+
„Damit sie nicht wegschwimmen“ reinigt Biergarten-Bedienung Erika Wagner regelmäßig die Tische.

Wetter vermiest Mitarbeitern das Geschäft

Regen-Wiesn: „Ich habe noch keine einzige Mass verkauft“

München - Das schlechte Wetter vermiest nicht nur den Besuchern die Wiesn: Die Bedienungen in den Biergärten haben nichts zu tun, und auch die Verkäufer und Schausteller klagen über Einbußen.

Vor leeren Krügen: Giacinto Sibilia in der Schänke.

Montagmittag. Der 25-jährige Giacinto Sibilia sitzt in der Außenschänke des Schottenhamel-Zelts, hinter ihm stapeln sich hunderte Bierkrüge. Die sollten eigentlich nicht leer im Regal stehen, sondern mit Bier gefüllt auf den Tischen. Doch es regnet – und in den Biergarten kommen keine Gäste. „Ich habe in drei Tagen noch keine einzige Mass verkauft“, erzählt Sibilia. „Beschissen“ sei das. Dann muss er lachen und zuckt mit den Schultern. „Das ist halt das Risiko, das man eingeht, wenn man im Biergarten arbeitet.“ Neben Sibilia füllt ein Kellner Leitungswasser in ein paar Krüge: „Die neuen Kollegen üben das Tragen – irgendwie muss man sich ja ablenken.“

Das schlechte Wetter vom Wochenende hält an und vermiest den Bedienungen im Biergarten das Geschäft. Beim Hofbräuzelt sind derzeit 70 Kellner draußen ohne Arbeit. Wirt Ricky Steinberg sagt: „In der Früh müssen erstmal alle kommen. Wenn absehbar ist, dass das Wetter nicht besser wird, schickt man die Leute peu à peu heim.“ So lange heißt es: ablenken.

Bedienung Erika Wagner schnappt sich zwischenzeitlich immer mal wieder den Abzieher und befreit die Tische vom vielen Wasser, „damit sie nicht wegschwimmen.“ Die 22-jährige Chemie-Studentin arbeitet im dritten Jahr als Bedienung auf der Wiesn. Dass es so lange durchgehend regnet, habe sie noch nicht erlebt. „Am Wochenende war es besonders ärgerlich, da macht man den meisten Umsatz.“ Der Job mache ihr normalerweise viel Spaß, doch in erster Linie komme man natürlich, um Geld zu verdienen. Erika spart auf ein Auto, ein Audi TT RS soll es sein. Ein Lächeln huscht der 22-Jährigen übers Gesicht. Sie sagt: „Aufregen und jammern bringt nichts, man muss das Wetter jetzt einfach weglächeln.“

Keine Arbeit, kein Verdienst

Arbeitet für ihre Kinder: Christine Niedermeier.

Beim Armbrustschützenzelt hocken die Bedienungen unter dem Vordach, dort, wo der Regen nicht hinkommt. Über ihre roten Dirndl haben sie dicke Jacken gezogen. Christine Niedermeier, 41, arbeitet zum 16. Mal auf der Wiesn, doch dass sie rein gar nichts zu tun hat, sei eine „neue Erfahrung“ für sie. Keine Arbeit, kein Trinkgeld. Die alleinerziehende Mutter aus Pfaffenhofen hat mit dem Geld geplant. „Ich habe für die Wiesn drei Viertel meines Jahresurlaubs geopfert, damit ich meinen drei Kindern etwas Schönes bieten kann.“ Die Bedienungen muntern sich gegenseitig auf, ratschen, lachen, trinken Kaffee. Niedermeier sagt: „Noch sind wir optimistisch, es ist ja erst der dritte Tag.“

Die Brezn werden weich, wenn Feuchtigkeit in der Luft liegt – ein Problem für Verkäuferin Tanja Baur.

