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 Abmarschbereit: Generalstabsärztin Erika Franke geht mit 62 in den Ruhestand.

Abschied von der SanAk

Bundeswehr: Frau Generalin geht in Ruhestand

München - Erika Franke ist die ranghöchste Soldatin in der Geschichte der Bundeswehr. Nun geht die Ärztin und Kommandeurin der Bundeswehr-Sanitätsakademie in München in den Ruhestand.

Die zwei Sterne auf den Schulterklappen ihrer Uniform empfindet Franke als Ehre. Wichtiger sind ihr aber erfolgreiche Arbeit und Kameradschaft. Zum Abschied blickt sie stolz und zufrieden auf ihre Laufbahn zurück. „Ich bin dankbar für die vielen Chancen, die sich mir geboten haben.“

Geplant hat Erika Franke ihre Karriere so nicht – konnte sie auch gar nicht. Schließlich ist die gebürtige Ost-Berlinern in der DDR aufgewachsen und konnte nicht ahnen, dass sich ihr durch die Wende völlig neue Möglichkeiten eröffnen würden. Nach dem Medizinstudium in den 70er-Jahren kletterte sie zügig die Karriereleiter nach oben, war schließlich als Chefärztin am Krankenhaus der Volkspolizei in Berlin tätig.

Nach dem Fall der Mauer wurde das Krankenhaus von der Bundeswehr übernommen – und Erika Franke, Fachärztin für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, wurde Oberfeldärztin. Zur Bundeswehr zu gehen sei ihr nicht schwer gefallen, erzählt Franke. Sie habe sich diesen Schritt zwar gut überlegt, aber: „Ich konnte mich voll mit den Zielen und Werten der Bundeswehr identifizieren. Es geht um ein humanistisches Weltbild.“

Dass sie damals in eine Männerdomäne eingetreten sei, habe sie selbst nicht so empfunden, zumal im medizinischen Bereich der Bundeswehr der Frauenanteil sowieso größer sei, sagt Franke.

„Es sind eher Außenstehende, die eine Frau bei der Bundeswehr als Besonderheit betrachten.“

Ihr selbst sei es erst aufgefallen, als sie höhere Dienstgrade erreicht hatte. „Da gibt es weniger Frauen und die Akzeptanz wird schwieriger.“

Wie man sich als Frau trotzdem durchsetzen kann? „Da helfen ein langer Atem und ein dickes Fell. Man muss mal was weglächeln können“, sagt sie und schmunzelt. Letztlich habe sie das eher angespornt. Und: Man dürfe sich im Job nicht von Gefühlen leiten lassen, sondern müsse sachliche Entscheidungen treffen.

Erika Franke, die in Kürze ihren 62. Geburtstag feiert, hat Durchhaltevermögen bewiesen. Seit 2013 ziert ein zweiter goldfarbener Stern die Schulterklappen ihrer Uniform. Sie ist die erste „Frau Generalstabsarzt“ der Bundeswehr.

Wenn sie mit Frauen über die Bundeswehr als Arbeitgeber spricht, verweist sie gern auf den Eid, den Soldaten ablegen müssen: „Der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“ Damit müsse man sich auseinandersetzen. „Möchte ich diesen Weg wirklich gehen? Kann ich das mit einem Familienleben vereinbaren?“ Einsätze der Bundeswehr wandelten sich zunehmend von humanitären zu Kampfeinsätzen. „Das sind Fragen, die ich vorher mit mir klären muss.“

Erika Franke hat keine gefährlichen Situationen erlebt, auch nicht bei ihren zwei Auslandseinsätzen 1997 und 2000 in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo. Damals war sie als Leiterin des mikrobiologischen Labors im Lazarett eingesetzt, denn fremde Erreger machen Soldaten im Ausland immer wieder Probleme. Solche Einsätze seien für jeden Soldaten eine einschneidende Erfahrung: die Not der einheimischen Bevölkerung zu sehen und zudem innerhalb der Truppe auf engstem Raum rund um die Uhr zusammenzuleben. „Die Eindrücke gehen einem nahe und verfolgen einen. Sie relativieren, worüber wir hier oft diskutieren. Das sind Luxusprobleme.“

Als großes Glück bezeichnet es Franke, von ihrer Familie stets unterstützt worden zu sein. Zu ihrem ersten Auslandseinsatz sei sie ausgerechnet am 17. Geburtstag ihres Sohnes geflogen. „Das ist mir sehr nahe gegangen. Ich war erstmals nicht da.“ Heute ist ihr Sohn selbst Offizier bei der Bundeswehr.

In den vergangenen zehn Jahren ist Franke zwischen Berlin und Bayern gependelt. Mann, Sohn, Tochter und die fünf Enkel leben in der Hauptstadt. „Das lange Pendeln hatte ich ja nicht geplant, das hat sich so ergeben.“ Zunächst war Franke drei Jahre Leiterin des Bundeswehrkrankenhauses in Ulm – ihre schönste Station, sagt sie –, dann wurde sie nach München versetzt. Jetzt freut sie sich, wieder ganz nach Berlin zu ziehen. Langweilig dürfte ihr nicht werden: Sie will das kulturelle Angebot endlich ausnutzen, im Garten Blumen und Sträucher zum Blühen bringen, handarbeiten und viel lesen. „Und das alles ganz in Ruhe, ohne den Druck, wieder abreisen zu müssen.“

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