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Hier hat's sofort gefunkt: Elektriker Max Pohl knutscht die Hand der Schongauerin Regina Kassebaum.

Auf dem Zentrallandwirtschaftsfest

Bauer sucht Frau auf bairisch - so läuft das Wiesn-O'bandln

München - Bayerns größte gibt's - na klar - auf der Wiesn. Genauer gesagt auf dem Zentrallandwirtschaftsfest. Dort heißt das Motto "Bauer sucht Frau". Die tz hat sich umgeschaut.

Wenn sich junge Burschen und g'standene Mannsbilder in ihre schönste Krachlederne schmeißen, fesche Deandl in ihren Dirndln noch fescher daherkommen, das Festbier fließt und tausende Trachtler - mal elegant, mal rustikal - über den Tanzboden wetzen, dann ist wieder Bayerns größte Brautschau. "Die beste Party der Stadt machen wir vom Land", haben die Organisatoren der Landpartie im Festzelt Tradition auf dem Zentrallandwirtschaftsfest (ZLF) versprochen. Jungbauern auf der Pirsch? Die tz war neugierig und hat sich unter das Flirt-Volk gemischt.

Trecker-Checker sucht ...

Keine zwei Meter nach dem Eingang ist klar: Hier überlässt der Veranstalter, die Arbeitsgemeinschaft der Landjugend in Bayern, nichts dem Zufall. Es ist das organisierte O'bandln, was sich im Festzelt der Wirtefamilie Winklhofer abspielt. Das Prinzip: so einfach wie genial! Jeder Gast erhält eine Nummer, die er sich - möglichst gut sichtbar - auf die Tracht klebt. Jede Nummer gibt es logischerweise doppelt. Bei den Damen ist sie rot, bei den Herren der Schöpfung blau. Das erklärte Ziel gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Mit Glück und Geschick findet man die Frau oder den Mann mit derselben Nummer. Und dann? Kann's funken oder auch nicht.

... Traktor-Tussi.

An den Tischen kommen wir mit allerhand zünftigen Burschen ins Gespräch. Anfangs schüchtern, wollen sie noch nix von Brautschau wissen: "Naa, des interessiert uns ned, mia woll'n a Gaudi ham", erklärt man uns. Nach der ein oder anderen Mass gesteht dann selbst der härteste Jungbauer: "Obwohl, schön wär's ja scho, so a Freindin. Schau ma moi."

Für die Frauen sind die Männer ganz klar in der Pflicht. "Die müssen schon zu uns kommen, wenn’s was wollen", erklären sie uns ihre Zurückhaltung.

Hat's gefunkt?

Bei Elektriker Max Pohl (36) fliegen schon rein beruflich die Funken. Hat's jetzt auch in der Liebe endlich geklappt? Zur tz sagt der Neurieder: "Ja, ich bin auf Partnersuche." Die 473 ist seine persönliche Nummer zum Glück. Denn die trägt Regina Kassebaum (20) aus Schongau. Unglaublich: Die beiden saßen schon zu Beginn nicht weit voneinander entfernt. Als ob sie es bereits geahnt hätten, haben sie an gegenüberliegenden Tischen einen Platz gefunden. Oder hat Mathe-Studentin Regina sogar damit gerechnet? Und auch wenn es nicht die große Liebe ist, hatten die zwei eine Mords-Gaudi!

Ja, sie ist noch Single!

Regina und tz-Reporter Johannes Heininger.

Burschen, aufgepasst! Die hübsche Regina (23) ist noch auf dem Markt, gesteht die Steuerfachangestellte tz-Reporter Johannes Heininger. Fast beiläufig erwähnt sie: "Ich habe einen Hof als Nebenerwerb." In Freising wurde ihr erst kürzlich die elterliche Landwirtschaft überschrieben. 25 Hektar, 50 Mastrinder. Regina sucht nicht krampfhaft nach der Liebe, neugierig war sie aber schon, wer sich auf dem ZLF so rumtreibt.

Bier und Gaudi

Michael Haslach, Benedikt Högg und Lukas Sulzenbacher.

Das O'bandln hatte bei diesen drei Burschen aus dem Allgäu nicht oberste Priorität. "Wir wollen hier gemütlich sitzen, Bier trinken und uns unterhalten", sagt Michael ­Haslach (l24). Benedikt Högg (18) stellt aber schnell klar: "Wenn eine dabei ist, beschweren wir uns auch nicht." Sie sind mit ihren Spezln von der Landjugend aus Altenstadt zum ZLF gekommen. "Wir haben alle einen Bezug zur Landwirtschaft", sagt Lukas Sulzenbacher (19). In der Gruppe organisieren sie selbst Veranstaltungen und Ausflüge. "Wir pflegen Tradition und Brauchtum!"

Goldene Regel

Michael Schanderl.

Michael Schanderl (21) redet nicht lang um den heißen Brei rum: "Freilich bin ich auf der Suche", sagt er zur tz. "Ständig!" In Emmering (Kreis Fürstenfeldbruck) arbeitet er fleißig auf dem Hof seiner Eltern. "Es ist nicht irgendein Hof", grätscht er gleich dazwischen, "bei uns ist alles biologisch." Nur die passende Frau fehlt dem aufgeweckten Burschen noch. "Ich bin solo, quasi auf dem Markt. Da schaut man sich natürlich schon um." Allzu wählerisch ist Michael bei der Brautschau offensichtlich nicht. Eine Regel hat er aber: "A scheens Gsicht und ned zvui Gwicht."

Der Grund ist ein Grund

Anton Kleber, Andreas Mengele und Jonas Schweizer (v. l.).

"Wenn sie 200 Hektar hat, dann nehm ich sie sofort mit", schießt es aus Anton Kleber (18) heraus. Wir wollten wissen, was denn die zukünftige Herzensdame an positiven Eigenschaften mitbringen sollte. "Und das Bier muss ihr schmecken", ergänzt Jonas Schweizer (18). Eher pragmatisch sieht es Andreas Mengele (18), der Dritte im Bunde: "Es darf halt keine Prinzessin sein. Bei uns am Hof brauchen wir eine Frau, die auch mal zupacken kann." Die drei Spezln kennen sich schon seit der Grundschule und kommen aus dem schönen Schwabenländle.

Johannes Heininger

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