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Eine Minute und achteinhalb Sekunden dauert die von uns handgestoppte Rot-Phase an der Ampel, wenn man von der Biberger Straße in Richtung Süden fährt. Vielen Autofahrern dauert das zu lange, weshalb sie den Schleichweg über die Stumpfwiese nehmen – um dies zu verhindern, soll die neuralgische Kreuzung jetzt entzerrt und in puncto Straßenverkehr durchlässiger gemacht werden.

Verkehrsknotenpunkt

Ein neues (Fahr)gefühl soll entstehen

Unterhaching - Fahren, warten oder ausweichen? Diese Frage stellen sich täglich unzählige Autofahrer in Unterhaching.

Jetzt soll die komplizierte Kreuzung an Biberger-, Leipziger- und Von-Stauffenberg-Straße entzerrt werden. Das Ziel: mehr Durchfluss durch Optimierungsmaßnahmen und weniger Schleichverkehr nebenan im Wohngebiet Stumpfwiese.

Emotionen spielen die vielleicht entscheidende Rolle. Wer eine gefühlte Ewigkeit vor einer roten Ampel ausharrt, um bei der nächsten Grünphase dann gerade doch nicht mehr mit seinem Auto durchzurutschen, der ist genervt. Der sucht eine Alternative.

In diesem Fall, in Unterhaching: einen Schleichweg. Den über die Stumpfwiese, durch die Walter-Paetzmann-Straße.

Ein aktuelles Verkehrsgutachten von Professor Harald Kurzak belegt jetzt diese Vermutung: 20 Prozent der Autofahrer, die über die Stumpfwiese fahren, wollen sich lediglich eine Wartephase an der roten Ampel sparen. Ein paar Sekunden schinden. Schneller sein.

20 Prozent Schleichwegverkehr auf der Stumpfwiese

Um die Anwohner nicht länger mit Ausweichlern zu nerven und die Autofahrer nicht mit Dauerwarterei, lassen Gemeinde und Straßenbauamt die neuralgische Kreuzung jetzt für 66 000 Euro umkonzipieren. Die Intention ist es, den bisherigen Negativeindruck „aufzuweichen“, wie Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) es formuliert: „Es muss dieses Gefühl entstehen, dass man nicht mehr so lange an der Ampel steht.“

Erreicht werden soll es durch pfiffige Verschwenkungen der Fahrstreifen in der von Norden kommenden und stauträchtigen Biberger Straße, um die vier zu kurze Rechtsabbiegerspur zu verlängern. Einher gehen diese umfangreichen Ummarkierungen mit neuen Schaltzeiten für die Ampeln, die in alle Richtungen kürzer werden sollen. Und zwar so spürbar, dass sich Panzer „mehr Durchfluss“ erhofft.

Fahren also statt im Stau zu warten.

Ob’s klappt? Ob jene 20 Prozent der Autofahrer, die auf Schleichwege ausweichen, sich vom neuen Kreuzungskonzept überzeugen lassen? „Das ist Glaskugellesen“, glaubt Panzer, was Prognosen angeht, um wie viel Prozent die Walter-Paetzmann-Straße entlastet werde. Aber der Rathauschef weiß auch: Diese Kreuzung ist „der wichtigste Knotenpunkt von Unterhaching“; ein „Knackpunkt“, an dem es bis dato klemmt beziehungsweise sich staut. Also muss etwas passieren. Panzers Hoffnung: „Mit relativ geringem Aufwand können wir feststellen, ob die Maßnahmen eine Änderung im Verkehrsfluss bewirken.“

Für einen Kreisverkehr reicht der Platz nicht

Ein mit 1,5 Millionen Euro Baukosten fast 23 Mal so teurer Kreisverkehr, so verlautet aus dem Rathaus, werde sich von vielen Autofahrern zwar gewünscht, lasse sich mangels Platz an dieser durchaus komplizierten (weil etwas „schiefen“) Kreuzung nicht realisieren. Deshalb also: ein neues Abbiegekonzept, frisch von den zuständigen Behörden genehmigt.

„Das ist eine recht komplexe Angelegenheit, die im Gesamten funktionieren miss“, erläutert Panzer. Seine Einschätzung: „Es kann nur besser werden.“

Im Bauausschuss setzten sich übrigens Hans Potschacher (Grüne) und Waltraud Rensch (SPD) auch für die Belange von Fußgängern ein: „Die warten am längsten!“ Auch sie sollen von den Neuerungen profitieren. Franz Felzmann (CSU) regte ergänzend an, mit dem Verkehrszeichen „Grünpfeil“ (nicht zu verwechseln mit dem Lichtzeichen „grüner Pfeil“ einer Ampel) das Rechtsabbiegen zusätzlich zu beschleunigen. Zum Einwand, an einer solch stark frequentierten Kreuzung sei das zu riskant, entgegnete er: „Dann muss halt jeder aufpassen.“

"Baumaßnahme" als Straßensperre?

Die Gefühlsfrage, ob Verkehr flott fließt oder nervig stockt, wird künftig also entscheiden, wie Autofahrer die Optimierung der Kreuzung annehmen. Sollte es relativ unverändert beim Schleichverkehr über die Stumpfwiese bleiben, gäbe es da noch einen etwas unkonventionellen Vorschlag von Florian Riegel (CSU): „Können wir nicht irgendeine Straßenbaumaßnahme erfinden und zu Testzwecken die Walter-Paetzmann-Straße mal für ein paar Wochen dicht machen?"

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