Optimistisch ist auch Tanja Baur, die seit 1998 einen Breznstand auf der Wiesn hat. „Ich stand hier schon bei minus 11 Grad und Schnee“, sagt die 42-jährige Münchnerin. Und dennoch: „Das Wetter macht uns einen bösen Strich durch die Rechnung – es kommen eh schon wesentlich weniger Leute, und dann regnet es auch noch.“ 500.000 Besucher zählte die Stadt am ersten Wiesn-Wochenende – nur halb so viele wie im Vorjahr . Nicht nur der Regen, auch die Angst vor Terror und die Sicherheitskontrollen haben viele Menschen abgeschreckt. „Nach dem 11. September 2001 war es hier wie leergefegt“, erzählt Tanja Baur. „So schlimm ist es heuer nicht, aber es war schon sehr mau die letzten Tage.“

Sein Fahrgeschäft „Parkour“ steht seit Wiesn-Eröffnung die meiste Zeit still: Schausteller Andreas Aigner

Neben weniger Kunden hat Baur noch ein anderes Problem: die Feuchtigkeit macht die Brezn weich. In der Auslage liegt dementsprechend nur eine Handvoll Gebäck. „Ich muss die Brezn auch kaufen, und bleibe auf den Kosten sitzen, wenn ich sie wegschmeiße.“

Auf der Schaustellerstraße betreibt Andreas Aigner das Fahrgeschäft „Parkour“ – normalerweise. Am Montag hockt er im Ansager-Häuschen und löst Kreuzworträtsel. Um 13 Uhr hatte er erst vier Fährgäste. „Ich habe sie fahren lassen, obwohl es sich eigentlich erst ab 10 Personen lohnt“, sagt Aigner. „Ich finde es gut, dass manche trotzdem kommen und sagen: Scheiß drauf, ich bin eh schon nass.“

Gute Stimmung trotz Regen: Bilder vom ersten Wiesn-Tag

Oktoberfest 2016: Öffnungszeiten, Wiesn im TV und Übersichtsseite

Beim Oktoberfest 2016 gibt es erstmals Eingangskontrollen und ein Rucksackverbot. Was Sie mit aufs Festgelände nehmen dürfen, erfahren Sie hier. Was kostet heuer die Mass Bier und welche Öffnungszeiten hat die Wiesn? Hier beantworten wir Ihnen alles, was Sie zum Oktoberfest wissen müssen. Sie schaffen es selbst nicht aufs größte Volksfest der Welt? Kein Problem: Hier läuft die Wiesn im TV und im Stream. Natürlich gibt es auf der Theresienwiese einige Regeln - hier erklären wir Ihnen, was Sie niemals auf dem Oktoberfest tun sollten. Alle News zur Wiesn finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

Mit diesen Tipps wird Ihr Dirndl wetterfest

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fahndung: Polizei sucht diesen Masskrug-Schläger

München - Die Polizei fahndet nach einem Masskrug-Schläger. Der Mann hat einen anderen Mann damit fast blind geschlagen. Die Ermittler hoffen auf die Mithilfe der …
Fahndung: Polizei sucht diesen Masskrug-Schläger

Wiesn-Ticker: Diese Besucher-Zahl erwartet Schmid

München -  Freitag, Tag 14 des Oktoberfests 2016. Wir sind so gespannt, welche Wiesn-Geschichten diesmal zusammenkommen. Lesen Sie unseren Wiesn-Live-Ticker und sehen …
Wiesn-Ticker: Diese Besucher-Zahl erwartet Schmid

Oktoberfest 2016: Die Bilanz der Notaufnahmen

München - Auf der Wiesn, das ist bekannt, wird nicht nur fröhlich gefeiert. Wo so viel Alkohol fließt, bleiben Unfälle nicht aus. Die Innenstadt-Kliniken der LMU haben …
Oktoberfest 2016: Die Bilanz der Notaufnahmen

Darum gibt es auf der Wiesn weder Döner noch Pizza

München - Auf der Wiesn gibt es so ziemlich alles an bayerischen Spezialitäten. Doch was, wenn einen der Heißhunger auf ein Stück Pizza überkommt? Wir haben nachgefragt, …
Darum gibt es auf der Wiesn weder Döner noch Pizza

Kommentare