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Wilde Viecher: Bei der ZLF-Tierschau, hier im Jahr 2008, ist in manchen Augenblicken auch Kraft gefragt.

Milch statt Bier

126. Zentral-Landwirtschaftsfest: Das ist dieses Jahr geboten

München - Hendl – gebraten oder quietschlebendig. Auf der Münchner Theresienwiese findet heuer parallel zum Oktoberfest auch das Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF) statt. Neben Tieren und neuester Agrar-Technik ist der Blickfang: ein Kuhstall.

Waren das jetzt vier oder fünf Versuche? Und warum kommt da weißes Bier aus dem Fass? Georg Wimmer reckt den rechten Arm nach oben, aus dem irritierend kleinen Masskrug schwappt eine trübe, dickliche Flüssigkeit heraus und läuft ihm die Hand herunter. „Ich hab’ das noch nie gemacht“, ruft er dann. „Also gut: O’zapft is’.“

Schon klar, die Sache mit dem Anzapfen ist ein alter Hut. Aber Wimmer, der Leiter des Zentral-Landwirtschaftsfests (ZLF), erlaubt sich die kleine Hommage an die große Wiesn trotzdem. Schließlich teilen sich Oktoberfest und ZLF ein Gelände, die Münchner Theresienwiese. Bei den Landwirten geht’s allerdings etwas gesitteter zu. Deshalb hat Wimmer auch Milch statt Bier in seinem Krug.

Die größte Landwirtschaftsausstellung in Bayern wird unter anderem vom Bauernverband und der Landesanstant für Landwirtschaft (LfL) veranstaltet und findet alle vier Jahre parallel zur Wiesn statt. Gut eine Woche lang, vom 17. bis 25. September, kommen 650 Aussteller auf dem südlichen Teil der Theresienwiese zusammen. 800 prämierte Tiere werden zu sehen sein, außerdem eine Menge moderner Agrar-Technik. Das alles auf 120 000 Quadratmetern. Wimmer sagt: „Wir haben keine fünf Quadratmeter mehr, die wir zusätzlich nutzen könnten.“

Die 126. Ausgabe des ZLF tritt mit einer Mission an: Sie will den Leuten die Rolle der Land- und Forstwirtschaft im Freistaat klarmachen. Das leicht sperrige Motto lautet deshalb: „Landwirt-schaf(f)t Heimat“. Hauptattraktion des ZLF: ein Kuhstall im laufenden Betrieb, mit 20 Tieren. Von denen ist am Freitag natürlich noch nichts zu sehen. Der Stall steht aber schon. Er ist aus Holz – und überhaupt etwas ganz Besonderes.

Diskussion um angemessene Tierhaltung

„Das ist das Modernste, was wir haben“, sagt LfL-Präsident Jakob Opperer. Der Stall ist quasi ein Prototyp – gefertigt aus heimischen Holz, durch seine Modulbauweise beliebig erweiterbar. An der Decke hängen energiesparende LED-Lampen, in einer der Ecken steht eine Melkmaschine, die Tiere werden automatisch gefüttert. Der Stall ist als Beitrag zur Diskussion um eine angemessene Tierhaltung gedacht. „Wir wollen zeigen, wie man mit überschaubarem Geld moderne Tierhaltung machen kann“, sagt Opperer, und zwar nicht nur den Verbrauchern, sondern auch den Bauern.

Natürlich dient das ZLF auch der Imagepolitur. Gerade die Frage artgerechter Haltung wird seit langem kontrovers diskutiert. Während der Festtage sollen deshalb an die 100 Leute aus der landwirtschaftlichen Praxis den Besuchern Rede und Antwort stehen – und bei der Gelegenheit „weit verbreitete Klischees über Tierhaltung aus der Welt zu schaffen.“

Der Eindruck darf nicht täuschen: Auch beim ZLF soll gefeiert werden. Deshalb die zweite Neuheit in diesem Jahr: Das Festzelt Tradition, sonst Teil der Oidn Wiesn. Die muss heuer dem ZLF weichen, aber halt nicht ganz. Das Zelt wird, ebenso wie die Stände, an einer Art Dorfplatz in der Mitte des Areals stehen – und auch während der zweiten Wiesn-Woche geöffnet sein. Jeden Tag kommt eine Trachtengruppe, jeden Tag gibt’s Live-Musik. Außerdem gibt’s zwei Abend-Veranstaltungen: die ZLF-Landpartie am 18. September und den ZLF-Ball am 24. September. Außerdem ist das Zelt, anders als in der Vergangenheit, an allen Abenden geöffnet.

In diesem Jahr gelten im Übrigen wie auf dem Oktoberfest verschärfte Sicherheitsmaßnahmen. Besucher dürfen keine Rucksäcke oder größeren Taschen mitnehmen. Kinderwagen sind aber, anders als auf der Wiesn, bis Ausstellungsende um 18 Uhr erlaubt. Kurz bevor Georg Wimmer Wiesn-Stadtrat Otto Seidl einen Mini-Krug Milch in die Hand drückt, sagt der: „Daheim bleiben bringt nix, liebe Leit’. Lassen wir uns die Freiheit nicht nehmen.“

Der Eintritt

für Erwachsene kostet 14,50 Euro, für Kinder ab sechs Jahren 4,50 Euro. Mehr Infos finden Sie unter www.zlf.de.

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