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Polizisten auf der Wiesn.

Im Internet kursieren Zahlen

Übergriffe auf der Wiesn: Polizei nimmt Stellung zu Behauptungen

München - Das Oktoberfest wird in der derzeit laufenden Diskussion um sexuelle Gewalt von verschiedenen Seiten herangezogen.

Nach der Skandal-Silvesternacht in Köln hat die Diskussion um sexuelle Gewalt gegen Frauen mittlerweile auch München erreicht, konkret das Oktoberfest: Im Internet und anderen Berichten kursieren Zahlen, die die Vorkommnisse in Köln relativieren sollen, weil es angeblich jedes Jahr zehn Vergewaltigungen auf dem Oktoberfest geben soll und zudem eine enorme Dunkelziffer.

Bei der Münchner Polizei lösen diese Zahlen Kopfschütteln aus, ein Sprecher nennt sie auf Anfrage unserer Zeitung „völlig falsch“. Mit Tatort auf und um das Festgelände herum gab es laut Polizei im vergangenen Jahr 20 Anzeigen im Bereich Sexualdelikte: Neben einer versuchten Vergewaltigung waren auch Delikte wie Missbrauch von Widerstandsunfähigen, sexuelle Nötigung oder exhibitionistische Handlungen darunter. Tatsächlich gab es 2015 einen Anstieg bei den Sexualdelikten: 2014 gab es zwölf Anzeigen, 2013 waren es 16 – davon jeweils zwei Vergewaltigungs-Fälle. Freilich gebe es während der Oktoberfest-Zeit auch außerhalb des Festgeländes sexuelle Übergriffe, so der Polizei-Sprecher. Die kursierenden Vergleichszahlen entbehrten jedoch jeder Grundlage. In Köln sind mittlerweile rund zweihundert Anzeigen eingegangen, die sich auf Täter aus einer Gruppe von etwa tausend Männern in wenigen Stunden beziehen. Die Wiesn haben in 16 Tagen heuer knapp sechs Millionen Menschen besucht.

Der Münchner Grünen-Stadtrat Dominik Krause findet dennoch, dass Sexualdelikte auf dem Oktoberfest bagatellisiert werden – auch von der Polizei. Auf Twitter verbreitete er ein Beispiel aus dem vergangenen Jahr, dabei bezieht er sich auf einen Polizeibericht vom 25. September: Ein „spaßig gemeinter Griff unter den Rock“, hieß es da, habe für einen Deggendorfer „äußerst schmerzhaft geendet“. Die Frau habe sich umgedreht, ihr Masskrug „landete wuchtig auf dem Kopf des kecken Burschen“. Bei dem Masskrug-Schlag handle es sich natürlich um eine Straftat der gefährlichen Körperverletzung.

„Kecker Bursche“? „Spaßig gemeint“? Stadtrat Krause findet diese Formulierungen unmöglich. Ein Griff unter den Rock ohne Einwilligung sei nicht spaßig – und ob er spaßig gemeint ist, sei unerheblich. Der Fall zeige, dass sexualisierte Gewalt „seitens der Sicherheitsbehörden immer noch bagatellisiert“ werde – zumal, „wenn deutsche Männer Frauen bedrängen."

Sven Rieber/Felix Müller

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Sven Rieber

Sven Rieber

E-Mail:sven.rieber@merkur.de

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