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Jung, zierlich, hart im Nehmen: Die 26-jährige Ingrid Gast ist Maschinistin und Gruppenführerin bei der Freiwilligen Feuerwehr.

150 Jahre Freiwillige Feuerwehr

Diese Frau kämpft mit Frauenpower gegen die Flammen

München - Ingrid Gast behauptet sich als Feuerwehrfrau in einer Männerdomäne – Kraft ist nicht entscheidend für den Job, sagt sie. Ein Portrait zum 150-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr.

Auf den ersten Blick wirkt sie zierlich und unscheinbar. Aber Ingrid Gast liebt die Herausforderung. Die 26-Jährige ist eine Vollblut-Feuerwehrfrau. Schon von Kindesbeinen an. Seit fünf Jahren ist Gast bei der Freiwilligen Feuerwehr München, Abteilung Stadtmitte. Eine Frau, die weiß, wie es ist, sich in einer Männerdomäne zu behaupten und die sich mehr Frauen bei der Feuerwehr wünscht.

„Angefangen habe ich 2007 bei der Landfeuerwehr von Dösingen im Allgäu, wo ich aufgewachsen bin“, erzählt Gast. Inspiriert habe sie ihr Vater. „Weil der Papa schon jahrelang bei der Feuerwehr war, als Maschinist.“ Das habe sie schon immer fasziniert. „Deshalb habe ich irgendwann gesagt: Das will ich auch.“ Damals war sie 17.

Nach München kam Gast, um zu studieren. Hier machte sie bei der Freiwilligen Feuerwehr die Grundausbildung zum Gruppenführer, qualifizierte sich weiter zur Maschinistin. Als Ausbilderin schult sie zudem den Nachwuchs. „Als Maschinistin steuere ich das Fahrzeug, bediene die Pumpe, gebe das ganze Material heraus und unterstütze meine Kameraden“, erklärt Gast. Das ist allerdings nur die eine Hälfte ihrer Aufgaben. Die andere Hälfte birgt nicht weniger Verantwortung: Als Gruppenführerin leitet Ingrid Gast die Mannschaft am Einsatzort. Dazu gehört auch die Absprache mit der Berufsfeuerwehr, die häufig ebenfalls anrückt.

Von 100 Freiwilligen Feuerwehrlern sind nur sieben weiblich

Ingrid Gast ist eine der wenigen Frauen bei der Freiwilligen Feuerwehr. Brandbekämpfung ist noch immer eine Männerdomäne. „Wir haben in unserer Abteilung ungefähr hundert aktive Mitglieder“, sagt Gast. „Davon sind sieben Frauen.“ Die 26-Jährige ist überzeugt, dass die Feuerwehr von einer größeren Portion Weiblichkeit profitieren würde. „Man merkt zum Beispiel, dass nicht so viel Blödsinn gemacht wird, wenn Frauen dabei sind.“ Nicht am Einsatzort natürlich, aber bei den Übungen. Säßen nur Männer auf einem Fahrzeug, werde schon viel rumgealbert. „Wenn Frauen dabei sind, läuft das Ganze geregelter ab. Dann reißen die Jungs sich zusammen.“ Außerdem gebe es dank der weiblichen Mitglieder hin und wieder etwas Gutes zu essen, sagt Gast verschmitzt.

Diskriminierung sei kein Thema, sagt Ingrid Gast. Aber: „Man muss sich als Frau schon stärker beweisen. Deine Handlungen werden eher in Frage gestellt. Wenn man neu ist, testen die Jungs einen.“ Das sei aber kein Problem, man müsse nur zeigen, was man könne. „Und das ist meistens mehr als die Männer.“ In den theoretischen Dingen, sagt Ingrid Gast, seien Frauen in der Regel fitter. Und auch das Thema Disziplin ist der Ausbilderin wichtig. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Jungs schnell mal am Handy rumspielen, wenn sie etwas nicht interessiert.“

Warum nicht mehr Frauen zur Feuerwehr gehen? „Es herrscht immer noch das Gerücht, dass man als Frau nicht die nötige Kraft hat“, sagt die Allgäuerin. „Aber das stimmt nicht. Es gibt für alles Techniken, mit denen man die Kraftkomponente umgehen kann.“ Etwa, wenn man eine bewusstlose Person tragen müsse. „Es gibt den sogenannten Rautek-Griff, bei dem man den Arm des Bewusstlosen vorne auf den Oberkörper legt. Das ist etwas ganz anderes, als wenn man jemanden nur unter den Achseln greift.“ Bei Bewusstlosen befinde sich nämlich keine Spannung im Körper, da könne der einem leicht entgleiten.

