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Laura mit Kurzen Haaren: Dafür musste Mutter Marie Hofmann über ihren Schatten springen.

Spende an die Krebshilfe

Laura (11) ließ sich die Mähne abschneiden - für einen guten Zweck

München - Fast 50 Zentimeter lang sind Laura Hofmanns Haare gewesen, bevor sie sie abschneiden ließ. Die Elfjährige aus Laim wollte etwas Gutes tun und hat den Erlös von 30 Zentimetern ihrer Mähne an die Krebshilfe gespendet.

Im Hause Hofmann herrschen wieder Ruhe und Eintracht. Dabei wäre es buchstäblich um Haaresbreite zum Generationenkonflikt gekommen. Immerhin, alles für einen guten Zweck.

„Ich wollte unbedingt kurze Haare haben“, erzählt Laura. Das Mädchen mit den großen braunen Augen trägt seinen Schopf mittlerweile kinnlang – zuvor wallte ihre Mähne einen halben Meter vom Kopf herab. Im Sommer einfach zu warm. Dass sie sich mit kürzeren Haaren wohler fühlt, weiß die Elfjährige aus Erfahrung. „Ich hatte sie schon mal abgeschnitten – allerdings nicht ganz so kurz.“ Schon im Frühjahr stand ihr Plan fest. „Eine Freundin von mir hatte die Idee, dass ich sie an krebskranke Kinder spenden könnte.“ Das gefiel ihr. Im Mai erzählte sie ihrer Mutter von dem Vorhaben – und stieß damit nicht gerade auf Begeisterung.

So lang waren  Lauras Haare vor der Aktion.

„Sie ist meine süße Kleine, und mit langen Haaren fand ich sie einfach wunderschön“, erzählt Marie Hofmann und lächelt. „Natürlich ist sie jetzt auch schön. Aber ich selbst kann wegen meiner Haarstruktur die Haare nicht so wachsen lassen, und bei Laura hatte ich den Traum quasi direkt vor mir.“ Doch der Plan war unumstößlich – also gab die Mama nach. Sie lacht. „Laura ist beinahe täglich zu mir gekommen und hat gefragt: ,Mama, wann gehen wir zum Frisör?‘“

Marie Hofmann wollte auch Lauras Krebshilfe-Plan unterstützen. Doch an wen wendet man sich da? „Fast eine Woche lang haben wir zusammen im Internet gesucht“, erzählt Laura. Dann stießen sie auf die Spendenaktion einer jungen Mutter, die ihren Zopf ebenfalls zugunsten der Krebshilfe spenden wollte. „Bei ihr war es so, dass sie gesagt hat: Je mehr Geld die Leute spenden, umso mehr schneide ich von meinen Haaren ab.“ Über die Internetseite der Frau wurden sie auf die Perückenfirma Rieswick & Partner aus Nordrhein-Westfalen aufmerksam. Diese nimmt Haarspenden entgegen und bietet an, den finanziellen Materialwert des Haars an den Verein Horizont Krebshilfe oder die Deutsche Krebshilfe zu spenden.

Dabei gibt es einige Punkte zu beachten, wie das Unternehmen auf seiner Internetseite verrät. Damit Perückenmacher den Zopf verwenden können, muss er mindestens 25 Zentimeter lang sein – außerdem gewaschen und beim Versand trocken. Wer lieber selbst zur Schere greift, als zum Frisör zu gehen, macht es am besten so: Zunächst alle Haare in eine Richtung kämmen, dann unten fest mit einem Zopfgummi fixieren. Damit die Haare später nicht auseinanderfallen, sollte man auch ganz oben, knapp unterhalb des geplanten Schnittes einen Haargummi anbringen. Der letzte Schritt ist der simpelste: einfach abschneiden. Jetzt muss das gute Stück nur noch einigermaßen stoßfest verpackt und verschickt werden.

Ein harter Schnitt für einen guten Zweck

Vereine und Unternehmen, die Haarspenden entgegennehmen, gibt es im deutschsprachigen Raum eine kleine Handvoll. Zum Beispiel den Verein „Haarschnitt mit Herz“ aus der Region Aachen, den Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten BVZ in Baden-Württemberg und den Verein Haarfee aus Österreich. Laura Hofmann hat sich für die Perückenfirma Rieswick & Partner aus dem Münsterland entschieden.

„Wenn wir die Haarspende bekommen, bewerten wir als erstes ihre Qualität“, erklärt Zweithaarspezialist Nils Rieswick. Die entscheidenden Faktoren dabei: Länge, Farbe und Menge. „Ein langer, heller Zopf mit vielen Haaren ist mehr wert, als ein kurzer dunkler.“ Das liege daran, dass der Echthaarmarkt heuer maßgeblich aus Asien bedient werde, also mit dunkleren Haaren. „Helles Haar ist teurer, weil seltener.“ Bei optimaler Menge und Qualität könne der finanzielle Wert des Haars bis zu 500 Euro betragen. Diesen Betrag spende seine Firma auf Wunsch wohltätigen Zwecken.

Das Haar selbst wird benutzt, um eine Perücke herzustellen. „Wir brauchen pro Perücke etwa zwei bis drei Zöpfe“, sagt Rieswick. Völlig selbstlos ist die Spendenhilfe des Zweithaar-Herstellers nicht. „Wir verkaufen die Perücken anschließend etwas vergünstigt, der Kunde braucht nur noch die Produktionskosten zu zahlen.“ Laut Rieswick belaufen diese sich immerhin auf stolze drei- bis 4000 Euro. Eine Art Wohltätigkeit, von der niemand arm wird.

Laura freut sich über ihre neue Kurzhaarfrisur – und über ihre gute Tat. „Jetzt will ich meine Haare erst einmal wieder wachsen lassen“, sagt sie. „Wer weiß – vielleicht spende ich sie in ein paar Jahren wieder?“

Marian Meidel

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