Rügt die Verwaltung: CSU-Stadtrat Hans Podiuk.

Trudering

Streit um „Wohnen für alle“: Eklat bei Bürgerversammlung

München - Duckt sich die Verwaltung beim Streit-Thema „Wohnen für alle“ weg? Bei der Bürgerversammlung in Trudering-Riem kam es jetzt zum Eklat: Zu den Bauplänen für die Unnützwiese gab es von Seiten der Stadt niemanden, der Stellung nehmen konnte oder wollte. „Das hat ein Nachspiel“, schimpfte Stadtrat Hans Podiuk (CSU), der die Versammlung leitete.

Das Bauprogramm „Wohnen für alle“ bringt die Bürger auf die Barrikaden, das weiß die Stadtverwaltung seit dem Sturm der Empörung gegen die Überbauung des Dantebad-Parkplatzes im Stadtteil Moosach. Kein Wunder also, dass am Donnerstagabend 450 Menschen in die Aula des Berufsschulzentrums in der Messestadt Riem drängten – plant die Stadt doch in ihrem Bezirk einen ähnlichen Bau wie am Dantebad: auf der Unnützwiese. „Ich hab’ sogar blind gewusst, dass bei dieser Bürgerversammlung die Unnützwiese ein Thema ist“, schimpfte Podiuk hinterher. Der CSU-Fraktionschef im Rathaus sah sich mit der Wut der Anwesenden konfrontiert – denn auf wirkliche Aufklärung warteten sie vergebens.

Kampf um die Unnützwiese

Rügt die Verwaltung: CSU-Stadtrat Hans Podiuk.

Die geplante Bebauung der Grünfläche Ecke Bajuwaren-/Unnützstraße sorgt seit Wochen für Unmut in Trudering. Auf der Unnützwiese sollen im Rahmen von „Wohnen für alle“ insgesamt 57 Wohneinheiten entstehen, in die Sozialwohnungsberechtigte und anerkannte Flüchtlinge einziehen können. Die aktuellen Pläne sind bereits ein Kompromiss, damit ein Teil der Wiese für Spiel und Sport erhalten bleiben kann. Die Anlieger kämpfen jedoch für den kompletten Erhalt der Rasenfläche samt Bolz- und Kinderspielplatz. Die Bürgerinitiative „Rettet die Unnützwiese“ hatte zum Besuch der Versammlung aufgerufen. Auch deshalb fand die Veranstaltung in der sehr viel größeren Aula in Riem und nicht wie bisher im Kulturzentrum Trudering statt.

Gleich mehrere Wortmeldungen drehten sich sogleich um die Unnützwiese. Doch am Ende gab es von den anwesenden Referatsvertretern keine Stellungnahme oder Auskunft. Die Vertreterin des Sozialreferats schob die Zuständigkeit ins Planungsreferat. Schließlich ging es nicht um Fragen zu Belegung und künftigen Bewohnern. Die anwesende Stadtplanerin aber war nicht vom entsprechenden Ressort und daher nicht zu Auskünften in der Lage. Nach dem angekündigten Fachmann aus dem Planungsreferat fragte Hans Podiuk vergebens, ebenso wie nach einem Vertreter der zuständigen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag.

„Dass hier überhaupt keiner da ist, der Stellung nehmen kann, ist für mich unverständlich“, sagte Podiuk kopfschüttelnd. „Wir brauchen keine Bürgerversammlungen, um die Sprachlosigkeit der Stadtverwaltung zu dokumentieren.“

Viel Gegenwind für die Stadtverwaltung

Der Vorwurf der Bürgerinitiative: Die Verwaltung ducke sich vor dem Thema weg. Tatsächlich hatten die Stadtvertreter im April bei der Einwohnerversammlung in Moosach ein ziemlich dickes Fell gebraucht: Die Ablehnung gegen „Wohnen für alle“ und die zu erwartenden neuen Bewohner entlud sich in Äußerungen wie: „Hier wohnt ein gesunder Mittelstand, und da bauen sie einen sozialen Brennpunkt hinein.“

Beim Planungsreferat weist man die Vorwürfe zurück: Eine missliche Kommunikationspanne sei da unterlaufen, hieß es auf Nachfrage. „Die ursprünglich vorgesehene Vertretung war wieder gestrichen worden, weil wir im November eine gesonderte Veranstaltung machen werden“, erklärte Sprecher Thorsten Vogel. Bis dahin seien die Pläne dann auch schon konkreter. Aufgrund eines Krankheitsfalls sei diese Information in einem Postfach hängen geblieben und der Bezirksausschuss so nicht benachrichtigt worden. „Wir bedauern dies außerordentlich.“

Lesen Sie hier: Wo in München gerade neuer Wohnraum entsteht

Zentrale Bedeutung für Naherholung im Viertel

Die Anträge zur Unnützwiese wurden alle mit großer Zustimmung angenommen. So forderte Initiativenchef Clement Meier, den gefassten Stadtratsbeschluss zu ändern und das Grundstück vollständig als Spielwiese für Kinder und Jugendliche zu erhalten. Der Grünzug sei „ein Juwel in der ehemaligen Gartenstadt“ und habe zentrale Bedeutung für die Naherholung im Viertel, ergänzte sein Kollege Helmut Köpf. Die Stadt müsse nach geeigneten Alternativ-Grundstücken zur Bebauung sowohl in Trudering-Riem als auch in den umliegenden Stadtbezirken suchen. Notfalls auch kaufen oder pachten. Ein anderer Vertreter der Protestgruppe zweifelte daran, „ob den Stadträten überhaupt bewusst war, was sie da tun“. Deshalb müssten nun sämtliche Akten zu dem Beschluss, der in nicht-öffentlicher Sitzung gefallen ist, auf den Tisch. Weitere Forderungen: Ein Gutachten zu den Fledermäuse, die auf dem Areal leben. Zudem dürfe im gesamten Stadtgebiet keine Bebauung von Spielflächen erlaubt werden.

Carmen Ick-Dietl

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