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Die ersten 250 Flüchtlinge sind einquartiert

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Notquartier in den Tennishallen. © Franz Köppl

Keferloh -  Mittwoch, kurz nach Mitternacht im Tennis Center Keferloh. Der erste Bus mit 63 überwiegend aus Syrien stammenden Flüchtlingen kommt in der kurzerhand geschaffenen Notunterkunft an. Die aussteigenden Fahrgäste sind geschafft. Sie wollen erstmal nur Essen und schlafen.

Manche scheinen den kurzen Weg vom Bus zur Essenshalle schlafwandelnd zurückzuliegen und haben nicht einmal die Kraft, die umstehenden Helfer anzuschauen. Das Essen ist auf langen Tischen aufgebaut und sie nehmen es aus den Händen der Helfer meist lethargisch entgegen. Damit sie erkennen, dass die Wurst schweinefleischfrei ist, sind die Wurstplatten mit Plakaten versehen, auf denen ein Schwein abgebildet ist, das mit einem großen roten Kreuz durchgestrichen ist. So wird die Information international und sprachenunabhängig.

Während die Männer meist schweigend essen, erfasst der Sicherheitsdienst alle Anwesenden anhand ihrer Notfallpapiere, denn Bürokratie muss auch hier ihr Recht haben. Die ganze Nacht über wird der Bus immer wieder neue Flüchtlinge bringen - rund 250 insgesamt.

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Lisa Paul (24) von der Freiwilligen Feuerwehr Grasbrunn nach neun Stunden Dauereinsatz. Sie hat sogar ihren Urlaub verschoben, um helfen zu können. © Franz Köppl

Es ist unglaublich, was die rund 100 Ehrenamtlichen von den verschiedenen Landkreisfeuerwehren und dem Technischen Hilfswerk (THW) in knapp neun Stunden geschafft haben. 700 Betten aufstellen, mit Decken, Kissen und Matratzen ausstatten, Lebensmittel und Hygieneartikel für alle herbeischaffen und Zelte zum Duschen sowie über 100 Toiletten aufbauen - es ist fast ein Wunderwerk.

Stefan Pscherer (30) vom THW München-Land sagt, es sei "ein Supergefühl – auch wenn das hier nicht nur in der Arbeit, sondern auch in der Freizeit ist."
Stefan Pscherer (30) vom THW München-Land sagt, es sei "ein Supergefühl – auch wenn das hier nicht nur in der Arbeit, sondern auch in der Freizeit ist." © Franz Köppl

Nach neun Stunden - es ist mittlerweile fast Mitternacht - ist den Helfern die Erschöpfung anzumerken und viele freuen sich nur noch aufs Heimfahren und ihr Bett. Trotzdem sind die Gefühle positiv. Lisa Paul (24) von der Feuerwehr Grasbrunn, die eigentlich zu diesem Zeitpunkt bereits in den Urlaub nach Italien fahren wollte, hat ihren Urlaubsantritt, der für diese Nacht geplant war, kurzerhand verschoben. „Wir sind halt dieeErsten die da sind, aber so ein Einsatz ist eine Selbstverständlichkeit, wenn man das Ehrenamt ernst nimmt.“ Julia Ascher (28) vom THW München-Land pflichtet ihr bei. „Ich bin froh darüber, was wir erreicht haben und dass wir die armen Menschen entsprechend empfangen können“. Ähnlich äußert sich Stefan Pscherrer (30), ebenfalls vom THW München-Land. „Ein Supergefühl - auch wenn das hier nicht nur in der Arbeit sondern auch in der Freizeit ist“.

Julia Ascher (28) vom THW München-Land ist froh, was sie erreicht haben - "und dass wir die armen Menschen entsprechend empfangen können."
Julia Ascher (28) vom THW München-Land ist froh, was sie erreicht haben - "und dass wir die armen Menschen entsprechend empfangen können." © Franz Köppl

Die Flüchtlinge, die nur einige Tage bleiben und dann in andere Bundesländer weiterfahren sollen, werden es ihnen vermutlich danken - wenn sie nicht mehr so erschöpft sind. 

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