+
Moses Wolff vor dem Drugstore.

Kabarettist Wolff mit Appell nach Roxy-Aus

Münchner, bitte rettet das alte Schwabing

München - Nach dem Roxy-Aus sorgt sich Kabarettist Moses Wolff ums Kneipen- und Künstlerviertel. Er richtete einen deutlichen Appell an die Münchner.

Jetzt hat es das nächste Kult-Lokal erwischt: Das Roxy in Schwabing muss schließen. Und so ein bisschen verliert das Viertel den Charakter, fürchtet Kult-Kabarettist Moses Wolff. Wir haben uns mit ihm getroffen, denn er will das alte Schwabing retten!

Ein Spaziergang: Wenn Moses Wolff, 46, durch Schwabing geht, kommt er ins Erzählen. Zu jeder Ecke, zu jeder Kneipe weiß er eine Anekdote. Menschen bleiben stehen, geben ihm die Hand, klopfen ihm auf die Schulter: „Moses, hallo, wie geht es dir?“ Moses Wolff kennt Schwabing, und Schwabing kennt Moses Wolff.

Doch der 46-Jährige ist besorgt. Das Viertel verändert sich seit Jahren – nicht zum Besseren, glaubt Wolff. Gebäude werden teuer saniert und noch teurer neu vermietet. Kneipen schließen die Türen, Teppichreinigungen oder Bio-Märkte öffnen sie wieder.

Und neue Mieter kommen ins Kneipenviertel. „Und beschweren sich, dass es abends zu laut ist“, sagt Wolff. „Die müssen doch vorher gewusst haben, wo sie hinziehen. Die Kneipen waren ja vorher schon da und sind nicht über Nacht gewachsen.“

Was den 46-Jährigen aber am meisten ärgert, ist das Verschwinden der Musikkneipen. Live-Musik unterschiedlicher Art gibt es derzeit nur noch im Alfonso’s, das Schwabinger Podium steht bekanntlich auch vor der Schließung. Die Musik verstummt im Viertel, sagt Moses Wolff.

Das alte Schwabing: Moses Wolff hat es der tz gezeigt – was schon weg ist und was noch bleibt. Damit es bleibt, formuliert Wolff einen deutlichen Appell an die Münchner: „Geht’s halt hin!“ Moses Wolff hat den Kampf ums alte Schwabing eingeläutet. Ein Spaziergang wird das nicht.

Alfonso’s

Das Alfonso’s liegt Moses Wolff sehr am Herzen. „Da hast du ein New-York-Feeling mitten in München“, sagt der Kabarettist. Das ­Lokal gibt es seit 1988. Es hat eine eine der kleinsten Live-Musik-Bühnen Münchens, mit 30 Plätzen. Doch auch das Alfonso’s hat nach dem Tod der Kult-Wirtin Evi Hentschel-Meister zu kämpfen, sagt Wolff. „Manchmal kommst du da hin, und dann sitzen da drei Leute.“ Doch es sei ganz einfach, dem Alfonso’s zu helfen: „Geht‘s halt hin!“ Rettet halt das alte Schwabing!

Clemensburg

Die Clemensburg von Außen.

Der Kampf um die Burg ist längst verloren! Die Baugenossenschaft München-Schwabing hat den Pachtvertrag nicht verlängert. Grund: Immer wieder gab es Beschwerden wegen Lärms. Geklagt wurde auch schon, allerdings erfolglos. Jetzt kommen Büroräume rein. Eine Genossenschaft hatte das Gebäude 1909 errichtet. Die Räume waren einst eine Wärmestube. In den 60er- und 70er Jahren war die Burg Stammlokal der linksalternativen Szene, jeder bekam dort etwas zu essen. Der Schlusspfiff trifft mitten ins schwarz-gelbe Herz, denn die Kneipe war nicht nur Kult, sie war auch Heimstatt vieler BVB-Fans.

