"Je später der Abend, desto illustrer die Gäste"

Bundespolizei beschreibt amüsant den Wiesn-Wahnsinn

München - Der Wiesn-Samstag am 1. Oktober hat die Bundespolizei angestrengt. Sie schreibt von einem "erlebnisreichen" Tag, der dem "täglichen Wahnsinn", den sie am Hauptbahnhof gewohnt bist, "noch die Krone" aufsetzte. 

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Die Formulierung "goldener Oktober" stellt die Bundespolizei in ihrer Pressemitteilung in Frage und schreibt, dass dies für die Beamten der Bundespolizei zumindest am dritten Wiesn-Samstag "wohl eher nicht" gelte. Diese Fälle machten den Tag so anstrengend: Wildbiesler, ein Junkie auf Entzug, ein jointrauchender Schweizer, Schlägereien, Festnahmen von mit Haftbefehl Gesuchten, Straftaten wie Körperverletzungen und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Absperrungen wegen herrenloser Gegenstände. Sogar ein Polizeihubschrauber musste aufsteigen.

Die Bundespolizei kenne den "täglichen Wahnsinn" am Hauptbahnhof und auch von der Wiesn sei sie viel Arbeit gewohnt. Doch der Samstag muss speziell gewesen sein, so oft wie die Bundespolizei dies in ihrer Mitteilung betont. Beinahe im Minutentakt seien die Bundesbeamten zu irgendeinem Einsatz gerufen worden. 

Ein 22-jähriger Schweizer zum Beispiel flehte regelrecht um eine Strafanzeige, als er direkt vor den Augen der Beamten einen Joint genoss. Für einen 31-jährigen türkischen Drogensüchtigen endete der Tag in einer Münchner Klinik. Bundespolizisten mussten ihn zuvor mit zur Wache nehmen und dort zur Vernunft bringen, nachdem er - offensichtlich auf Entzug - herumgeschrien und andere Fahrgäste angepöbelt hatte. Über den Tag verteilt mussten die Polizisten mehrere junge Wildbieseler verwarnen.

"Je später der Abend, desto illustrer die Gäste - und desto höher der Alkoholpegel und somit auch die Gewaltbereitschaft", schreibt die Bundespolizei. Vor allem zu späterer Stunde mussten die Bundespolizisten Zoff zwischen Betrunkenen schlichten, bei Schlägereien einschreiten und Platzverweise erteilen. Dabei kam es immer wieder zu "Widerstandshandlungen und Beleidigungen durch Verwendung von landläufig bekannten oder auch neu kreierten Kraftausdrücken gegen die Beamten und folglich zu Festnahmen und Strafanzeigen gegen die Aggressoren". 

Bei der Überprüfung der Personalien der Beschuldigten kam auch die eine oder andere Fahndungsnotiz zum Vorschein. Aber nicht nur zwischenmenschliche Unzulänglichkeiten galt es zu regeln, auch ein räuberischer Diebstahl in einem Geschäft am Hauptbahnhof musste verhindert und aufgeklärt werden. Der türkische Geschäftsinhaber erwischte einen 31-jährigen Deutschen beim Diebstahl einer Wiesn-Kopfbedeckung und hielt den Ertappten fest. "Dies wollte der Hutfetischist nicht hinnehmen und schlug mit einer Bierflasche nach dem Ladenbesitzer", berichtet die Bundespolizei. Glücklicherweise, und wohl seines Alkoholpegels geschuldet, verfehlte er sein Opfer aber. Alarmierte Beamte der Bayerischen Landespolizei nahmen den Täter fest und übergaben ihn zuständigkeitshalber an die Bundeskollegen.

Das Getümmel und den hohen Alkoholpegel nutzten manche auch, um ihren persönlichen "Vorlieben" nachzugehen. So beobachteten Bundesbeamte einen Mann aus Sierra Leone dabei, wie er eine junge Frau erst verbal belästigte und sie dann in unsittlicher Weise anfasste. Es folgten Festnahme und Strafanzeige. "Einen vermutlichen Antänzer, also Taschendieb, zogen die Beamten ebenso aus dem Getümmel", heißt es in der Mitteilung. Schon fast nebenbei musste eine Streife gegen fünf Uhr zum S-Bahn-Haltepunkt Isartor ausrücken, weil dort ein Unbekannter - wie sich vor Ort herausstellen sollte grundlos - den Feuermelder betätigt hatte.

Am späten Nachmittag war sogar der Einsatz eines Polizeihubschraubers und eine kurzzeitige Sperrung der Bahnstrecke zwischen München und Augsburg nötig, nachdem eine Anruferin bei der Einsatzzentrale des PP München Jugendliche im Gleisbereich in Obermenzing gemeldet hatte, die wohl Mutproben veranstalteten. Nachdem eine Suche vor Ort und aus der Luft aber kein Ergebnis gebracht hatte, konnte die Strecke wieder freigegeben werden.

