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Armbrustschützenzelt: Vom Wild beäugt: Eines der wenigen Zelte, das in einzelne Bereiche unterteilt ist. Trotz der Größe hat es somit Ähnlichkeiten mit einer Wirtschaft, was auch die hölzernen Trennwände und hochgezogenen Balken verstärken. Oben an den Wänden sieht man, was man unten isst. Die Hirsche und Wildschweine beäugen uns. Durch die weißgrüne Bespannung und das völlig aufgefensterte Dach wird eine Stimmung erzeugt, wie man sie bei Waldfesten in Bayern findet.
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Augustiner: Unaufgeregt schön: Hier kann man exemplarisch sehen, wie man viele ­Menschen auf engem Raum unterbringt und doch ausreichend Bewegungsfreiheit gegeben ist. Da ist sehr viel Luft. Die prächtigen Leuchter ragen heraus, die Hopfenkränze und Fahnen bestimmen den Raum. Das Augustinerzelt ist im eigentlichen Sinn gar nicht geschmückt, wirkt relativ ruhig und beruhigend. Es ist sauber und klar strukturiert. Es herrschen die typischen Augustiner-­Farben: Die braun gehaltenen Holztöne weisen auf die Wirtschaften der Brauerei hin, die schwarz-gelben ­Girlanden repräsentieren die Stadtfarben.
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Bräurosl: Unter Hopfenbahnen: Hier gibt’s einen gelb-blauen, geschwungenen Himmel, der durch Hopfendauben ­unterbrochen wird. Man sitzt quasi unter ­einem Hopfenfeld. Die Bräurosl ist eines der wenigen Zelte, das die Beleuchtung nicht verkleidet. Man hat eine klare Sicht – das Zelt ist also sehr geeignet, um nicht nur die feschen Dirndl, sondern auch die Einschenkmoral zu überprüfen.
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Fischer-Vroni: Wasser und Bier: Wasser an den Wänden, wohin das Auge blickt – den Zechern ist freilich keine Angst anzumerken, dass ihnen das Wasser auf den Kopf tropft. Spannender Blickfang: Die Musikkapelle will sich auf dem hölzernen Bug eines Schiffes den Weg durch die Gäste bahnen. Zur Sicherheit gibt’s auch Rettungsringe an Bord. Der Himmel wechselt zwischen weißblauer Raute und dem warmen Gelb des Münchner Stadtwappens.
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Hackerzelt: Unter unserem Himmel: Ganz traditionell als Himmel der Bayern gehalten, der hoch über der Hopfenkrone und den Gästen prangt. Die Bühne ist weit oben in einem Pavillon, fast könnte man sagen: Monopteros. In der Krone tanzen die Schäffler. Interessant: Die Bemalungen an den Wänden zeigen, wie München mal ­ausgesehen hat. Obwohl es ein nächtlicher Himmel ist, ist er dennoch weißblau – und mit den charakteristischen bayerischen Kumuluswolken versehen.
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Marstall: Der Aufgalopp: Rote Pferde auf schwarzem Grund auf den Geländern der Balustrade kann man erkennen. Auch die Quadriga, die schon außen die Aufmerksamkeit auf sich zieht, kehrt im Inneren wieder. Während der ganzen Wiesn-Zeit sitzt die Blaskapelle hoch über den Köpfen der Besucher in einem hölzernen Karussell, das offenbar vorübergehend aus dem Englischen Garten hierher umgezogen ist.
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Weinzelt: Boxen für fröhliche Zecher: Eigentlich ist das kein Zelt, sondern ein großer Saal mit eingebauten, hölzernen Kojen und umlaufender Empore. Geeignet für einen kleineren Freundeskreis, der sich einen gemütlichen Abend machen will. Von der Galerie hängen Lebkuchenherzen herunter, die man seiner Liebsten vielleicht umhängen könnte – wenn sie groß genug ist …
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Hofbräuzelt: Im Hopfenwald: Ein riesiges Zelt – und sehr hell, sodass man sich fast wie unter freiem Himmel fühlt. Die gigantischen Hopfenstangen umranken die Tragpfeiler. Statt Wolken gibt es riesige Hopfenbüschel, die sich um die Lampen winden – und über allem schwebt Aloysius, der sein zartes Hosianna mit der Harfe begleitet. Ungelöst bleibt die Frage, warum die gut gefüllte Mass Bier und die Brezn am Himmel ­hängen. Die gehören auf den Tisch.

O'gschaut is'

Design-Experte vergleicht alle Wiesn-Zelte

München - Florian Hufnagl, 34 Jahre lang Chef der Neuen Sammlung in der Pinakothek der Moderne und international gefragter Experte rund um Design und Architektur analysiert für uns das Design aller 14 Wiesn-Zelte.

Es soll ja Leute geben, denen nach der zweiten Mass wurscht ist, in welcher Umgebung sie sitzen. Speziell auf der Wiesn. Dabei unterscheiden sich die Zelte in Sachen ­Gestaltung erheblich. Grund genug, uns den Tempeln der Völkerverständigung mal von der künstlerischen Seite zu nähern. Dazu befragten wir einen Fachmann: Florian Hufnagl, 34 Jahre lang Chef der Neuen Sammlung in der Pinakothek der Moderne – mittlerweile im (Un-)Ruhestand – und international gefragter Experte rund um Design und Architektur. „Ich bin selbst ganz platt, wenn man die Fotos nebeneinanderlegt und mal direkt vergleicht: Diese Vielfalt in der Einheit ist hochspannend. Wie viele unterschiedliche Ideen die Wirte entwickeln, begeistert mich“, sagt der 1948 in der Au geborene Hufnagl. Er selbst ist nur bedingter Wiesn-Fan: „Jedes Jahr geh ich hin, aber nur mittags.“ Sein Favorit ist mittlerweile die Ochsenbraterei, früher war’s mal der Schottenhamel. „Als es noch a bisserl ruhiger dort war. Das war einmal …“, lächelt er. Und jetzt auf zum Wiesn-Zelt-Check! Klicken Sie sich durch!

Matthias Bieber

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