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Sie kämpfen für den Bolzplatz: Anwohner mit einem Transparent. 

Widerstand gegen Wohnungsbau-Pläne

Endspiel um den Bolzplatz am Frankfurter Ring

München - Ein Bolzplatz am Frankfurter Ring wird zum Zankapfel: Die Stadt will hier Sozialwohnungen bauen lassen, die Bürger kämpfen um die Grünfläche. Doch ein offener Brief von OB Dieter Reiter lässt erkennen, dass die Entscheidung längst gefallen ist.

Die Grünfläche zwischen Frankfurter Ring und Schmalkaldener Straße ist eine jener Flächen, die die Stadt für ihr „Wohnen für Alle“-Programm ins Auge gefasst hat. Die gemeinnützige Wohnstättengesellschaft (GWG) soll hier eine Wohnanlage bauen. Für den Bezirksausschuss Milbertshofen – Am Hart (BA11) kommt das gar nicht in Frage. Wie bereits in den vorherigen Sitzungen machte sich die Mehrheit der Mitglieder auch in der jüngsten Sitzung für einen kompromisslosen Erhalt des Bolzplatzes stark.

Zur Bezirksversammlung kam diesmal auch eine Gruppe von Bürgern, die dem BA ihre Forderungen vorstellten. Der Bolzplatz sei nicht nur einer der wenigen Orte für Jugendliche, sondern vor allem auch für Begegnung und Integration. Er sei einer der wenigen Grünflächen und kostenlosen Freizeitmöglichkeiten in München. Aus diesem Grund wollen die Bürger nun Unterschriften für den Erhalt des Bolzplatzes sammeln. Fraktionsübergreifend ernteten sie für ihr Engagement langen Applaus.

Ein Kompromissvorschlag der Grünen fand keine Zustimmung. „Wir müssen davon ausgehen, dass gebaut wird“, sagte Nicole Riemer (B90/Grüne). Sie warb dafür, die bisherige Grünfläche für Wohnbebauung zu opfern und im Gegenzug eine bisher geplante „Streetball“-Fläche als Bolzplatz zu erhalten. „Nur einfach nein zu sagen ist zu leicht“, sagte Grünen-Stadträtin Jutta Koller. Sie sehe keine Alternative zu einem Kompromiss.

Erich Tomsche (CSU) stellte sich, wie bereits in der vorherigen Sitzung, eindeutig gegen den Vorschlag. „Wir möchten keine Veränderungen. Wenn wir den Bolzplatz in die Ecke quetschen, sehe ich schon den Ärger mit den Bewohnern“, sagte er. Es könne nicht angehen, dass jeder Spielplatz und jede Grünfläche bebaut werde. „Wollen wir den Olympiapark auch noch bebauen?“, fragte er. Für die CSU galt der Antrag als falsches Signal. „Es ist schade, denn so wird die Entscheidung als final dargestellt“, sagte Tina Pickert (CSU).

Dennoch werden sich die Mitglieder des Gremiums mit dieser Idee anfreunden müssen. Das geht aus einem Brief hervor, den OB Dieter Reiter am Freitag veröffentlichte – als Antwort auf einen offenen Brief der ehemaligen BA-Vorsitzenden Antonie Thomsen, die sich für den Erhalt der Grünfläche stark gemacht hatte.

„Dem Bolzplatz am Frankfurter Ring droht nicht das Aus, sondern er soll (...) nur verlegt werden“, heißt es darin. Indirekt bestätigt der Brief aber die Befürchtung, die Grünfläche werde dabei deutlich schrumpfen. Von Wohnbebauung und einem „entsprechend großen Spielfeld“ ist da die Rede.

Reiter weist auf den eklatanten Wohnungsmangel in München hin, der raschen Wohnungsbau erfordere. Eine referatsübergreifende Arbeitsgruppe habe den Auftrag, „das gesamte Flächenportfolio der Stadt ohne Denkverbote nach möglichen Standorten zu überprüfen“. Überall gebe es „konkurrierende Nutzungsansprüche und widerstreitende Interessen“. Das Grundstück am Frankfurter Ring, so Reiter weiter, eigne sich aus städtebaulicher Sicht in besonderer Weise für eine mehrgeschossige Wohnbebauung. Den Bolzplatz, dessen Bedeutung den Mitarbeitern „selbstverständlich“ bewusst sei, habe man deshalb „von Beginn an in die Planungen mit einbezogen“. „Nach jetziger Planung soll das Wohngebäude so erstellt werden, dass östlich davon noch Platz für eine freie Fläche gelassen wird, die Bälle sollen dann durch sogenannte Ballsicherungseinrichtungen aufgefangen werden“, schreibt Reiter. Er würde sich freuen, „wenn hier bereits im nächsten Jahr Kinder und Eltern aus der Nachbarschaft mit den neuen Bewohnerinnen und Bewohnern gemeinsam Fußball spielen und die Anlage damit ein Ort der Integration sein wird.“

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Mathias Tertilt

Mathias Tertilt

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