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Unappetitlich und unhygienisch: Abfälle mit teils blutigen Inhalt.

Überquellende Mülltonnen

Infusionsbeutel, blutige Schläuche: Medizin-Abfall nervt Anwohner

München - Anwohner im Münchner Klinikviertel sind verärgert: Sie beklagen, dass manche Ärzte es offenbar nicht so genau mit der Entsorgung ihres Mülls nehmen. Die Uni-Kliniken stellten am Mittwoch klar, dass es sich nicht um ihre Mülltonnen handelt.

Anwohner im Münchner Klinikviertel sind verärgert: Sie beklagen, dass manche Ärzte es offenbar nicht so genau mit der Entsorgung ihres Mülls nehmen. Der Abfallwirtschaftbetrieb München will dort nun genauer kontrollieren. Die Uni-Kliniken stellten am Mittwoch klar, dass es sich nicht um ihre Mülltonnen handelt.

Als Bernd R. (Name geändert) heimkommt, läuft er in der Nähe seiner Wohnung an einer überfüllten Mülltonne auf der Nußbaumstraße vorbei. Der Deckel steht offen, drinnen türmen sich Beutel mit medizinischen Abfällen. Medikamentenschachteln sind darin, Plastikschälchen, aber auch Infusionsbeutel und mit Blut gefüllte Schläuche. Kein schöner Anblick. „Und das ist nicht das erste Mal“, sagt Bernd R. verärgert. „Es kam auch schon vor, dass sich Krähen an den übervollen Containern zu schaffen machten und Sachen aus den Säcken zogen – danach lagen sogar Spritzen auf der Straße.“

Eine Sprecherin der benachbarten Uni-Kliniken zeigte sich am Mittwoch angesichts der Abfall-Fotos geschockt und stellte klar: „Die Mülltonnen gehören nicht unseren Kliniken an der Nußbaumstraße, und sie stehen auch nicht auf dem Klinikgelände.“ Der medizinische Abfall aus den Kliniken werde ordnungsgemäß entsorgt – und zwar nicht in öffentlich zugängigen Tonnen an der Straße. An den Uni-Kliniken gebe es eigens einen Beauftragten für Medizin-Müll.

Abfallwirtschaftsbetrieb kennt das Problem

Anwohner Bernd R. vermutet, dass die überquellenden Mülltonnen am Straßenrand zu einer nahegelegenen Gemeinschaftspraxis gehören könnten. Von der Praxis war dazu am Mittwoch keine Stellungnahme zu bekommen.

Dem Abfallwirtschaftsbetrieb (AWM) ist das Problem bekannt. So sei kürzlich gar ein ganzer Sack mit Medizin-Müll auf einer Wiese in der Nähe gemeldet worden, sagte Sprecherin Evi Thiermann unserer Zeitung auf Anfrage.

Nach dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz können solche Vergehen bei der Müllentsorgung nicht nur eine Ordnungswidrigkeit darstellen – sondern sogar eine Straftat. Werden zum Beispiel infektiös belastete Spritzen unsachgemäß entsorgt und jemand steckt sich dadurch an, kann dies zu einer Anzeige führen. „Unerlaubter Umgang mit Abfällen“ heißt der Straftatbestand, wie ein Sprecher des Münchner Polizei erklärt.

Medikamente lieber beim Giftmobil entsorgen

Kein schöner Anblick: Diese Fotos von Medizin-Müll hat Anwohner Bernd R. an der Nußbaumstraße gemacht. 

AWM-Sprecherin Thiermann zufolge gibt es sehr genaue Vorschriften, wie medizinischer Müll entsorgt werden muss. Die gelten für Ärzte und Privatleute gleichermaßen. So dürfen abgelaufene Arzneien in der Regel im Restmüll entsorgt werden (Ausnahmen: Zytostatika und Zytotoxika). Dabei ist aber zu beachten, dass niemand anderes an die Medikamente gelangen kann und so gefährdet wird. Heißt: Die Arzneimittel müssen ordentlich verpackt in den Müll. Der AWM empfiehlt dennoch, Medikamente lieber zum Giftmobil zu bringen oder zum Wertstoffhof. Die endgültige Entsorgung ist aber gleich: Die alten Medikamente landen in der Müllverbrennung.

Spritzen und Scharfkantiges dürfen ebenfalls über den Restmüll entsorgt werden, müssen aber in entsprechend bruchfesten Gefäßen verpackt sein. Ebenfalls im Restmüll landen dürfen blut- und sekretverunreinigte Abfälle wie Schläuche oder Tücher – wenn sie in reißfesten, dichten Behältnissen verpackt sind, in der Regel also Plastiksäcken. 

Anders ist das bei infektiös belasteten Abfällen, sowie Zytostatika und Zytotoxika, die beispielsweise bei Chemotherapien zum Einsatz kommen. Diese dürfen auf keinen Fall im Restmüll landen, sondern müssen durch spezielle Entsorgungsfirmen in gesonderten Verbrennungsanlagen vernichtet werden.

Der AWM will die Abfallentsorgung in dem Viertel künftig noch genauer prüfen, um den Anwohnern den Anblick blutiger Schläuche zu ersparen.

Sven Rieber, Ute Wessels

Ute Wessels

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E-Mail:info@merkur.de

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