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K.o.-Tropfen werden von den Tätern unbemerkt ins Glas gemischt.

Wiesn-Mass nicht aus den Augen lassen

So erleben Opfer den K.o.-Tropfen-Horror

München - K.o.-Tropfen setzen ihr Opfer außer Gefecht. Knockout, wortwörtlich. Sind die K.o-Tropfen auch ein Problem auf der Wiesn? Lesen Sie, wie so ein Horrortrip abläuft - und wie Sie sich schützen.

Die "Tatort"-Hauptkommissare befragen die Bedienung Ina (Mavie Hoerbiger) im Wiesn-Zelt.

Erinnern Sie sich vage an den München-Tatort vom ersten Wiesn-Sonntag 2015? In dem Krimi "Die letzte Wiesn" waren Oktoberfest-Besucher gestorben, weil ihnen jemand etwas in ihre Mass geschüttet hatte. Der Tatort mit den Hauptkommissaren Franz Leitmayr und Ivo Batic hatte die Oktoberfest-Besucher damals erschreckt. Im Film häuften sich die Todesfälle im (erfundenen) Amperbräu-Zelt. Unser Nachrichtenportal hatte damals bei der Polizei München nachgehakt, ob es wirklich schon einmal einen Fall von GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure, auch bekannt als Droge Liquid Ecstasy) im Wiesn-Bier gegeben habe. Das sei unklar, Fälle seien nicht in der Statistik erfasst, erklärte die Polizei.

Wiesn-Wirtesprecher Toni Roiderer sagte nach dem München-Tatort:  „Ich bin 27 Jahren Wirt - und ich habe nicht gehört, dass im Bierzelt K.o.-Tropfen verabreicht worden sind.“

Immer wieder hört man von Fällen, bei denen Menschen auf einer Party zuerst betäubt und dann Opfer eines Verbrechens wurden. Wir haben alle Fakten über K.o.-Tropfen zusammengefasst - und Ratschläge, wie Sie sich davor schützen. 

Was sind eigentlich K.o.-Tropfen?

Als K.o.-Tropfen (K.o. ist die Abkürzung für Knockout) werden flüssige Drogen bezeichnet, mit der vor allem Mädchen und Frauen schachmatt gesetzt werden. Die bekannteste Substanz ist laut kotropfen.net Gamma-Hydroxybuttersäure (kurz GHB), auch bekannt als Liquid Ecstasy. Über das Internet gelangen Kriminelle leicht an die Substanz. Mithilfe von legalen Mitteln, die sogar im Baumarkt erhältlich sind, lassen sich K.o.-Tropfen auch selbst herstellen. 

Wer wird Opfer von K.o.-Tropfen?

K.o.-Tropfen werden von den Tätern vor allem eingesetzt, um Mädchen und Frauen wehrlos zu machen, um sie zu vergewaltigen. Auch Männer werden laut dem Portal "K.o.-Tropfen - Nein Danke" Opfer. Bei ihnen haben es die Täter meist auf einen Raub abgesehen, doch auch in der Schwulen-Szene nehmen Vergewaltigungen mit Hilfe von K.o.-Tropfen zu. Die Tropfen werden dem Opfer ins Getränk oder ins Essen gemischt. In geringen Dosen wirken sie euphorisierend und enthemmend, in höherer Dosierung betäubend und einschläfernd, informiert das Bundesministerium für Bildung und Frauen (BMBF) auf ihrer Homepage

Wie erkenne ich K.o.-Tropfen?

K.o.-Tropfen sind lauf BMBF farb- und geruchlos und schmecken unverdünnt salzig oder seifig. Ins Getränk gemischt, ist dieser Geschmack jedoch kaum wahrnehmbar. Dass man die Tropfen verabreicht bekommen hat, erkennt man daher meistens nur an ihrer Wirkung. Es gibt inzwischen eine Erfindung aus Nürnberg, die helfen soll, die Tropfen im Getränk nachzuweisen

Was machen K.o.-Tropfen mit einem?

Die Wirkung setzt zehn bis 20 Minuten nach der Einnahme ein. Manchen Opfern wird plötzlich schlecht oder schwindlig, andere sind besonders gut drauf, euphorisch und enthemmt, sie reden und flirten viel. Später setzt eine schlagartige Müdigkeit ein, die Opfer werden "praktisch willenlos und leicht manipulierbar", informiert ko-tropfen-nein-danke.de

Den Tätern bleibe "genug Zeit, mit der Frau Kontakt aufzunehmen oder Hilfe anzubieten, um sie dann nach draußen oder an einen anderen Ort zu bringen. Dort sind die Betroffenen dann leichte Beute für die Täter." Bei einer Überdosis oder in Kombination mit Alkohol, Drogen oder Medikamenten können die Tropfen zum Atem- oder Herzstillstand führen und tödlich sein.

