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Der berüchtigte Berliner Club "Berghain" hat jetzt offiziell einen Kulturauftrag.

Berliner Club Berghain geadelt

Techno ist jetzt offiziell Hochkultur -Folgen für München?

Cottbus - Nach einem Urteil des Berliner Finanzgerichts betreibt der Techno-Club "Berghain" offiziell Kultur. Damit stehen durchgetanzte Nächte auf einer Ebene mit Philharmoniker-Konzerten. Bald auch in München?

Die Party-Nächte im Berliner Club "Berghain" sind mittlerweile weltweit berüchtigt: Drogen, Sex und lauter Techno vom DJ-Pult. Wie der Berliner Tagesspiegel berichtet, sind diese Veranstaltungen laut einem Urteil vom 6. September des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg aber nicht nur Unterhaltung. Die Leistung der DJs sei hingegen künstlerisch wertvoll und der Party-Abend somit fördernswerte Kultur. Damit stehen die Club-Nächte in Berlin auf einer Ebene mit Theateraufführungen an der Berliner Volksbühne, Museumseintritten oder Konzerten der Berliner Philharmoniker. Zumindest steuerrechtlich, denn darum ging es letztlich in dem vorangegangenen Prozess. Diese Entscheidung könnte nun auch Folgen für Clubs in München haben.

Reine Unterhaltungsveranstaltung?

Seit 2009 mussten "Berghain"-Betreiber Michael Teufele und Norbert Thormann von ihren Eintrittsgeldern statt der für Kulturveranstaltungen vorgesehenen sieben Prozent die vollen 19 Prozent Umsatzsteuer bezahlen. Das Berliner Finanzamt sah in den Club-Nächten, nach Angaben des Berliner Tagesspiegels , reine Unterhaltungsveranstaltungen ohne künstlerischen Mehrwert und hatte den Steuersatz erhöht. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass die DJ-Auftritte nicht mit Konzerten gleichzusetzen seien, da es etwa keine Bühne gebe. Zudem gebe es keinen Kartenvorverkauf, das Publikum klatsche nicht und die Musik habe keinen festen Beginn oder Endpunkt, wie es bei herkömmlicher Pop-Musik der Fall ist. Zusätzlich würde es vielen Gästen beim Besuch des "Berghain" nur um Drogenkonsum gehen.

DJs sind Künstler

Gegen diese Auffassung klagten die "Berghain"-Betreiber und bekamen jetzt vom Finanzgericht in Cottbus recht. Die Argumentation des "Berghain"-Anwalts Peter Raue: Es sei egal, ob der DJ eine Bühne habe oder ob man Tickets im Vorhinein kaufen könne. Wichtig sei, dass die "DJs im Berghain neue Musik kreieren", wird der Anwalt im Berliner Tagesspiegel zitiert. Der Drogenkonsum sei auch nicht wichtig für die Steuerregelung. Entscheidend wäre nur, dass das "Berghain" mit dem Auftritt spezieller DJs öffentlich werbe und die Besucher dann auch gezielt zu den Veranstaltungen mit diesen Disk-Jockeys kommen würden, wie bei jedem anderen Konzert eben auch. Außerdem würden die Gäste des "Berghain" sehr wohl klatschen.

Reporter-Gutachten gab den Ausschlag

Ausschlaggebend für die Entscheidung des Gerichts war nach Angaben der Hessisch-Niedersächsischen-Allgemeinen auch ein Gutachten, das der Spiegel-Reporter Tobias Rapp auf Anfrage des Gerichts verfasst hatte. Er diente dem Finanzgericht als Sachverständiger, da Rapp in seinem Buch "Lost and Sound: Berlin, Techno und der Easyjetset" (2009) das Handwerk eines DJs analysiert hatte. Danach "entspricht die Kreativität eines DJs beim Mixen von Musik der eines Dirigenten. Nur mit Maschinen-Bum-Bum-Bum als Material und keiner Partitur". Das überzeugte das Finanzgericht, das jedoch auch klar stellte, dass es sich bei dem Urteil um eine Einzelfallentscheidung handele. Dennoch könnte das Gerichtsurteil Folgen haben, auch in München.

Ziehen auch die Münchner Clubs vor Gericht?

David Süß, Geschäftsführer des Münchner Clubs "Harry Klein", kennt die Diskussion, denn auch in München kämpfen die Clubs darum, als Kulturveranstalter ernst genommen zu werden. "Auch hier ist das Finanzamt nicht bereit, die sieben Prozent anzuerkennen", erzählt Süß, obwohl auch in München viele Clubs mit dem Auftritt spezieller DJs werben würden. Da das Amt aber nicht wie in Berlin auf fünf Jahre rückwirkend die fehlende Steuerdifferenz von 12 Prozent eingefordert habe, "hatten wir keinen Grund, vor Gericht zu gehen". Süß weiter: "Jeder hat die Diskussion mit dem Finanzamt, da bin ich mir sicher. Aber man muss eben sehen, wie weit kann man gehen und in wie weit will ich mich auf einen Prozess einlassen. Als private Firma fehlen da auf Dauer oft die Rücklagen." 

Mit dem Urteil aus Cottbus könnten nun aber auch die Münchner Clubs Rückenwind bekommen. David Süß erklärt, dass er sich - auch wegen des Urteils - noch einmal mit dem Münchner Finanzamt auseinandersetzen werde: "Es geht um viel und ich denke auch, uns steht das zu."

rs

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