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Laub rechen auf dem Taufkirchner Friedhof: Chancen schaffen durch Arbeit für Menschen mit Behinderung lautet das Motto des Zweckbetriebs Hortus aus Oberhaching, hier mit zwei Mitarbeitern sowie (2.v.l.) Geschäftsführerin Anne Böhm-Volkmann und Vereinsvorstand Andreas Lotte.

Zweckbetrieb Hortus

Arbeit als Chance

Oberhaching - Der Zweckbetrieb Hortus integriert Menschen mit Behinderungen, hängt aber beim Thema Zuschüssen in der Luft.

Auf dem Taufkirchner Friedhof herrscht jetzt im Herbst viel Betrieb. Sieben Mitarbeiter des Zweckbetriebs Hortus aus Oberhaching, der im Bereich Garten- und Landschaftsbau tätig ist, sorgen für Ordnung, sammeln das Laub und kehren die Kieswege. Die Besonderheit des Unternehmens: Es ist ein Betrieb des Vereins für berufliche Integration, der auch Menschen mit geistigen und psychischen Behinderungen beschäftigt. 

„Unser Ziel ist es, dass die Mitarbeiter ein möglichst eigenständiges Leben führen, einen strukturierten Tagesablauf erleben und natürlich soziale Anerkennung“, erklärte Geschäftsführerin Anne Böhm-Volkmann jetzt bei der Besichtigung des Betriebs durch die SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen, die sich gemeinsam mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Andreas Lotte, der selbst im Vorstand des Vereins seit fünf Jahren ehrenamtlich tätig ist, ein detailliertes Bild verschaffen wollte. Nicht nicht nur über die Arbeit von Hortus, sondern auch, wo der Schuh drückt bei dem Integrationsbetrieb, der rund 75 Prozent Schwerbehinderte beschäftigt. 

„Psychisch erkrankte Menschen sind aufgrund ihrer Krankheitseinbrüche besonders von Arbeitslosigkeit betroffen und eine Integration ins Arbeitsleben bedeutet für sie Sicherheit und steigert die Lebensqualität“, betonte Lotte. Solche Betriebe sind im normalen Wettbewerb angesiedelt und erhalten durch die Einstellung Schwerbehinderter die gleichen Zuschüsse wie auch andere Unternehmen. Sie finanzieren sich aus eigenen Leistungserlösen, Zuschüssen, der Arbeitsförderung und Mitteln des Bezirks Oberbayern. 

Wichtige Kunden sind für Hortus die Kommunen, bei denen allgemeine Grünpflege gefragt ist. „Es kann schwierig sein hier zum Zuge zu kommen, da stets der günstigste Anbieter genommen werden muss“, sagt Böhm-Volkmann. So wird Hortus nach vier Jahren nun die Pflege des Taufkirchner Friedhofs abgeben. „Zum Glück sind wir weiterhin für Großflächen wie Sportplätze oder Verkehrsgrün zuständig.“ 

Natascha Kohnen regte an, dass man in Bezug auf Integrationsbetriebe Änderungen beim Vergaberecht überlegen sollte, was vom Vorstand des Vereins sehr begrüßt wurde. So wäre es denkbar, einen Punkteschlüssel einzuführen oder den Standort zu berücksichtigen, um die Wirtschaft in der Region zu fördern. Im Augenblick erhalten Integrationsunternehmen wie Hortus für maximal drei Jahre Zuschüsse für einen Mitarbeiter. „Das ist oft viel zu kurz, wenn eine psychische Erkrankung vorliegt“, sagte Böhm-Volkmann. Anschließend sorgt zwar das Integrationsamt für den Mindestleistungsausgleich. „Doch es ist nie sicher, wie hoch die Unterstützung ausfällt, was unsere Arbeit erheblich erschwert.“ 

Wichtiges Thema für die Gartenbaufirma sind auch Investitionszuschüsse, wenn beispielsweise ein neuer Häcksler angeschafft werden muss. „Den erhalten wir nur, wenn parallel ein neuer Arbeitsplatz geschaffen wird, doch mit dem Mehraufwand als Integrationsbetrieb ist das nicht so einfach.“ Derzeit beschäftigen die Hortus GmbH und der Zweckbetrieb insgesamt 36 Mitarbeiter, dazu kommen noch 37 Mitarbeiter, die bei Ramadama in Unterhaching tätig sind, die ebenfalls ein Integrationsbetrieb des Vereins für berufliche Integration sind. Lotte bemängelte, dass aufgrund der Unwägbarkeiten kaum noch Neugründungen solcher Betriebe zu verzeichnen sind und bestehende Firmen „in der Luft hängen“. Sein Fazit: „Manchmal wünsche ich mir, dass manche Kollegen aus der Politik für eine Woche in einem solchen Betrieb arbeiten, um ein besseres Bewusstsein dafür zu entwickeln, was hier geleistet wird."

Birgit Davies

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