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Das Oktoberfest hat nun Einlasskontrollen.

Rundgang über das neue Gelände

Mehr Sicherheit auf dem Oktoberfest - zünftiger Charakter bleibt

München - Der Countdown läuft. Die Bierzelte sind aufgebaut, München bereitet sich auf das Oktoberfest vor. Ein erster Rundgang über das leicht veränderte Festgelände.

Bierzelte, Riesenrad, die Achterbahn mit dem Olympia-Looping, darüber Sonne und wolkenlos blauer Himmel. Kurz vor der Eröffnung präsentiert sich das Oktoberfest wie aus dem Bilderbuch. Seit Tagen sind Münchner in Dirndl und Lederhose unterwegs, um sich bei diversen Wiesn-Warm-ups in Stimmung zu bringen. Von Samstag an werden sie hier mit Australiern und Italienern, Russen und Chinesen gemeinsam feiern.

Alles wie jedes Jahr - fast. Wenn Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) auf dem größten Volksfest der Welt am Samstag das erste Fass Bier anzapft und das Fest mit dem traditionellen Ruf „Ozapft is! Auf eine friedliche Wiesn“ eröffnet, hat das einen besonderen Klang. Doch diesmal waren Sicherheit und Terrorangst das beherrschende Thema. Die Stadt hat nach dem Amoklauf in München und Anschlägen in Paris, Brüssel, Nizza, Ansbach und Würzburg ihr Sicherheitskonzept verschärft. „Wir haben alles getan, was erforderlich und angemessen ist“, sagt Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) am Donnerstag beim traditionellen Rundgang. Der Charakter dieses größten und schönsten Volksfestes ändert sich nicht.“

Aufgerollter Maschendrahtzaun

Verborgen hinter den Bierzelten am westlichen Rand des Geländes stehen metallene Boxen mit dem aufgerolltem Maschendrahtzaun. Er schließt einen letzten offenen Bereich. Erstmals in der mehr als 200-jährigen Geschichte des Volksfestes wird das Festareal vollständig abgesperrt sein. Ordner sollen dafür sorgen, dass sich der Zaun bei Gefahr binnen 50 Sekunden öffnet. An den Zugängen wird es schärfere Kontrollen geben als bisher; große Taschen und Rucksäcke sind verboten. 450 Ordner, fast doppelt so viele wie im Vorjahr, hat die Stadt engagiert. Die Polizei schickt hundert Beamte mehr.

Politiker, Trachtler, Kabarettisten und andere Prominente haben dazu aufgerufen, sich nicht von einem Besuch abhalten zu lassen. Einhellige Meinung: Das würde Terroristen und Kriminellen nur in die Hände spielen.

Für Wirtesprecher Toni Roiderer ist es eine Wiesn wie immer. Stornierungen habe es nicht mehr gegeben als sonst auch. „Drei Tische haben wir mittags zurück bekommen - und dafür 150 Anfragen für den Abend.“ Noch mehr Sicherheit wäre nicht mehr gut. „Mit einer „latenten“ Gefahr leben wir jetzt schon seit vielen Jahren“, erinnerte tags zuvor Polizeivizepräsident Werner Feiler.

Andere Gefahren neben Terror

Fast in Vergessenheit scheint geraten, dass es neben Terror auch sehr viel alltäglichere Gefahren gibt. Taschendiebstahl etwa. „Das Oktoberfest zieht leider auch immer ungebetene Gäste an“, sagte Feiler. Sie reisen wie die Besucher teils von weit an, um sich im Festtrubel über bierselig wehrlose Opfer herzumachen. 25 spezialisierte Taschendiebfahnder aus Ungarn, der Schweiz, den Niederlanden, Norwegen, Spanien und verschiedenen deutschen Städten wollen ihnen das Handwerk legen. Taschendiebfahnder, geschult im Erkennen verdächtigen Verhaltens, tragen oft bei anderen Straftaten zu Aufklärung oder Verhinderung bei, etwa bei sexuellen Übergriffen.

Mehr als zwei Dutzend Betretungsverbote hat die Stadt schon ausgesprochen: Besucher, die im vergangenen Jahr durch Schlägereien, Diebstähle, Belästigung oder andere Taten aufgefallen sind, dürfen heuer gar nicht erst kommen. Auch über mögliche Unwetter, Unfälle, Stromausfall, Störungen im öffentlichen Nahverkehr und eine eventuelle Überfüllung des Geländes haben sich die Verantwortlichen Gedanken gemacht. Wenn es wirklich zu voll wird, könnte das Gelände als Ultima Ratio kurzzeitig geschlossen werden - so sieht es das Konzept vor. „Es kann sein, dass der Haupteingang mal eine halbe Stunde zu ist“, sagt Schmid.

Gabelstabler und Bierbänke: Letzte Arbeiten auf dem Oktoberfest

Auf dem Wiesn-Gelände sind kurz vor dem Anstich Gabelstapler unterwegs, Biertische liegen zusammengeklappt hinter einem Zelt. In einem anderen wird gehämmert. Letzte Vorbereitungen. Standl-Besitzer Wolfgang Rosner ist dabei, gebrannte Mandeln, Macadamia-Nüsse mit Curry, Mandeln mit Spekulatius, Cashew mit Knoblauch und etwa 100 weitere exotische Nusskreationen vorzubereiten. „Wenn ich erst am Samstag anfange, werde ich bis Dienstag nicht fertig“, sagt der 58-Jährige. Seit 33 Jahren ist er auf der Wiesn, in der vierten Generation. „Wenn ich mir Gedanken machen würde, wäre ich nicht gekommen“, sagt er zu der Debatte um die Sicherheit.

Wirte und Budenbesitzer, Veranstalter und Sicherheitskräfte wollen „ihr“ Volksfest jetzt fröhlich und unbeschwert beginnen. Wirtesprecher Roiderer spricht allen aus der Seele: „Wir lassen uns doch nicht von einer Handvoll Verrückter die Lebensfreude nehmen.“

dpa

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