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Unterhachinger Krautgärtner: (v.l.) Stefan König, Thomas Hämmerlein, Bahman, Claudia Köhler und Angela Hilmeier-Stead beackern das Refugium am Finsinger Weg.

Projekt "Essbare Stadt"

Gemüse säen, Gemeinschaft ernten

Unterhaching - In der Stadt selbst angepflanztes Obst und Gemüse essen? Das Projekt „Essbare Stadt“ hat in mittlerweile viele Anhänger gefunden. Jetzt gehört auch der Krautgarten in der Gemeinde Unterhaching dazu. Zusammen mit Anwohnern und Flüchtlingen hat der Ortsverband der Grünen einen eigenen Biogarten geschaffen. Ein Besuch.

Wie jede Woche trifft sich am Ende des Finsinger Wegs in Unterhaching eine kleine Gruppe von Hobbygärtnern. Heute sind Rosalinde Bornheim, Herbert Simson, Stefan König, Thomas Hämmerlein, Bahman J., Claudia Köhler und Angela Hilmeier-Stead gekommen. Einige von ihnen schauen besorgt nach oben. Schwere Wolkendecken hängen am Himmel und lassen nur vereinzelt einige Sonnenstrahlen hindurch: Es sieht nach Regen aus. Auch die Temperatur ist soweit gefallen, dass es langsam frisch wird. Davon lässt sich die Gruppe jedoch nicht entmutigen. Ganz im Gegenteil. Rosalinde Bornheim schiebt das kleine Tor zwischen den hohen Hecken beiseite, und der Rest folgt ihr gut gelaunt in das Feld.

Unkraut jäten in unbeschwerter Atmosphäre

Was aus der Ferne noch wie Wildwuchs ausschaut, stellt sich schnell als üppiger Krautgarten heraus. Unterschiedliches Gemüse wächst dort sauber angepflanzt. Auf den ersten Blick lassen sich sofort Möhren, Lauch, Kohlköpfe, Kürbisse und Mais erkennen. Die Hobbygärtner unterhalten sich unbeschwert und tauschen Urlaubsgeschichten aus, während sich jeder eines der Gartengeräte vom Stapel neben dem Feld und den Wassertanks greift. Alle beginnen zu arbeiten. Wie in jedem Garten geht es auch hier zuerst ans Unkrautjäten. Unter den helfenden Händen ist auch Claudia Köhler, Fraktionssprecherin der Grünen in Unterhaching. Zusammen mit der Sprecherin des Grünen-Ortsverbands, Maria Kammüller, hat sie das Projekt ins Leben gerufen.

Platz kostenfrei zur Verfügung gestellt

Die Idee einer „Essbaren Stadt“ ist nicht neu. Schon vor einigen Jahren haben andere Städte und Gemeinden in Deutschland angefangen, Gemüse im öffentlichen Raum anzubauen. Auch die Gemeinde Haar gehört dazu. Vom Gedanken einer „Essbaren Stadt“ waren Köhler und Kammüller begeistert. Biologisch angebautes Gemüse aus dem Gemeinschaftsgarten – so etwas sollte es auch in Unterhaching geben. Vor zwei Jahren legten sie ihr Konzept Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) vor. Der fand die Idee gut, aber zunächst jedoch gab es keinen Platz. Das änderte sich, als Marie Diepold heuer den Acker am Finsinger Weg erbte. Sie fand es schade, dass das Gelände schon über zehn Jahre brach lag, und stellte es kostenfrei zur Verfügung. Dann ging alles ganz schnell. Mit viel Mühe und zahlreichen Helfern wurden zwei Felder inmitten der Wiese freigeräumt und im April die ersten Beete bepflanzt. Seither treffen sich die Freiwilligen jeden Montag um 17 Uhr und jeden Donnerstag um 18 Uhr, um gemeinsam an ihrem Garten zu arbeiten.

Helfer im Alter von zehn bis 80 Jahren

Gemeinsam – das ist Claudia Köhler und den anderen Verantwortlichen wichtig. Die Kommunikation unter den Helfern sei ebenso von Bedeutung, wie die Pflege des Krautgartens selbst, betont sie. Es gehe um das Miteinander. Daher ist auch jeder, der mithelfen will, gern gesehen. Der jüngste Helfer ist beispielsweise gerade mal zehn Jahre alt, der älteste schon über 80. Viele der Freiwilligen sind Flüchtlinge und kommen regelmäßig vorbei. Gerade zu Beginn des Projekts hätten sie einen großen Beitrag zur Umsetzung geleistet. Einer von ihnen ist Bahman. Er redet nicht viel und hält sich auch sonst eher bedeckt. „Aber er ist einer der fleißigsten Helfer, die wir haben, und manchmal reißt er mir die Arbeit regelrecht aus den Händen“, erzählt Stefan König aus dem Vorstand der Grünen.

Neben den freiwilligen Helfern vor Ort bekommt der Krautgarten aber auch von außerhalb viel Unterstützung. So hat die Gemeinde den eifrigen Gärtnern zwei große Wassertanks gespendet, welche die freiwillige Feuerwehr regelmäßig auffüllt. Die Gartengeräte stammen fast ausschließlich vom Wertstoffhof und aus Spenden. Die Kosten für die Erstanpflanzung wurde vom Ortsverband der Grünen übernommen. Und hinter dem Garten sind, zwischen Gras und Gestrüpp, zahlreiche Blumen zu sehen. Die bienenfreundliche Mischung wurde gleich zu Beginn ausgesät. Das Saatgut dafür spendeten die Eltern von Marie Diepold.

Zwischen Ernte und Zukunftsplänen

Die nächsten Pläne: 2017 sollen die Blumen zwei Bienenvölker von Imker Johannes Fagner ernähren. Und zusätzliche Felder zum Anpflanzen könnten entstehen – Marie Diepold hat den Gartenfreunden auch den Rest des Ackers dafür angeboten. Zunächst steht jedoch der Winter bevor. Die erste Ernte ist bereits eingefahren, Stefan König steht vor dem frisch geernteten Karottenfeld. In der Hand hält er Spinatsamen. „Die kann man noch bis Ende September säen und kurz vor dem Winter ernten“, erklärt der Holztechniker und Baubiologe.

Auch neue Mitstreiter sind willkommen

So gibt es immer genug zu tun im Krautgarten am Ende des Finsinger Wegs. Die Gartengemeinschaft freut sich daher jederzeit über neue und bekannte Gesichter. Aber auch Spenden in Form von Gartengeräten sind immer willkommen. Momentan bräuchte der Krautgarten beispielsweise noch eine Gerätetruhe oder ein kleines Gartenhäuschen, um in den kommenden Monaten alles trocken lagern zu können. Im Austausch gäbe es dann auch einen Korb voll mit frischem, selbstgezüchteten Gemüse.

Andre Morbach

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