch weiterentwickeln: „Wir planen eine eigene Altenpflegeschule“, sagt Sieglinde Hankele. Allerdings befände sich der Prozess noch in einem sehr frühen Stadium, weshalb sie nicht Genaueres darüber sagen könne.

Stephanie Albinger

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