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Auf ein Neues? Mit ihrer Bewerbung für die Spiele 2018 scheiterten München und Garmisch-Partenkirchen. 2022 gelten sie als Favorit – doch noch ist nichts entschieden.

Wahlkampf

Olympia belastet die Opposition

München - Die Zeichen verdichten sich: Für 2022 erwägen München und Garmisch-Partenkirchen eine neue Olympia-Bewerbung. Bei den Grünen formiert sich der Widerstand – dem bayerischen Oppositionsbündnis droht massiver Ärger im Wahlkampf.

Die Wiener haben „Nein“ gesagt. Um genau zu sein, haben sie „Nein“ geschrien. 72 Prozent der Wähler in der österreichischen Hauptstadt stimmten am Sonntag gegen eine Bewerbung für die Sommerspiele 2028. Es war die zweite Abfuhr für die olympische Idee binnen weniger Tage – Wasser auf die Mühlen der hiesigen Olympiagegner. „Gerade wird das ganze Konzept Olympischer Spiele infrage gestellt“, sagt der bayerische Grünen-Vorsitzende Dieter Janecek. Eines ist sicher: Seine Partei wird sich geschlossen gegen eine neuerliche Bewerbung für 2022 stellen.

Die alte Debatte um eine zweite Olympia-Bewerbung ist in der vergangenen Woche neu in Schwung gekommen. Im Schweizer Kanton Graubünden, der als harter Rivale Münchens galt, sprachen sich 52,65 Prozent der Wähler gegen eine Bewerbung aus. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) verspürte danach „Rückenwind“ für München. „Unsere Chancen steigen am laufenden Band“, sagte der Oberbürgermeister, der einer neuerlichen Bewerbung zuneigt: Im Rathaus hat er eine Arbeitsgruppe eingesetzt, außerdem will er im Falle seiner Wahl zum Ministerpräsidenten die blinde Ex-Sportlerin Verena Bentele zur Olympiabeauftragten des Freistaats machen – mit eigenem Büro in der Staatskanzlei. Auch die amtierende schwarz-gelbe Staatsregierung hat ihre Unterstützung signalisiert. Trotz aller Rivalität arbeiten Horst Seehofer und Ude in dieser Frage Hand in Hand.

Ärger droht dagegen innerhalb des – ohnehin höchst wackeligen – Oppositionsbündnisses. Die Grünen legten sich gestern bei einer Vorstandssitzung auf ein Nein fest. Auch die Freien Wähler, mit denen Rot-Grün ein Dreierbündnis anstrebt, positionieren sich eindeutig: „Wir haben uns schon für die Bewerbung Münchens für die Spiele 2018 eingesetzt“, sagt der Münchner Landtagsabgeordnete Michael Piazolo. Nun stünden die Chancen für 2022 sehr gut. „Wichtig ist, dass jetzt zügig eine Entscheidung getroffen wird und dass im Fall einer neuerlichen Bewerbung frühzeitig bei allen Bürgern für das einmalige Sportereignis geworben wird“, sagt Piazolo.

Doch zügig dürfte gar nichts passieren – zu unübersichtlich ist die Gemengelage. Tatsache ist: Spätestens am 14. November muss München seine Bewerbung einreichen. Doch Udes Zeitplan liest sich denkbar knapp: Der OB strebt einen Bürgerentscheid erst am 10. November an, in Garmisch-Partenkirchen könnte parallel abgestimmt werden. Der Grund für die lange Wartezeit ist ein sportpolitischer: Erst am 10. September – und noch dazu fünf Tage vor der Landtagswahl – entscheidet sich in Buenos Aires, ob Thomas Bach zum neuen IOC-Präsidenten gekürt wird. Es gibt nicht wenige, die glauben, dass sich ein deutscher Präsident und eine deutsche Olympiavergabe binnen weniger Monate ausschließen. Bislang aber hat sich Bach offiziell noch nicht mal beworben.

Bei den Grünen regt sich schon mal Protest gegen diesen Zeitplan. Dieter Janecek regt an, die Abstimmungen über Olympia mit der Landtagswahl zusammenzulegen. „Wenn es zur Bewerbung kommt, wird das ohnehin vor der Landtagswahl thematisiert werden“, gibt er zu bedenken. Was er nicht sagt: Die Olympiagegner außerhalb der betroffenen Städte und Gemeinden könnten dann ja einfach Grün wählen.

Offiziell ist freilich noch nichts. Christian Ude fährt eine zweigleisige Strategie. Auf der einen Seite lässt er keinen Zweifel an seinen Absichten aufkommen, auf der anderen drückt er auf die Bremse. Man müsse erst die Hausaufgaben erledigen, erklärte er vergangene Woche vor Journalisten. Das Konzept werde überprüft. Während in München kaum Änderungen zu erwarten sind, könnte in Garmisch nachgebessert werden. Wie? Das hänge von der Gesamtkonstellation ab.

Die Ausgangslage innerhalb des Oppositionsbündnisses erinnert an die Debatte um die dritte Startbahn. Auch damals waren die Positionen von Grünen und SPD unvereinbar. Am Ende erledigte sich das Problem von selbst – durch einen Bürgerentscheid.

Mike Schier

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