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Bei einer Vollversammlung nahm die Musikhochschule zu den Vorwürfen Stellung.

Lehrer vom Dienst suspendiert

Schon wieder: Sexuelle Belästigung an Musikhochschule

München - An der Musikhochschule München ist ein weiterer Fall von sexueller Belästigung bekannt geworden. Es geht um schwere Vergehen über lange Zeit.

Die Musikhochschule München hatte gestern bewusst Mitglieder, Studierende und auch die Presse zur Vollversammlung geladen, um ihren Umgang mit sexueller Belästigung und Diskriminierung zu thematisieren. Anstoß hierfür war das Gerichtsverfahren wegen sexueller Nötigung gegen Siegfried M. Der ehemalige Rektor wird beschuldigt, zwei Kolleginnen bedrängt und begrapscht zu haben.

Bisher hatte die Hochschule zu den Vorgängen um den ehemaligen Rektor geschwiegen. Die Veranstaltung sollte nun „enttabuisieren“. Eingeladen hatten Hochschulleitung, -rat, Studierendenvertretung, Dekan, Personalrat und die Frauenbeauftragte. Die Präsenz der verschiedenen Vertreter sollte symbolisieren, dass hier alle an einem Strang ziehen.

Sexuelle Belästigung: Dozent ist vom Dienst suspendiert

Doch im selben Atemzug kam ein weiter Fall von sexueller Belästigung ans Licht. Präsident Bernd Redmann gab zu, dass gegen ein weiteres Mitglied des Lehrkörpers ermittelt werde. „Es gibt ein Verfahren gegen einen anderen Dozenten der Hochschule, das noch nicht abgeschlosen ist.“ Es gehe um schwere Anschuldigungen einen langen Zeitraum betreffend. Der Dozent sei vom Dienst suspendiert. Die Hochschule unterstütze die Ermittlungsarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Gleichwohl wollen die Verantwortlichen von einer Häufung von Vorfällen an ihrer Hochschule nichts wissen. Sowohl Dekan Ulrich Nicolai als auch die Frauenbeauftragte Michaela Pühn beteuerten, dass es in den vergangenen Jahren nur wenige Beschwerden wegen sexueller Belästigung gegeben habe. Beide appellierten an Betroffene, sich zu melden.

Sexuelle Belästigung an Musikhochschulen nicht unbekannt

Sexuelle Belästigung an Musikhochschulen ist dennoch kein unbekanntes Thema. Der Leiter des Hochschulrats, Wolf-Dieter Seiffert, führte eine Studie an, wonach 20 Prozent der Studentinnen bereits Opfer sexueller Belästigung geworden sind. Bei Männern bewege sich die Zahl im unteren einstelligen Bereich.

Die hohe Zahl lasse sich vor allem auf die besondere Situation des Unterrichts im künstlerischen Bereich erklären. Einzelstunden beim Instrumentalstudium sowie körperlicher Unterricht bei Theater- oder Tanzausbildung seien gang und gäbe. Präsident Redmann dazu: „Es ist die besondere Herausforderung, dass wir vermeiden, dass im Rahmen dieses Unterrichts Grauzonen entstehen.“

Auch in sozialen Medien wird von Belästigungen berichtet

Glaubt man, was in sozialen Medien von anonymen Quellen zu lesen ist, dann scheinen diese Bemühungen ins Leere zu laufen. Denn auch hier wird von Belästigungen von Seiten des Lehrkörpers berichtet. „Wenn daran etwas dran ist, dann möchte ich die Opfer ermutigen und auffordern, sich bei Ansprechpartnern zu melden“, so Redmann weiter.

Ein Dozent, der seit über 30 Jahren an der Hochschule unterrichtet, gab zu bedenken, dass das Szenario auch in die andere Richtung funktioniere. Er selbst sei bereits zweimal Opfer von Stalking durch Studentinnen geworden.

Hochschule bemüht sich um Gegenmaßnahmen

Die Hochschule hat bereits 2013 intern einen Handzettel mit dem Titel „Nein heißt Nein“ veröffentlicht. Darin finden Betroffene Ansprechpartner. Aufgrund der jüngsten Geschehnisse soll dieser überarbeitet und danach auch extern veröffentlicht werden. Auch eine Arbeitsgruppe wurde ins Leben gerufen, die für die verschiedenen Fälle Regelungen finden und Sanktionswege aufzeigen soll.

Zum Strafverfahren gegen den ehemaligen Rektor wollte sich die Hochschule weiterhin nicht äußern.

Lisa-Marie Birnbeck

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