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Das Porträt von Peter Westermair sorgt für Diskussionen.

Zoff um Ahnengalerie im Rathaus Höhenkirchen-Siegertsbrunn

NS-Zeit-Bürgermeister: Plakette reicht vielen nicht

Höhenkirchen-Siegertsbrunn - „Eingesetzt“ steht unter den Porträts der beiden Bürgermeister, die zur Nazizeit regierten. Damit ist formal umgesetzt, was mehrere Fraktionen gefordert hatten. Doch das reicht vielen nicht.

Drei Wörter und ein Hakenkreuz. Sie lassen den Streit über zwei Porträts im Rathaus von Höhenkirchen-Siegertsbrunn weiter köcheln. Es geht um die NS-Vergangenheit des Ortes. Und um Georg Maier und Peter Westermair. Unter den beiden Bürgermeister-Bildern, die zur Zeit der Nationalsozialisten eingesetzt worden waren, sind zwar nun, wie vom Gemeinderat im Mai beschlossen, kleine Messingschilder montiert worden. Doch statt einer langen Erläuterung steht darauf bloß: „Eingesetzt von 1933 – 1945“.

Im Falle von Georg Maier genügt das den Meisten. Maier war zwar von 1933 bis 1945 von den Nationalsozialisten als Bürgermeister von Höhenkirchen eingesetzt worden. Allerdings war er nach dem Krieg entnazifiziert und von 1952 bis 1972 demokratisch gewählt worden.

Die Plakette: „Eingesetzt“ steht unter dem Bild Westermairs. 

Sein Siegertsbrunner Pendant Peter Westermair aber wurde von den Nationalsozialisten von 1933 bis 1945 eingesetzt und danach nicht demokratisch legitimiert. Der Neubiberger Historiker und früheren Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns, Hermann Rumschöttel findet die Erläuterung etwas „karg“. Es werde nicht klar, was Einsetzen überhaupt bedeute, sagt Rumschöttel. Schließlich sei damals die kommunale Selbstverwaltung völlig aufgehoben worden – zugunsten der Gleichschaltung.

Rumschöttel hatte im Vorfeld der Entscheidung schon seinen Standpunkt klargemacht: Wenn die Bilderchronik nicht als Ehrengalerie, sondern als historisches Zeugnis gedacht ist, wie Bürgermeisterin Ursula Mayer vor der Gemeinderatsentscheidung im Mai betont hatte, sollte die NS-Zeit mit den Porträts beinhaltet sein – allerdings richtig in den Kontext gesetzt.

Auch Dritte Bürgermeisterin Luitgart Dittmann-Chylla (Grüne) fände eine längere Erklärung angemessen. Vor allem solle damit das Hakenkreuz überdeckt werden, findet sie. „Meine Meinung war und ist: So soll es nicht bleiben.“ Die Fraktionen der Grünen, SPD und Unabhängigen Bürger hatten das Thema Nazi-Bürgermeister in der Ahnengalerie im Mai zur Sprache gebracht – und gefordert, Westermairs Konterfei abzunehmen oder zumindest mit Erläuterungen zu versehen. Das Ergebnis der Diskussion, die nun angebrachten Plaketten, reichen vielen nicht.

Das sieht die Bürgermeisterin anders: „Wer jetzt nicht weiß, dass in dieser Zeit der Nationalsozialismus war und damals Bürgermeister eingesetzt wurden, dem wird auch eine längere Erklärung nichts nützen“, meint Mayer. Die Galerie sollte ursprünglich zeigen, dass sich der älteste Bürgermeister auf 1854 zurückdatieren lasse. Anfang der 1990er Jahre hatte Mayers Vorgänger Rudolf Meiler (SPD) die Bilder in Auftrag gegeben. Aus gemeindlicher Sicht sei das Verfahren zudem nun erledigt, betont Mayer. Denn die Plaketten sind angebracht.

Zudem vermittelte die Kommune einen Kontakt zwischen den beiden Ortschronisten und dem Gymnasium im Ort. Gemeinsam mit den Schülern soll die NS-Vergangenheit Höhenkirchen-Siegertsbrunns in einem Seminar erarbeitet werden. „Aufarbeiten sollten sie es schon ein bisschen“, sagt auch Hermann Rumschöttel. Inzwischen sei die Zeit lange genug her, um gelassen damit umzugehen. ER meint: „Eine Gemeinde beschädigt ihr historisches Selbstverständnis nicht dadurch, dunkle Zeiten zuzugeben.“

Wie der Umgang mit der NS-Zeit in einer Behörde aussehen kann, zeigt der Bezirk Oberbayern. In der Galerie der Bezirkstagspräsidenten im Hauptgebäude an der Prinzregentenstraße in München wird der Nationalsozialismus nicht ausgeklammert. Die Verbrechen des Präsidenten des Kreistags von Oberbayern, NSDAP-Funktionärs und SS-Brigadeführers Christian Weber werden in einem langen Text erläutert, der die Hälfte des Bildes verdeckt.

Benedict Witzenberger

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