Zu allem Überfluss kam es bereits gegen 17 Uhr zu einer Störung auf der Bahnstrecke München-Landshut. Deswegen musste auch der Bahnsteig zu Gleis 24 und 25 am Hauptbahnhof aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Da auch der eingerichtete Schienenersatzverkehr an seine Grenzen stieß, waren die Bundesbeamten gefragt. All dies sollte die Beamten bis zum frühen Sonntagmorgen zusätzlich beschäftigen. Mehrere Beamte mussten an den Bahnhöfen Neufahrn bei Freising, Freising und Langenbach den kurzzeitig an diesen Bahnhöfen zum Teil hunderten gestrandeten Reisenden den Weg zeigen und die aufgeheizte Stimmung beruhigen.

Natürlich wuchs der Berg der Fundsachen, die täglich bei den Beamten auf Gleis 26 abgegeben werden, auch am Samstag um einige Geldbörsen, Personalausweise und sonstige Gegenstände an.

Die Beamten rückten außerdem nach Holzkirchen aus. Dort gerieten in einem Zug der Bayerischen Oberlandbahn, der von Bayrisch Zell nach München unterwegs war, zwei Somalier in Streit. Nachdem sich ein 14-Jähriger und eine 19-Jährige wohl erst gegenseitig beleidigt hatten, soll der Jugendliche der jungen Frau mit beiden Füßen gegen den Kopf getreten haben. Diese wiederum soll einen Schuh nach dem Jugendlichen geworfen haben, ohne ihn jedoch zu treffen. Beamte der örtlichen Polizeiinspektion konnten die Situation schnell beruhigen und den Fall zuständigkeitshalber an die Bundespolizei übergeben, die jetzt wegen Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung gegen die beiden ermittelt. Die junge Frau musste sich nach der Vernehmung in ärztliche Behandlung begeben.

Am Hauptbahnhof München geriet ein 28-Jähriger aus nicht bekanntem Grund so in Rage, dass er seine 25- jährige Begleiterin direkt vor den Augen einer Bundespolizeistreife ohrfeigte. Da griffen die Beamten natürlich sofort ein und brachten den Schläger auf die Wache. Dort zeigte der Serbe den Bundesbeamten unmissverständlich, was er von der ganzen Sache hielt. Er streckte ihnen sein nacktes Hinterteil entgegen. In der Vernehmung stritt er alles ab und forderte schließlich ein Taxi, das ihn zu seinem Hotel bringen solle. Ein Taxi riefen die Ermittler nicht. Dafür zeigten sie den Wahl-Schweizer wegen Körperverletzung und Beleidigung an, bevor er die Wache wieder verlassen durfte.

In Olching endete eine Fahrscheinkontrolle mit einer gebrochenen Nase und zwei Personen im Krankenhaus. Mitarbeiter des zivilen Prüfdienstes der Münchner S-Bahnen hatten in der S3 nach Mammendorf drei Fahrgäste ohne gültige Fahrscheine erwischt. In Olching verließen die Ertappten die S-Bahn. Dort sollten dann auch ihre Personalien festgestellt werden. Es kam zu einer Rangelei, wobei einer der vermutlichen "Schwarzfahrer", ein 49- jähriger Deutscher, einem 36-jährigen Kontrolleur einen Kopfstoß mit solcher Wucht gegen die Nase verpasste, dass nach einer ersten Diagnose des Notarztes die Nase dem Angriff nicht standgehalten hat und sogar eine Verletzung der Halswirbelsäule nicht auszuschließen ist. Aber auch dem Tatverdächtigen setzte wohl die ganze Aufregung zu sehr zu. Er erlitt offensichtlich einen Asthmaanfall. Daher mussten beide Tatbeteiligten vom Rettungswagen in ein Münchner Krankenhaus gebracht werden, der 36-Jährige mit Verdacht auf Nasenbeinbruch, der 49-Jährige wegen seiner Atemnot. Die Bundespolizei ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung gegen den 49-Jährigen.

An der Hackerbrücke haben ein Vater und seine Tochter gezeigt, "dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt". Ein 52-Jähriger hatte wohl auf der Wiesn zu viel Bier getrunken. Als er in Begleitung seiner 21-jährigen Tochter beim Einstieg in die S-Bahn die Tür nicht freimachen und nicht auf die Ansage eines Mitarbeiters der DB-Sicherheit hörte, kam es zum Streit. Im Laufe der Auseinandersetzung griff der 52-Jährige den Sicherheitsmann an. Bundespolizisten, die den Vorfall beobachteten, griffen ein und mussten den renitenten Angreifer zu Boden bringen. Offensichtlich die Schuld für die missliche Lage des Vaters beim Bahnmitarbeiter suchend, trat die 21-Jährige dem Kontrahenten ihres Vater zwischen die Beine. Bei ihrer Festnahme trat sie nach der Bundesbeamtin. Abschließend bekamen beide Familienmitglieder von der Bundespolizei je eine Anzeige wegen Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte "als Wiesn-Souvenir mit auf den Heimweg".

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mm/tz

Rubriklistenbild: © Bundespolizei

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