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Die Regenschirme der Besucher brachten ein wenig Farbe in das Grau am Eröffnungstag. Die Straßen waren weit weniger voll als sonst – aber vermutlich nicht nur wegen des Wetters.

Besucher-Bilanz

Erstes Oktoberfest-Wochenende: Die Hälfte ist daheim geblieben

München - 500.000 Menschen haben das Oktoberfest 2016 am ersten Wochenende besucht – damit hat sich die Besucherzahl der Vorjahre halbiert. Was sind die Gründe?

Für Jubel und Enttäuschung zugleich sorgte der Oberbürgermeister mit seiner Glanzleistung beim Anstich. Nur zwei Schläge brauchte Dieter Reiter (SPD), ehe das Bier floss und er die berühmten Worte „O’zapft is“ sprechen konnte. Und: „Auf eine friedliche Wiesn!“ – heuer mehr als nur eine Floskel. Denn die Zahl der Schläge war vermutlich nicht Reiters größte Sorge am Eröffnungstag – gab es doch seit Wochen nur noch ein Thema: die verschärfte Sicherheitslage auf der Wiesn. Die Bilanz der Stadt am Sonntag liest sich denn auch ernüchternd: Zum Auftakt kamen heuer nur halb so viele Besucher wie in den Vorjahren: 500 000 statt einer Million.

Den Sanitätern kam der Rückgang gelegen. „Bis Sonntagmittag hatten wir 350 Patienten, das sind 45 Prozent weniger als vergangenes Jahr“, sagte BRK-Michael Greiner. Auch die erste Alkoholvergiftung kam später als sonst: Gegen 15.10 Uhr brachten die Helfer eine 18-Jährige auf die Sanitätsstation – in den vergangenen Jahren mussten sie schon gegen Mittag ausrücken.

Die Politiker machten am Samstagmittag gute Miene zum vermiesten Wiesn-Beginn: „Es läuft sehr entspannt“, sagte Dieter Reiter auf der Empore des Schottenhamel-Zelts, wo sich nach dem Anzapfen traditionell die Politprominenz einfindet. „Alles, was diskutiert wurde, hat der Stimmung keinen Abbruch getan.“ Ein Blick von der Empore runter ins Mittelschiff des Zelts belegte Reiters Aussage: Während die Kapelle neue Wiesnhits wie „Hulapalu“ und „Hamm kumst“ spielte, feierten die Gäste ausgelassen. Wie in den Vorjahren hatten sich auch Sänger Heino und Moderator Florian Silbereisen unters Publikum gemischt.

Wiesn-Chef Schmid: Besucherrückgang in Zelten kaum spürbar

Auch Wiesn-Chef und Bürgermeister Josef Schmid (CSU) lobte am Sonntag die Stimmung. „In den Zelten war der Besucherrückgang kaum spürbar. Sogar die Zahl der verspeisten Ochsen ist mit neun fast so hoch wie 2015, da waren es zehn.“

Bei Reiter auf der Empore zeigten sich die Politiker gelöst. Schmid gab zwei Kellnern Autogramme auf ihre Krüge, der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post bat seine Parteikollegin Andrea Nahles und OB Reiter um ein gemeinsames Foto – Spaten-Brauerei-Chefin Katrin Schilz drückte auf den Auslöser. Alt-OB Christian Ude beobachtete das Geschehen auf einer Bierbank sitzend. Auch er beteuerte: „Die Stimmung ist wie immer – das mit der angeblich herrschenden Terrorangst kann ich nicht nachvollziehen. Es ist ein bescheidener Besucherandrang wegen des schlechten Wetters.“

Die Bilanz spricht eine andere Sprache. Die Zelte schlossen erst am Nachmittag wegen Überfüllung – ungewöhnlich für das erste Wochenende –, die Schaustellerstraßen blieben leer. Schlechtes Wetter am Eröffnungstag gab es auch in den Vorjahren immer mal wieder – trotzdem war mehr los. Einen derartig schwachen Besucherandrang hat es auf der Wiesn seit dem Jahr 2001 nicht mehr gegeben, in dem der Anschlag auf das Word Trade Center kurz zuvor die Menschen erschüttert und verängstigt hatte. 550 000 Besucher hatte die Stadt in diesem Jahr gezählt.

Oktoberfest 2016: Schausteller litten besonders

Die Schausteller litten am Wochenende besonders – die Stände, Buden und Fahrgeschäfte blieben relativ spärlich besucht. „Das war nix“, sagte Schausteller-Chef Edmund Radlinger. „Nur die überdachten Autoscooter haben ein paar Gäste da gehabt.“ Das Ponyreiten hatte am Samstagnachmittag bereits geschlossen. An eine erhöhte Terror-Angst wollten die Schausteller aber nicht glauben: „Das Wetter ist schuld“, lautete einhellig die Auskunft.

Besonders nervös, so sollte man meinen, war KVR-Chef Thomas Böhle (SPD) vor dem Anstich. Für ihn war es die erste Wiesn als Chef der städtischen Sicherheitsbehörde. Er hatte die heikle Entscheidung mit zu tragen, ob die Festwiese heuer erstmals eingezäunt wird. Doch Böhle gab sich auf der Empore entspannt. „Wenn man weiß, dass man alles für die Sicherheit getan hat, kann man auch gut schlafen“, sagte er. Er habe in der Früh das Gelände abgelaufen und sich alles angeschaut. „Die Besucher sind sehr verständnisvoll. Das befürchtete Gedränge findet nicht statt.“

Dennoch berichtete die Stadt in ihrem ersten Fazit von „Anlaufschwierigkeiten bei den neu engagierten Ordnern an den Eingängen“. Konkreter wurde man nicht, doch waren auf der Theresienwiese immer wieder Besucher mit Rucksäcken zu sehen – diese sind heuer eigentlich streng verboten. Die Stadt teilte mit: „Die Festleitung hat diese Unregelmäßigkeiten gemeinsam mit der Münchner Polizei und den Sicherheits- und Ordnungsbehörden bereits am ersten Tag erkannt.“ Die Polizei unterstütze deshalb zunächst die Kontrollen an den Eingängen – „bis sich das System eingespielt hat“.

Alt-OB Ude immerhin konnte den ausbleibenden Besuchern etwas Gutes abgewinnen. Er sagte: „Es wird wahrscheinlich eine Wiesn ohne Rekordzahlen, aber dafür eine, auf die man sich wieder freuen kann – das haben sich die Münchner lange gewünscht.“

Oktoberfest 2016: Öffnungszeiten, Wiesn im TV und Übersichtsseite

Beim Oktoberfest 2016 gibt es erstmals Eingangskontrollen und ein Rucksackverbot. Was Sie mit aufs Festgelände nehmen dürfen, erfahren Sie hier. Was kostet heuer die Mass Bier und welche Öffnungszeiten hat die Wiesn? Hier beantworten wir Ihnen alles, was Sie zum Oktoberfest wissen müssen. Sie schaffen es selbst nicht aufs größte Volksfest der Welt? Kein Problem: Hier läuft die Wiesn im TV und im Stream. Natürlich gibt es auf der Theresienwiese einige Regeln - hier erklären wir Ihnen, was Sie niemals auf dem Oktoberfest tun sollten. Alle News zur Wiesn finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

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