Kräftegleichgewicht innerhalb eines Trupps

Zudem wird bei Einsätzen ohnehin darauf geachtet, dass ein Kräftegleichgewicht herrscht. Ein Trupp besteht immer aus zwei Einsatzkräften. Der Gruppenführer achte darauf, wen er dabei hat und nicht gerade zwei Mädels einen Trupp bilden, nur weil sie im Einsatzfahrzeug zufällig nebeneinander sitzen. Auf diese Weise habe man stets körperliche Unterstützung. „Man ist immer zu zweit, man muss nichts alleine machen.“ Auch die Männer seien meist im Doppelpack unterwegs. „Schon aus Sicherheitsgründen gibt es im Einsatz keine Einzelgänger,“ sagt Gast. Das Teamgefühl ist für sie ohnehin einer der wichtigsten Aspekte bei der Feuerwehr.

Extremsituationen, in denen sie einen kühlen Kopf bewahren und ebenso anpacken muss wie die Männer, hat die 26-Jährige schon einige erlebt. Besonders in Erinnerung ist ihr die Silvesternacht 2014/15.

„An normalen Tagen werden wir erst dazugerufen, wenn schon zwei Züge der Berufsfeuerwehr alarmiert sind“, erklärt sie. Das liege daran, dass das Zuständigkeitsgebiet Stadtmitte so groß sei, dass die Freiwillige Feuerwehr sich nicht um jeden brennenden Mülleimer kümmern könne. An Silvester sei das anders: Da müssen Gast und ihre Kollegen auf jeden Alarm reagieren. In jener Silvesternacht saß Gast in einem der ersten Fahrzeuge, die ankamen.

Die Flammen schlugen wild aus dem Gebäude

Schon bei der Ankunft ahnte Ingrid Gast das Ausmaß. Flammen schlugen wild aus dem Gebäude. „Meistens hat die Berufsfeuerwehr den Grundaufbau schon erledigt, bevor wir ankommen. Aber in dieser Nacht waren wir von Anfang an mit dabei, haben Hydranten gesucht, das Wasser aufgebaut, sind mit hineingegangen und haben das Feuer gelöscht.“ Vier Stunden dauerte der Einsatz, ehe die Ablöse kam. Vier Stunden pausenlose Anspannung und Schweiß. „Bei so einem Einsatz sieht man, wie weit man an seine Grenzen gehen kann.“ So zieht sich ein Trupp normalerweise zurück, wenn die Pressluftflaschen am Rücken leer sind. In jener Silvesternacht hätten sie jedoch mehrfach die Flaschen gewechselt. Dieselben Trupps seien zwei oder drei Mal ins Gebäude gegangen, um das Feuer zu bekämpfen. „Das war eine enorme körperliche Belastung. Aber es hat uns auch gezeigt, wie gut wir als Team zusammenhalten.“ Jeder habe durchgehalten. „Und Spaß haben danach auch immer noch alle“, sagt Gast lächelnd. Einen Einsatz, dem sie nicht gewachsen war, habe sie bislang nicht erlebt.

Wenn sie nicht gerade Brände löscht, forscht die 26-Jährige an der Technischen Universität. Als Doktorandin im Fach Schulpädagogik schreibt sie gerade ihre Dissertation über die fachliche Fortbildung von Lehrern. Lebenretten ist für sie eher ein Hobby. Allerdings eines, in dem sie ganz aufgeht.

Firetage auf der Theresienwiese - Spektakuläre Bilder vom Samstag

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Am Wochenende wird gefeiert: „Firetage“ auf der Theresienwiese

  • Das „Firetage“-Festival zum 150-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr findet am Samstag, 23. April, und Sonntag, 24. April, von jeweils 10 bis 17 Uhr auf der Theresienwiese beim Frühlingsfest statt. Etwa 100 Organisationen, Firmen und Vereine der „Blaulichtszene“ laden zu Workshops und Darbietungen ein. Es gibt zahlreiche Mitmach-Stationen und Info-Stände über Aufgaben und Arbeitsfelder der Freiwilligen Feuerwehr, zur Laienhilfe bei medizinischen Notfällen und zur Brandschutzaufklärung. Eingeladen sind alle, besonders aber Jugendliche und Menschen mit Migrationshintergrund. Die Freiwillige Feuerwehr erwartet bis zu 100 000 Besucher.
  • Jeweils um 10 und um 13 Uhr wird ein schwerer Verkehrsunfall (Abwurf von einem Kran) unter anderem mit Rettungshubschrauber simuliert.
  • Samstags und sonntags um 11 und um 14 Uhr demonstrieren die Einsatzkräfte einen Zimmerbrand. Dabei werden unter anderem Menschen über eine Drehleiter gerettet. Die Feuerwehr gibt zudem Tipps für den „Ernstfall“.
  • Jeweils um 12 und um 15 Uhr zeigen Polizei und Feuerwehr, wie eine Rettungsgasse auf der Autobahn gebildet wird.
  • Um 16 Uhr wird jeweils eine „Großschadenslage“ mit vielen Verletzten gezeigt. weg

Marian Meidel

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