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Ein Haus wie ein Ausrufezeichen: Zu sehen bei den Architektouren

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Unterföhring - Das Haus 5a in der Ringstraße in Unterföhring polarisiert. Es ist rot und in seiner Form markant. Es ist ein Fremdkörper neben den einfachen Giebelhäusern ringsherum. „Die Feuerwehr, so heißt unser Haus hier", sagt Annette Völkel und schmunzelt über den Spitznamen.

Die Bauherren waren sich bewusst, dass Farbe und Form

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provozieren könnten. Aber sie sind auch dankbar, dass sie hier in Sichtweite zum Heizkraftwerk ihr Traumhaus realisieren konnten, auf einem kleinen Grundstück für günstiges Geld. Lernt man die Bewohner des futuristischen Gebäudes kennen, das Ehepaar Annette und Frank Völkel, stellt man fest, dass das skulpturale Haus, das innen rau, aber sehr offen ist, auf die Bauherren zugeschnitten ist wie ein Maßanzug. In vielen Gesprächen haben sie es mit dem Münchner Architekten Jakob Bader entwickelt. Ihr Haus ist individuell bis ins Detail und alles andere als langweilig.

Davon können sich interessierte Bürger im Rahmen der Architektouren selbst überzeugen: Am Samstag und Sonntag, 26. und 27. Juni, ist jeweils um 13 Uhr eine Besichtigung möglich. Was zuerst auffällt: Statt eine Garage zu bauen, stehen die Autos unter einer weiten Auskargung. Darüber befindet sich das große Arbeitszimmer.

Das Wohnzimmer ist nach Norden ausgerichtet und öffnet sich an drei Seiten mit raumhohen Glasflächen in den Garten. Man schaut auf riesige Tannen, eine Wiese und einen Apfelbaum. Das Grundstück grenzt an ein wild wucherndes Gelände der Stadtwerke, in dem Wärmeleitungen verlaufen und das nie bebaut werden wird. Eichhörnchen, Vögel und sogar Füchse beobachten die Völkels. „Wir leben mitten in der Natur“, sagt Annette Völkel. Einen Fernseher brauchen sie nicht.

„Einfach und offen wie ein Ferienhaus“, das war die Leitidee des Architekten Jakob Bader, der die Völkels folgten: Statt für Parkett und verputzte Wände entschieden sie sich für schlichten Estrich und Sichtbeton. In nur sechs Monaten war das Haus bezugsfertig.

Eine andere Maxime hieß: Sparsam im Unterhalt sollte das Haus sein und schlau konzipiert. Entstanden ist fast ein Öko-Haus, gut gedämmt, mit Grundwasserwärmepumpe, Wärmetauschern und Photovoltaikanlage. „Rein technisch ist das Haus fast autark“, erklärt Diplomingenieur Frank Völkel, der in der IT-Branche tätig ist.

Eine Besonderheit des Gebäudes: Die Bewohner steuern die gesamte Technik im Haus an einem Touchscreen oder mobil per iPhone und Internet. Mit einem Computerbefehl können sie festlegen, ob ein Lichtschalter die Stehlampe oder die Deckenlampe erstrahlen lässt. „Wir können in Thailand am Strand liegen und bekommen eine E-Mail, wenn jemand an unserer Haustür klingelt“, erklärt Frank Völkel die Zukunftstechnik, die nach seiner Überzeugung schon bald in vielen Eigentumswohnungen Standard sein wird. Über die Kamera im Eingangsbereich sehen die Hausbesitzer auch, wer bei ihnen geklingelt hat. Der Hausherr hat über diese Verknüpfung von Haus- und Gebäudetechniksystem ein Buch geschrieben, „Smart Home mit KNX“ heißt es.

Direkt über dem großzügigen Wohnzimmer, das in eine elegante Küche übergeht, liegt im Dachgeschoss das Schlafzimmer, daran schließt sich eine Dachterrasse an, die uneinsehbar ist. Das Schlafzimmer ist ein halber Wintergarten: Geschützt von gutem Isolierglas können die Bewohner im Bett liegen und in den Sternenhimmel schauen oder Schneeflocken beobachten. „Dann setze ich meine Brille erst ganz zum Schluss ab“, sagt Annette Völkel und man spürt, wie wohl sie sich in ihrem Haus fühlt.

Besichtigungstermine

Projekte der Architektouren am Samstag und Sonntag, 26. und 27. Juni: Haus V in Unterföhring, Ringstraße 5a, Sa. und So., 13 Uhr. Neubau der ev. Gabrielkirche und Erweiterung des Gemeindehauses Ismaning, Dr. Schmitt-Str. 10, So. 13 und 15 Uhr. Einfamilienhaus, Freimanner Str. 8, Ismaning: Sa. 11 Uhr, So. 15 Uhr. Kultur- und Bildungszentrum Seidl-Mühle, Mühlenstr. 15 bis 19, Ismaning, So. 10 und 14 Uhr. Neubau eines digitalen TV-Sendezentrums, Betastr. 2, Unterföhring, Sa. und So. jeweils 11 Uhr.

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