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Besonders im Herbst und Winter, wenn es wenig andere Nahrung gibt, nagen die Tiere Bäume an. In der Regel beschränken sich Biber dabei auf ufernahe Gehölze, doch der Parkchef beobachtet, dass die Tiere im Park zunehmend ihren Radius erweitern und immer größere Schäden anrichten. Präventionsmaßnahmen seien in dem unter Denkmalschutz stehenden Park nur bedingt machbar.

Nager sorgen für Probleme

Biber-Alarm im Englischen Garten

München - Der Englische Garten hat ein Biber-Problem. Immer größere Schäden verursachen die Nager an den Bäumen. Die Parkverwaltung fürchtet um die Sicherheit der Besucher – kann gegen die Tiere aber wenig tun, denn die pelzigen Baumfäller stehen unter Artenschutz.

Rund 15 Biber vermutet Parkchef Thomas Köster (o.) derzeit im Englischen Garten.

Sieben Apfelbäume angefressen und abgenagt. So lautet die Bilanz einer einzigen Novembernacht im Englischen Garten. Biber hatten sich in der Baumschule im Park offenbar ein Festmahl gegönnt. Entdeckt wurde der Schaden zwar erst am nächsten Tag, als die nimmersatten Nager schon wieder über alle Berge waren, aber die Spuren an den Bäumen sind eindeutig. Für Park-Chef Thomas Köster nicht der erste Vorfall dieser Art: „Die Probleme mit den Bibern haben in letzter Zeit neue Dimensionen erreicht, das gibt uns sehr zu denken.“
Seit Neuestem fressen die Tiere nicht mehr nur die ufernahen Bäume an, wie es eigentlich typisch ist, sondern nehmen sich auch immer öfter Gehölze vor, die bis zu 30 Meter vom Wasser entfernt sind. Auch Zäune, wie etwa der um die Baumschule, halten sie nicht auf. Angenagte Bäume müssen gefällt werden – hier gehe es insbesondere um die Sicherheit der Besucher, betont Köster.

Scharfe Zähne und viel Hunger haben die seit 1966 wieder in Deutschland lebenden Tiere.

Das Problem mit den pelzigen Baumfällern ist relativ neu. Denn rund 100 Jahre lang galten die Tiere in Bayern als ausgestorben. Erst eine Initiative des Bund Naturschutz brachte den Biber 1966 zurück. Seitdem hat sich der Bestand gut erholt, und auch in der Landeshauptstadt scheinen sich die Tiere wohlzufühlen. Ungefähr 60 Biber verteilt auf acht Reviere gibt es laut Schätzungen des Bund Naturschutz im Stadtgebiet. 55 weitere Reviere mit jeweils vier bis acht Tieren vermutet der Bund außerhalb der Stadtgrenzen rund um Isar, Amper und Würm.
Auch auf städtischen Grünflächen bemerkt man seit ungefähr vier Jahren eine verstärkte Aktivität der Nager, wie ein Sprecher des Referates für Stadtplanung und Bauordnung, dem auch die untere Naturschutzbehörde untersteht, unserer Zeitung auf Anfrage bestätigt. Betroffen seien vor allem wassernahe Gebiete wie etwa der Pasinger Stadtpark, das Erholungsgebiet Feldmochinger See, die Bereiche um die Isar sowie der Maria-Einsiedel-Bach und der Hinterbrühler See. Besonders eifrig nagen die Tiere jedes Jahr zur kalten Jahreszeit. Denn dann finden die Vegetarier wenig andere Nahrung und müssen ihren Hunger mit Rinde und Ästen stillen.

Damit Stadtbiber nicht zu Problembibern werden, setzen die Grünflächenbetreiber vor allem auf präventive Maßnahmen: das Einzäunen der Bäume mit sogenannten Drahthosen oder das Einreiben einzelner Stämme mit Verbissvermeidern. Auch Ersatzfütterungen sind ein probates Mittel, um dem Biber die Lust am Wildknabbern zu nehmen.

Alles abgenagt: In dieser Baumschule im Englischen Garten knabberten Biber in einer Nacht sieben Apfelbäume an. Nicht der erste Vorfall dieser Art im Park.

Im Englischen Garten jedoch kommt man laut Köster derzeit mit den präventiven Maßnahmen kaum noch hinterher. Außerdem sei ein weiträumiges Einzäunen der Bäume im Park schon alleine aus ästethischen Gründen nicht machbar. Darüber hinaus kann der Park allerdings wenig machen, denn trotz der inzwischen guten Populationszahlen steht der Biber immer noch unter Artenschutz. Nur in Einzelfällen und nur mit Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde können Tiere aus ihrem Revier entnommen und getötet werden.
Im Englischen Garten hofft man nun auf ein baldiges Treffen mit dem der Behörde unterstellten Biberberater. „Die Lösung kann nicht von uns kommen“, sagt Köster und ergänzt: „Wir sind schon sehr tolerant, aber ab einem gewissen Punkt sollte man zwischen dem Naturschutz und dem Gartendenkmalschutz des Englischen Garten abwägen.“

Jedoch scheint es nicht so, als müssten sich die Nager im Park fürchten. „Entnahmen sind absolute Ausnahmen“, heißt es aus dem Planungsreferat, und auch der zuständige Biberberater, Gerhard Schwab, gibt zu bedenken: „Niemand sagt, dass Biber alles dürfen, aber die allermeisten Probleme kriegen wir auch so in den Griff.“ Ausnahmegenehmigungen würden ohnehin fast ausschließlich erteilt, wenn durch einen Biber ein großer wirtschaftlicher Schaden entsteht. Das nachzuweisen, dürfte dem Staatsbetrieb Englischer Garten schwerfallen. Das weiß auch Köster, regt allerdings an, allgemein einmal über den Sonderschutz für die Nager nachzudenken: „Eine Lösung könnte sein, den Biber, wie das Reh im Wald, gezielt zu reduzieren.“ Einen solchen Vorschlag finden jedoch weder Naturschutzbehörde noch Biberberater sinnvoll.

Auch, wenn der Biber im Englischen Garten gerade für Ärger sorgt: Wir suchen die besten Wildtier-Schnappschüsse unserer Leser. Wie Sie uns Ihre Bilder schicken können, erfahren Sie hier.

Annika Schall

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