1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis

Ärger um neue Asylunterkunft

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Schluss mit Spielen: Die Wiese an der Kreuzung Vocke-/Brunnerstraße, die Kinder heute gerne zum Toben nutzen, wird bebaut. In zwei Häusern entsteht Wohnraum für 48 Asylbewerber – sehr zum Ärger einiger Anwohner. Und auch Kinder und Jugendlichen sind traurig, wie sie in einer Mail an Bürgermeisterin Gabriele Müller schreiben. Die will für Abhilfe sorgen und über den TSV Haar andere Flächen zur Verfügung stellen, die dann auch vom Jugendzentrum „Route 66“ genutzt werden könnten. Fotos (3): Baumgart
Schluss mit Spielen: Die Wiese an der Kreuzung Vocke-/Brunnerstraße, die Kinder heute gerne zum Toben nutzen, wird bebaut. In zwei Häusern entsteht Wohnraum für 48 Asylbewerber – sehr zum Ärger einiger Anwohner. Und auch Kinder und Jugendlichen sind traurig, wie sie in einer Mail an Bürgermeisterin Gabriele Müller schreiben. Die will für Abhilfe sorgen und über den TSV Haar andere Flächen zur Verfügung stellen, die dann auch vom Jugendzentrum „Route 66“ genutzt werden könnten. Fotos (3): Baumgart

Haar - Zwei Unterkünfte für insgesamt 48 Asylbewerber entstehen an der Kreuzung Vocke-/Brunnerstraße in Haar. Die Gemeinderäte haben den Bauantrag genehmigt - obwohl ihnen die geplanten Häuser missfallen. Investor ist die „Gebr. Rossius-Eigenheim + Wohnbau GmbH München". Einige Anwohner rufen bereits zum Protest auf.

Auf zwei Gebäude verteilt ist Wohnraum für 48 Menschen vorgesehen, auf der gemeindeeigenen Wiese an der Ecke Vocke-/Brunnerstraße. Eine notwendige Notlösung, finden die Haarer Gemeinderäte. Denn die beiden Unterkünfte seien besser als etwa die Nutzung der VHS-Turnhalle, in der im Moment 66 Asylbewerber leben. „Dahinvegetieren“, wie es Traudl Vater (SPD) in der jüngsten Gemeinderatssitzung beschreibt - und damit ihren Kollegen im Gremium aus der Seele spricht.

Einig sind sie sich gleichermaßen im negativen Urteil darüber, wie die neue Unterkunft gebaut wird: Von „Barracken“ spricht von Ton van Lier (Freie Wähler), von einer „Lebensqualität, „die weit entfernt ist von der Möglichkeit, wieder ein geregeltes Leben aufzunehmen“. Mike Seckinger (Grüne) vermisst die Nachhaltigkeit des Konzeptes. Alexander Zill (SPD) sagt, er hätte sich eine andere Lösung gewünscht, „nicht gerade diese“. Und Bürgermeisterin Müller (SPD) moniert, das Projekt entspreche „städtebaulich nicht den Ansprüchen der Gemeinde“.

Was die „Gebr. Rossius-Eigenheim + Wohnbau GmbH München“ errichtet, folgt den gesetzlichen Mindestvorgaben: zwei langgezogene, eingeschossige Gebäude in Holzbauweise, die aufgeständert sind, also einen guten halben Meter über dem Boden stehen. Die Räume sind mit Hilfe einer Treppe und einer Rampe zu erreichen. Es gibt je zwölf Wohnräume, die zum Teil miteinander verbunden werden können. In jedem ist Platz für zwei Asylbewerber. Sie finden in jedem Haus zwei Aufenthaltsräume vor, die mit Küchenzeilen ausgestattet sind. Dazu kommen je zwei getrennte WC- und Sanitäranlagen.

Zweckmäßig, aber „wirklich kein Luxus“, findet Müller. Anregungen von Mitgliedern des Haarer Helferkreises seien bedauerlicherweise ungehört geblieben.

Weniger um die Gestaltung als um den Standort an sich, geht es einigen Anwohnern. Schon gibt es kritische Stimmen. So appelliert Tanja Motz - nicht ohne Hinweis auf die „Solidargemeinschaft“ - während der Gemeinderatssitzung: „Bitte genehmigen Sie den Standort nicht.“ Kinder und Jugendliche nutzten die Wiese zum Spielen; zum Feiern kämen gerade auch sozial schwächere Familien gerne hierher. Motz selbst hat Kinder, die dort spielen, wohnt aber einige Straßen weiter. Direkte Anwohner, wie Edeltraud Rupprecht, fürchten den Wertverlust ihrer Immobilie und sorgen sich um die Sicherheit.

Die Unterbringung von Asylbewerbern ist längst nicht nur ein wohltätiger Akt. Dass ein privater Investor mit einem solchen Bauverhaben Geld verdienen möchte, ist klar. Wie sich ein solches Projekt rechnet, darüber allerdings wird nicht gerne gesprochen. In Haar wird gerade an einem Pachtvertrag mit einer Laufzeit von zehn Jahren gearbeitet. Die „Rossius GmbH“ muss Pacht zahlen, trägt zudem die Baukosten. Im Gegenzug mietet der Freistaat die Unterkünfte und zahlt eine „ortsübliche Miete“ pro Quadratmeter. Für den Bauherrn vermutlich kein schlechtes Geschäft, da sich seine Investitionen sicher im Rahmen halten. Rolf Rossisus, Geschäftsführer der „Rossius GmbH“, jedenfalls zieht sich mit seinem Vorhaben zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres den Ärger einiger Haarer zu, steht er doch auch hinter den Plänen für den umstrittenen Wohnturm an der Wasserburger Landstraße/Münchener Straße.

Dabei kommt der Bauantrag der Gemeinde nicht einmal ungelegen. Denn die Lage spitzt sich weiter zu, auch in Haar. 220 Asylbewerber soll die Kommune nach Willen des Landratsamtes aufnehmen. Im Moment sind rund 100 im Ort untergekommen. Zu wenig, sagt das Landratsamt, das wiederum im Auftrag der Regierung von Oberbayern die Geflüchteten unterbringen muss. Wohin mit den Menschen, fragt die Gemeinde, die nach Aussage von Bürgermeisterin Müller unzählige Unterkünfte vorgeschlagen hat, die im Landratsamt aber mehrheitlich nicht akzeptiert worden seien.

Infoveranstaltung

Die Pläne für die Asylbewerberunterkunft wird Bürgermeisterin Gabriele Müller öffentlich vorstellen, am Donnerstag, 9. Juli, von 19 Uhr an im Vortragssaal des Haarer Poststadl, Münchener Straße 3. Landrat Christoph Göbel (CSU) wird über die momentane Lage in Sachen „Asyl“ im Landkreis berichten.

Auch interessant

Kommentare