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Sie halten die Bräurosl am Laufen (v. li.): Wirt Georg Heide, seine Frau Renate, Tochter Daniela und ihr Mann Pascal.

Die großen Wiesn-Wirte

"Bräurosl": Wenn die Rosl zu Jodeln beginnt

München - Diesmal schauen wir uns in der Serie über die großen Wiesn-Wirte die "Bräurosl" an. Die Planegger Familie Heide betreibt in der vierten Generation das Traditionszelt auf der Wiesn.

1901 wurde erstmals das Bräurosl-Zelt auf der Theresienwiese aufgebaut, und es setzte gleich Maßstäbe. „Es war das erste Zelt mit elektrischem Licht“, erzählt Wirt Georg Heide (63). Als Namenspatronin des Zeltes diente eine Brauerstochter mit Namen Rosi. Der Überlieferung nach ritt diese Ende des 19. Jahrhunderts jeden Abend auf einem Kaltblüter auf das Gelände der Pschorrbrauerei. Dort trank sie eine Mass Bier, um besser einschlafen zu können.

Der Legende nach war sie wegen ihrer Schönheit so beliebt bei den Wiesnbesuchern, dass alsbald das Zelt nach ihr benannt wurde. Auch war es die sagenumwobene Brauerstochter, die damals mit einer gekonnten Jodeleinlage für die richtige Stimmung im Zelt sorgte. Diese Tradition pflegt die Familie Heide bis heute. Seit 26 Jahren schlüpft Karolin Weidner in die Rolle der Rosl und klettert täglich zweimal und am Wochenende dreimal zur Kapelle empor, um zu jodeln – zur großen Freude der Gäste. „Die Rosl ist das Wahrzeichen unseres Zelts“, sagt Georg Heide.

Beim Einzug der Wiesnwirte am Samstag und während des Trachtenumzugs tags darauf ist Karolin Weidner immer mit dabei. Den Job der Bräurosl erhielt Karolin Weidner vor 25 Jahren, nachdem sie bei Georg Heides Vater Willy vorgejodelt hatte. Willy Heide war fast 50 Jahre lang Wirt der Bräurosl und von 1984 bis 2001 Sprecher der Wiesnwirte. Die Heides sind in der vierten Generation auf der Wiesn.

1931 hatte die Pschorrbrauerei Willys Vater Georg sen. gebeten, die Bräurosl auf der Wiesn zu übernehmen. „Mein Großvater hatte eine Gaststätte in Planegg, und diese lief sehr erfolgreich. Deshalb kam die Brauerei auf ihn zu“, erzählt Georg Heide, der die Gaststätte Heide-Volm bis heute in Planegg führt. Er stieg 1987 in den Wiesn-Betrieb ein und übernahm das Zelt 2002 gemeinsam mit seiner Frau Renate (61), nachdem Willy Heide abgedankt hatte. Inzwischen mischen auch Tochter Daniela (33) und Schwiegersohn Pascal Heide-Nigg (33) im täglichen Betrieb mit.

Eine Besonderheit im Zelt neben den regelmäßigen Jodel-Einlagen ist der erste Sonntag. Dann ist die Bräurosl Treffpunkt von Tausenden Schwulen und Lesben. Der so genannte „Gay Sunday“ entwickelte sich durch einen Zufall vor rund 30 Jahren. „Damals kam ein Fax mit einer Reservierungsanfrage des Münchner Löwen Clubs. Zunächst dachten wir, dass das Fans des TSV 1860 sind“, erzählt Georg Heide schmunzelnd. Dass es sich um einen Schwulen-Club handelte, stellte sich dann erst kurz vor der Wiesn heraus. Offenbar gefiel es den Club-Mitgliedern in der Bräurosl, denn sie kommen seither immer am ersten Sonntag ins Zelt – so wie Tausende weitere Homosexuelle.

Das Publikum in der Bräurosl ist bunt gemischt, „überwiegend kommen unsere Gäste aus München und dem Umland, vor allem dem Würmtal“, erzählt Daniela Heide. Sie wird einmal in die Fußstapfen ihrer Eltern treten. Derzeit kümmert sich die Junior-Chefin um Marketing und Reservierungen, ihr Mann Pascal ist Küchenchef.

Zum Anstich in diesem Jahr am 17. September 2016 wird vermutlich Hacker-Pschorr-Chef Andreas Steinfatt wieder die Bühne entern und ein Fass anzapfen. Das macht er immer abwechselnd mit Georg Heide. Heuer ist der Hacker-Pschorr-Chef dran. Vor ein paar Jahren unterlief Georg Heide beim Anstich eine kleine Panne, als ihn ein Kamerateam von Sat1 nötigte, das Fass mit nur einem Schlag anzuzapfen. „Zuerst dachte ich, dass es passt“, sagt Heide. Doch dann flog der locker sitzende Wechsel aus dem Fass und das Bier schoss auf die umherstehenden Gäste. Heide war pitschnass. „Aus dem Film ist nichts geworden, denn die Kamera war kaputt“, erzählt er lachend. Zum Trocknen stellte sich Heide dann zwischen die Hühnergrills. „Danach hab ich gleichermaßen nach Bier und nach frischen Hendln gerochen.“ „Einfach nach Wiesn“, ergänzt Tochter Daniela augenzwinkernd.

Oktoberfest: Der große Zelt-Vergleich

Ulrich Lobinger

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