Drugstore

Seit 1967 gibt es das Lokal in der Feilitzschstraße 12. Nachdem Pächter Jonny Saffari gestorben ist, hat Sohn Nader übernommen. Er will mit einem neuen Konzept punkten, unter anderem mit Küche aus regionalen Produkten. „Das darf auch nicht weg“, sagt Moses Wolff. An dem Gebäude hänge noch mehr, unter anderem das Heppel & Ettlich sowie die kleine Pizzeria. Das ­Drugstore ist ein Stück Schwabing – und ein Treff für Promis. Unter anderem für Mick Jagger und Liza Minnelli!

Roxy

Als Moses Wolff Anfang der 90er kleine Rollen in großen Theaterstücken am Residenztheater spielen durfte, traf er sich mit den Schauspielkollegen in den frühen bis mittleren Abendstunden im Roxy an der Leopoldstraße. „Das wurde von Iris Berben betrieben, die man seinerzeit auch noch häufig dort munter plaudernd antraf.“ Für das Roxy ist Schluss: nach über 27 Jahren! Ende Juli zieht das Via Appia ein, ein italienisches Restaurant.

Schwabinger 7, Monopol und Mamas Döner

Große Kritik, viel Widerstand: Am Ende war sie dennoch weg, die Schwabinger 7. Ein Glasbau ersetzt die Kult-Kneipe an der Feilitzschstraße. Ausgezogen sind auch das Monopol-Kino und Mamas Döner. Ein Schlag ins Gesicht für Moses Wolff: „Hier sind wir als Jugendliche schon hingegangen.“ Die alte Schwasi hatte 1948 eröffnet, die neue nach dem Aus 2011 ein paar Hausnummern weiter. „Da kann man auch gut hingehen.“ Aber: „Es ist nicht mehr dasselbe.“

Schwabinger Podium

Noch so eine Institution, die in die Binsen geht! Das Podium steht für 35 Jahre Rockmusik in Schwabing. Seit 1981 treten die unterschiedlichsten Bands auf. Die Kneipe selbst gibt es seit 1971. Noch heuer soll Schluss sein.

Live-Musik gibt's noch im Schwabinger Podium.

Das Gebäude an der Wagnerstraße soll abgerissen werden – für neue Wohnungen. Moses Wolff kann es nicht fassen: „Das ist eine der letzten Kneipen mit Live-Musik unterschiedlicher Genres!“ In den 70ern existierten noch 17 davon... Es gibt längst eine Initiative, die für den Erhalt des Schwabinger Podiums kämpft. Die Aussichten sind jedoch nicht gut.

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>König Ludwig 4er Set mini</center>

König Ludwig 4er Set mini

König Ludwig 4er Set mini
<center>Bayerische Hausberge</center>

Bayerische Hausberge

Bayerische Hausberge
<center>Fächer "Liebestaumel"</center>

Fächer "Liebestaumel"

Fächer "Liebestaumel"
<center>Entdecke Oberbayern!</center>

Entdecke Oberbayern!

Entdecke Oberbayern!

Meistgelesene Artikel

Paketdienst-Auto bleibt in Brandschutztor stecken

München - Eine Pause der etwas anderen Art musste ein Paketdienst-Fahrer am Donnerstag machen. Er bliebt mit seinem Auto in einem Brandschutztor stecken.
Paketdienst-Auto bleibt in Brandschutztor stecken

Mann muss aufs Klo - und verhindert dadurch Schlimmeres

München - Nur weil ein Mann auf Toilette musste, wurde ein größerer Brand am Freitag in der Früh verhindert. Die Feuerwehr musste nur noch nachlöschen.
Mann muss aufs Klo - und verhindert dadurch Schlimmeres

Neue Farbe für Münchner Freiheit? Regierung gibt Anwohnern recht

München - Die Münchner Freiheit ist bekannt für ihr quietschgrünes Dach. Doch die Farbe geht vielen gehörig auf den Geist. Nun hat die Regierung den Anwohnern recht …
Neue Farbe für Münchner Freiheit? Regierung gibt Anwohnern recht

Münchnerin vereitelt Handtaschenraub durch festen Griff

München - Von seinem Mountainbike aus hatte ein Unbekannter versucht, einer Münchnerin ihre Tasche aus der Hand zu reißen. Mit ihrem festen Griff hatte der Mann aber …
Münchnerin vereitelt Handtaschenraub durch festen Griff

Kommentare