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Ärger vor idyllischer Kulisse: Die Hütte des Burschenvereins stand, bevor es überhaupt einen Bauantrag gab.

Schwarzbau genehmigt

Nachträgliches Ja zur Burschenhütte

Unterhaching - Sie steht schon, die Hütte des Birker Burschen-Vereins-Unterhaching. Allerdings ohne Genehmigung. Jetzt ist der Schwarzbau von den Kommunalpolitikern nachträglich legalisiert worden.

Zuerst einmal mussten Stühle hereingeschleppt werden, bevor sich der Bauausschuss dem Tagesordnungspunkt eins – dezent als „Errichtung eines sonstigen Bauvorhabens im Außenbereich“ am Oberweg – widmen konnten. Insider wussten, dass es sich um die umstrittene Burschenhütte südlich des Friedhofs handelte (wir berichteten), und die Burschen waren gleich mit rund 25 Mann angerückt. Aber Stühle, ließen sie wissen, bräuchten sie nicht – sie könnten für die paar Minuten auch stehen.

 Ganz so blitzschnell ging es allerdings nicht, denn der Bauausschuss steckte in einem Dilemma: Sollte man, sich sonst pingeligst genau an Paragraphen haltend, diesmal eine Ausnahme machen? Christian Franke vom Bauamt umriss das Problem gleich eingangs. „Eigentlich“, sagte er, sei der Bauantrag „im baurechtlichen Sinne unzulässig“. Denn normalerweise ist die Reihenfolge so, dass erst ein Antrag gestellt und dann genehmigt wird, dann die Umsetzung erfolgt. In diesem Fall aber steht die Burschenhütte schon.

 „Wir müssen“, hob Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) an, „eine Lösung finden.“ Wie diese Lösung aussehen könnte, das ließ der Rathauschef sogleich durchblicken. Man könne dem Schwarzbau ja im Nachhinein „ein Vorabeinvernehmen einhauchen“; Er befinde sich insofern „im Lager der Befürworter“. Natürlich habe es „die ein oder andere Beschwerde“ gegeben, Panzer präzisierte die Anzahl auf drei. „Bei rund 24 000 Einwohnern“, fand er, „ist das beherrschbar.“ Zumal es auch „positive Rückmeldungen“ gebe. 

Die Ausgangslage: Um den Maibaum gegen den etwaigen Zugriff von Dieben bewachen zu können, hatte der Burschenverein eine Hütte mit 72 Quadratmetern Fläche errichtet, auf der Wiese direkt hinterm Friedhof. Dort, wo seit Jahrzehnten schon das alljährliche Sonnwendfeuer entfacht wird, weshalb es „ein traditionsreicher Platz für einen traditionsreichen Verein“ sei, wie Franz Felzmann (CSU) befand. Aber, Gesetz bleibt Gesetz, in diesem Fall Paragraph 35 des Baugesetzbuchs: Der Außenbereich sei grundsätzlich von baulichen Anlagen freizuhalten, die Burschenhütte kein privilegiertes Vorhaben. Eine Ausnahme ist möglich, wenn öffentliche Belange nicht beeinträchtigt und die Erschließung gesichert sind. Das mit der Erschließung ist kein Problem.

Aber wie steht es um die Belange von Friedhofsbesuchern, die Sorge um die Totenruhe geäußert hatten? „Die Toten stört das nicht“, argumentierte Dieter Senninger (SPD) „für die Jugend“ und forderte, den illegal errichteten Bau zu legalisieren: „Die Hütte soll bleiben.“ Ähnlich hatte es zuvor Felzmann formuliert, denn man dürfe „nicht nur Seniorenzentren bauen, sondern muss auch was für die Jugend tun“. Was die Bedenken von Friedhofsbesuchern angehe, so Felzmann, könne die „Sichtverbindung“ doch mit Tujenbepflanzung und einem Holzzaun unterbrochen werden. Auch Felzmann forderte, „baurechtliche Schritte einzuleiten, um die Burschenhütte zu legalisieren“. Lauter Applaus im kleinen Sitzungssaal des Unterhachinger Rathauses, Freude bei den Burschen. 

Noch etwas zu früh. Denn: Unterhaching ist nicht Panama. Das Gesetz gilt. Eigentlich. Gertraud Schubert (Grüne) fand die Vorgehensweise, erst ein vermeintliches Provisorium hinzustellen und für dieses dann als Dauerlösung um nachträgliche Genehmigung zu bitten, „ganz schön kess“. In aller sprachlichen Deutlichkeit machte Schubert klar: „Als Gemeinderätin fühle ich mich verarscht.“ Auch ihr Parteikollege Hans Potschacher monierte, die Vorgehensweise sei, bei allem Verständnis für Brauchtumspflege, „nicht die feine Art“. 

Stirnrunzeln und betretenes Schweigen bei den Burschen, deren Stimmung sich nicht gerade aufhellte, als anschließend Bernard Maidment (FDP) von einem „schwierigen Spagat“ sprach, weil am „Faktum Schwarzbau“ an sich nicht zu rütteln sei und die Gemeinde sonst eher eine rigide Linie verfolge. Und jetzt solle man „etwas genehmigen, das an sich rechtswidrig ist“, bloß weil der Burschenverein dahinter und über allem die Brauchtumspflege stehe? „Mit ganz viel Bauchschmerzen“, gab der Liberale zu, könne er sich dazu durchringen. Fast alle anderen Kommunalpolitiker taten das auch, bis auf die Grünen. Sie beharrten auf gesetzlichen Prinzipien, die aber trotz dieser beiden Gegenstimmen aufgeweicht wurden: Grünes Licht von CSU, SPD und FDP für den Schwarzbau, nochmals Applaus von den Burschen.

Martin Becker

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