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Das Geothermie-Kraftwerk Unterhaching am Grünwalder Weg produziert Fernwärme und Strom. Das meiste läuft automatisch. 77 Stunden pro Woche ist es ohne Beaufsichtigung.

Geothermie

Job als Anlagenfahrer: Wenn das Kraftwerk ruft

Unterhaching - Das Geothermie-Kraftwerk läuft ununterbrochen. Doch durchschnittlich 1,4 Mal pro Woche meldet das System eine Störung. Dann sind die Anlagenfahrer gefragt.

Das Diensthandy hat um Punkt 5.45 Uhr angefangen zu bimmeln. Im Halbschlaf hebt Daniel Rau ab. Eine Computerstimme sagt: Bitte Anruf quittieren. Rau drückt eine Taste. Dann hört es sich an, als sei ein Feuerwehrauto mit Sirene in sein Schlafzimmer gefahren. Rau ist nun aus dem Schlaf gerissen. Das erste, was er denkt, ist: Jetzt bloß Ruhe bewahren. Es ist ein Sonntagvormittag vor zwei Jahren. Das automatisierte System des Geothermie-Kraftwerkes hat eine Störung erkannt. Nun ruft die Anlage um Hilfe. Rau ist unterwegs.

Daniel Rau, der in Höhenkirchen-Siegertsbrunn wohnt, ist Anlagenfahrer. Der 30-Jährige arbeitet für Bosch am Kraftwerk in Unterhaching. Die Anlage läuft fast automatisch. 77 Stunden pro Woche ist sie in Betrieb ohne Beaufsichtigung. Das heißt: Sie pumpt 120 Grad heißes Wasser aus der Tiefe und erzeugt so Strom und Fernwärme, ohne dass sich ein Mensch auf dem Gelände befindet. Doch selbst die schlauste Maschine ist auf den menschlichen Verstand angewiesen.

Bei einer Störmeldung haben die Anlagenfahrer eine Stunde Zeit

Wasser aus 3,5 Kilometer Tiefe wird an dieser Stelle draußen vor der Anlagenhalle hochgepumpt. Pro Stunde fließen hier 450 Tonnen Wasser.

Durchschnittlich 1,4 Störmeldungen ereignen sich pro Woche. Dann sind Rau und seine drei Kollegen gefragt. Wenn eine Störmeldung auftritt, muss derjenige, der Bereitschaft hat, innerhalb von einer Stunde am Kraftwerk aufkreuzen. Egal was, egal wann – einer der Anlagenfahrer muss die Störung beheben. Das steht im Vertrag, den die Betreiberfirma Bosch mit dem Besitzer, der Geothermie-Unterhaching GmbH, geschlossen hat. Schließlich geht es um viel Geld. Jede Sekunde, die die Anlage nicht so funktioniert, wie sie soll, kostet sie Geld. Das Problem für Rau und seine Kollegen: Anders als sie schläft das Kraftwerk nicht. Und es kann störrisch sein.

Die Messnadel zittert sich ein bei 0,09 Bar. Rau presst das Blatt mit der Prüftabelle an ein warmes, blaues Wasserrohr und setzt mit einem Kugelschreiber einen Haken. Differenzdruck: Check. Rau ist gerade auf Rundgang. Wer die Anlagenhalle betritt, kommt sich vor, als würde er in den Tropen aus dem Flugzeug steigen. Im Hintergrund brummt der Generator, der Luftdruckregler zischt und die Turbine pfeift. Rau schreit: „Hören Sie das? So muss es sein.“

Hier hat alles einen roten und einen grünen Bereich

Bauarbeiter wechseln die Pumpe am Kraftwerk in Laufzorn.

Weiter vorne zeigen vier andere Messnadeln ziemlich genau 4,5 Bar. Rau hakt ab. Druck am Wärmetauscher: Check. Und auch am Ammoniakbottich ist alles im grünen Bereich. Nahezu jedes Teil des Kraftwerks hat einen grünen und einen roten Bereich.  Rau überprüft den Methanmelder, Ammoniak-Melder, Druck im Ringraum, Wasserdruck der Notfalldusche – einfach alles. Er schaut sogar, wie voll die Mülltonnen draußen vorm Kraftwerk sind.  Drei Stunden dauert dieser Generalcheck. Alle 72 Stunden muss er wiederholt werden. Der Grund ist einfach: Das Geothermie-Kraftwerk ist komplex. Es kann viel kaputt gehen. 

Mit am schlimmsten ist, wenn die Tiefenpumpe ausfällt. Schließlich ist sie so etwas wie das Herz des Kraftwerkes. Die Pumpe, die sich in 900 Meter Tiefe befindet, holt 450 Tonnen Wasser pro Stunde aus 3,5 Kilometer an die Oberfläche. Damit erzeugt das Kraftwerk Strom und Fernwärme. Seit 2007 musste die Geothermie Unterhaching GmbH die Pumpe zwölf Mal auswechseln. Auch in Grünwald bei Laufzorn steht ein Geothermie-Kraftwerk. Auch hier fiel vor kurzem die Pumpe aus. Zwar war das der erste derartige Vorfall in Grünwald. Doch nicht zuletzt wegen den anfälligen Pumpen spottet die FDP-Fraktion im Grünwalder Gemeinderat über die Technik der Geothermie-Kraftwerke.

Draußen an der Stelle, wo das Wasser aus der Tiefe kommt, wummert ein Blechkasten hin und her. Darin befindet sich Messgerät, das den Druck im Ringraum anzeigt. An der Vibration sieht man: Das Wasser läuft.  Rau findet, dass die Geothermie-Technik in der öffentlichen Diskussion oft zu schlecht wegkomme. Die Probleme mit der Pumpe habe man gelöst. Und grundsätzlich laufe das Unterhachinger Werk ohne größere Störung seit Mitte Januar. Damals legte eine Stromausfall das komplette Kraftwerk lahm. Manchmal ist die Ursache der Störung allerdings nicht so offensichtlich. 

Als Daniel Rau vor zwei Jahren an einem frühen Sonntagvormittag am Kraftwerk ankommt, weiß er lediglich, dass etwas mit der Elektrik nicht stimmt. Es blinkt auf den Bildschirmen in der Zentrale im Erdgeschoss des Kraftwerks. Eine ganze Baugruppe und mehrere Messgeräte sind ausgefallen.

Der Keller ist voller Wasser gelaufen

Rau hat Verfahrenstechnik studiert. Er ist kein Elektriker. Also überlegt er, einen Kollegen zur Hilfe zu holen. Doch dann entdeckt er, dass ein Ventil im Keller eine Störung meldet. Er schließt auf einen Kurzschluss. Tatsächlich ist der Keller voller Wasser gelaufen. Mit einer normalen Gartenpumpe kann er den Keller trocken legen und die Störung allmählich beheben. 

Rau wundert sich: Wasser kann in diesem Bereich eigentlich nicht auslaufen. Und auch von außen kann es nicht gekommen sein. Wo es herkam, kann er sich auch heute nicht erklären. Wegen dieses Vorfalls haben die Anlagenfahrer im Keller am Boden ein Messgerät installiert. Es signalisiert sofort, wenn dieser Bereich voller Wasser läuft. Bis heute ist diese Störung allerdings nie wieder aufgetreten.

rat

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