Spurensuche

Woher Brunnthal seinen Namen hat

Brunnthal - Brunnen oder Quelle: Woher stammt eigentlich Brunnthals Name? Alfred Harich aus Faistenhaar machte sich auf Spurensuche. In Bürgermeister Stefan Kern und Orts-Archivar Norbert Loy fand er Verbündete.

Alfred Harich hatte sich an den Münchner Merkur gewandt mit einer erstaunlichen Vermutung. Der 48-Jährige Computerexperte wohnt in Faistenhaar, einem der zehn Gemeindeteile Brunnthals. „Ich habe mich schon immer für Geschichte interessiert“, erklärt er eingangs. Derzeit untersucht er mit seinen aus der IT bekannten Methoden die Landnahme der Bayern. So kam es, dass er sich mit dem Namen seiner Gemeinde befasste. „Und ich habe im Grunde nicht viel darüber finden können“, so Harich. Das machte ihn erst recht neugierig. Er glaubt beispielsweise nicht, dass sich der Name von einem in der frühen Siedlungsgeschichte angelegten Brunnen ableitet. „Nicht die Bohrung eines Schachtes oder ein Wasserspeicher ist hier gemeint, sondern ein Ort, aus dem Wasser in der Natur kommt, also eine Quelle“, erläutert Harich. Und ist etwas nach einem Tal benannt, müsse es doch auch einen Berg dazu geben, wenn auch keinen offensichtlichen. Beides glaubt er gefunden zu haben. 

Die Spur führt ihn nach Sauerlach. Jetzt kommt Norbert Loy ins Spiel, der Münchner Merkur zog ihn hinzu. Der 41-Jährige ist von Hause aus Versicherungskaufmann mit Faible für die Ortsgeschichte. Seit 2011 ist er der Archivar von Brunnthal, nebenberuflich. Als er von Harichs Vermutung hört, will er mehr darüber wissen und lädt ihn ein. Das Gespräch findet unter dem Dach des Rathauses statt, im Archiv der Gemeinde. Großzügig, hell, die Wände voller Fotos und Urkunden. Unmengen von Zeitdokumenten schlummern hier in Regalen. Zudem gibt es im Keller einen Raum voller Akten. Loy weiß, es gibt hier noch viel zu tun. Bürgermeister Stefan Kern und sein Vize Thomas Mayer schließen sich dem Treffen ebenfalls an. Natürlich wollen auch sie alles über den Ortsnamen erfahren. Jetzt sitzen da vier Personen am Tisch, gebeugt über Notizen und Karten. Alfred Harich hat das Wort, präsentiert eine Vielzahl von Indizien. Drei Monate lang, meist am Wochenende, hat der 48-Jährige vor Ort recherchiert, hat die Strecke vermessen und immer wieder abgeschritten. 

Der Name Brunnthal selbst ist nur einer von vielen „brunn“-Orten des Landkreises, wie etwa Hohen-, Gras-, Putz- und auch Siegertsbrunn. „Das Dorf Brunnthal erscheint erstmals 1123/27 in einer Dießener Stiftungsurkunde“, weiß dazu Norbert Loy. Harich betonte, frühere Siedler hätten hier bis zu 30 Meter tief für einen Brunnen graben müssen. Er halte dies für unwahrscheinlich. „Ich denke, es gab hier mehr Oberflächenwasser als man heute meint“, sagt er dann. Loy signalisiert Zustimmung. Dafür spricht noch ein weiteres Indiz: der Ortsname Otterloh. „Das heißt so viel wie Wald des Otters“, sagt der Archivar. Also müsse es dort Gewässer gegeben haben, in denen die Tiere lebten. Harich weiter: „Wasser fließt immer nach unten, ich denke 

anhand meiner Messungen, dass die Quelle in Sauerlach zu suchen ist. Stellt man sich etwa in der Nähe des Brunnthaler Rathauses auf den Gehweg mit Blick in die Kirchstockacher- und Otterloher Straße, kann man gut das Gefälle sehen“, sagt Harich. Gut 20 Meter Höhenunterschied liegen zwischen den Orten. Das Gewässer selbst war vermutlich nur flach. „D’accord, die Arbeit ist schlüssig, aber es sind keine Unterlagen da“, urteilt der Archivar. Harich wird darauf konkret. Am Beginn des Sauerlacher Forstwegs, hinter dem Gelände der Schützengesellschaft an der Hofoldinger Straße, liege die längst vertrocknete Quelle. Die Saulache, in der sich einst Wildschweine suhlten und später daneben Sauerlach entstand, sei von der Quelle gespeist worden. Sie sei der Ursprung eines kleinen Fließgewässers von rund sechs Kilometern Länge. „Sein Verlauf ging von Sauerlach über Otterloh, Portenläng nach Brunnthal“, behauptet Harich. Selbst heute sei das Quellgebiet noch teilweise zu sehen. „Es ist ziemlich spannend, die eigenen Ursprünge zu erkunden, die Grundvoraussetzung für eine Ansiedlung waren“, urteilt dazu Stefan Kern. 

Er schaut auf seine Uhr, überlegt und lädt zu einer spontanen Ortsbegehung. Nur wenige Autominuten später geht es nach Sauerlach, beim Schützenverein in den Hofoldinger Forst, dann wenige Schritte zu Fuß in den Wald. Harich kennt sich aus und führt die kleine Gruppe hin. Und tatsächlich. Eingewachsen, aber durchaus noch vage zu erkennen. Loy findet darüber hinaus noch zwei vermooste, aber markierte Grenzsteine. Und nun? „Den Indizien müssen jetzt erst einmal wissenschaftliche Untersuchungen folgen, grundsätzlich werden wir der Sache natürlich weiter nachgehen“, betont Stefan Kern. Alfred Harich und Norbert Loy wollen in Kontakt bleiben. „Wir werden jetzt schauen, ob sich die Erkenntnisse wissenschaftlich untermauern lassen.“

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