Typisch für den Konsum von K.o.-Tropfen ist ein Filmriss: Das Opfer wacht benommen auf, fühlt sich wie verkatert und kann sich nicht erinnern, was in den vergangenen Stunden los war. "Klare Anhaltspunkte für sexuelle und körperliche Übergriffe sind blaue Flecken, Unterleibsschmerzen oder Spermaspuren sowie zerrissene oder fehlende Kleidungsstücke", schreibt das Bundesministerium für Bildung und Frauen. Dann gilt: Sofort zur Polizei oder in die Notaufnahme eines Krankenhauses Denn K.o.-Tropfen sind nur zwölf Stunden lang im Körper im Blut und im Urin nachweisbar. Wenn der Verdacht auf sexuelle Übergriffe vorliegt, nicht waschen, duschen und die Kleidung wechseln, bevor man zum Arzt geht, sonst werden wichtige Beweise vernichtet.

Wie kann ich mich vor K.o.-Tropfen schützen?

Die beste Prävention ist: Genau aufpassen, dass niemand einem etwas ins Getränk oder Essen mischt! Das bedeutet: Das Glas oder die Flasche in Clubs, Kneipen, Privatpartys und Restaurants niemals unbeaufsichtigt stehen lassen. Im Fall das Falles mit Freunden absprechen, wer auf die Gläser aufpasst. Wer sich nicht sicher ist, ob er richtig aufgepasst hat, soll sich vorsichtshalber lieber ein neues Getränk bestellen, empfiehlt das Portal "Ko-Tropfen - Nein danke". Und: Einen Vollrausch vermeiden. Denn wer betrunken ist, wird leicht zum Opfer. Freunde sollen außerdem aufeinander acht geben und gemeinsam nach Hause fahren.

Auch bei Blind Dates, zum Beispiel mit Internet-Bekanntschaften, ist besondere Vorsicht geboten. Diese sollten immer an einem öffentlichen Ort stattfinden. Bei einem Treffen im Café, im Restaurant oder in einer Kneipe sollte man sein Getränk nicht aus den Augen lassen. Den Schutz vor K.o.-Tropfen einfacher machen soll künftig eine Erfindung aus Nürnberg, der so genannter K.o.-Tropfen-Melder, der aber frühestens Ende 2016 auf den Markt kommen soll. 

Bei Verdacht auf K.o.-Tropfen: Sofort-Maßnahmen

Bei plötzlich auftretender Übelkeit oder Schwindel - oder auch völliger Enthemmtheit und extrem euphorischer Stimmung - sollen Betroffene so schnell wir möglich Hilfe holen. Am besten Freunde ansprechen oder anrufen, auch wenn es mitten in der Nacht ist, empfiehlt ko-tropfen-nein-danke.de. 

Ist man allein in einem Club oder einer Kneipe, an das Personal wenden. Vorsicht bei Fremden, die Hilfe anbieten: "Geh immer dorthin, wo andere Menschen sind", rät das Portal. Im Zweifelsfall die Polizei oder den Notarzt rufen. Wem Verdächtiges bei seinen Freunden, Bekannten  oder auch Fremden bei einer Party oder in der Disco auffällt, soll diese auf jeden Fall ansprechen und Hilfe holen. Ist es schon so weit, dass die Person nicht mehr ansprechbar ist oder bewusstlos wird, muss sofort unter 112 Notarzt oder Feuerwehr gerufen werden, denn es besteht Lebensgefahr.

Nein heißt nein – auch auf der Wiesn

Auf dem Oktoberfest gab es im Jahr 2015 mehr Sexualdelikte als im Vorjahr. Zwei angezeigte Vergewaltigungen und insgesamt 20 Anzeigen wegen anderer Sexualdelikte – das war die Bilanz der vergangenen Wiesn. „Die Dunkelziffer ist auch auf der Wiesn sicherlich viel höher“, sagt Kristina Gottlöber von der Initiative für Münchner Mädchen „Imma“. Nicht zuletzt deswegen wird der Security Point, die Anlaufstelle für Mädchen und Frauen direkt auf der Festwiese, in diesem Jahr auch unter der Woche mit zwei Fachberaterinnen und acht bis zehn ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen besetzt sein.

Auch in diesem Jahr gibt es wieder einen Flyer, sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Unter dem Motto „I mog a Gaudi, koa Gfrett!“ finden sich darauf hilfreiche Tipps für einen sicheren Wiesnbesuch und -heimweg. „Die Tipps sollen das Sicherheitsgefühl erhöhen – ohne dabei den Spaß einzuschränken“, sagt Bawidamann von der Präventionsstelle Amyna. Ein weiteres Präventionshilfsmittel ist die „WiesnProtect“-App. Neben Ratschlägen gibt es hier auch einen integrierten Notrufknopf sowie alle wichtigen Telefonnummern auf einen Blick.

sah

Miriam Sahli-Fülbeck

Miriam Sahli-Fülbeck

E-Mail:miriam.sahli@merkur.de

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