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Hier soll nachverdichtet werden: das Gebiet zwischen Ständler- und Puechbergstraße.

Pläne in Ramersdorf

Nachverdichtung: „Natürlich verschlechtert sich Ihre Wohnsituation“

München - Die GWG und Anwohner diskutieren über die geplante Nachverdichtung in Ramersdorf. Dort sind 60 Prozent Ein-Personen-Haushalte geplant.

„Es ist wirklich unfair, sowas über den Kopf der Mieter hinweg zu entscheiden.“ Was eine Anwohnerin da bei der GWG-Infoveranstaltung am Dienstagabend formuliert, wird von ihren Nachbarn mit kräftigem Nicken bestätigt. In der Ramersdorfer Siedlung der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG zwischen Ständler-, Görzer-, Puechberger- und Balanstraße herrscht offensichtlich großer Frust und Ärger über die geplante Nachverdichtung. „Wir werden erst informiert, wenn schon alles entschieden ist.“

Grünflächen und Garagenhöfe werden bebaut

Unter dem Motto „Wohnen für alle“ hat der Stadtrat vor kurzem beschlossen, möglichst viele öffentlich geförderte Wohnungen für Einkommensschwache und anerkannte Flüchtlinge zu schaffen. Der Auftrag an die beiden städtischen Wohnungsbaugesellschaften GWG und Gewofag: In einem Sofortprogramm bis Jahresende jeweils 500 neue Wohnungen zu realisieren. In Ramersdorf erlebt man nun die Praxis. Sechs Standardhäuser ohne Keller werden hier auf bisherige Grünflächen und Garagenhöfe gesetzt. Weil die Grundmaße der Gebäude nicht mehr als 16 Meter betragen, können an mehreren Stellen die Abstände zum Bestand halbiert werden. „Das sind richtige Klopper“, so eine Anliegerin bestürzt.

Auch die Höhe sorgt für Ärger

Auch die Höhe der Neubauten – insgesamt 15 Meter mit fünf Geschossen - gegenüber den 12,50 Meter hohen Altbauten entsetzt die Anwohner. „Da kriegen wir ja keine Sonne mehr, was bleibt uns noch an Grünflächen, wo haben wir noch Ruhe?“ – die Fragen wiederholen sich. Ole Beißwenger von der GWG gibt ehrliche Antworten. „Natürlich ist es eine Verschlechterung der Wohnsituation für Sie.“ Aber in München sei eine solche Nachverdichtung normal. Auch die schlechtere Belichtung „ist sicher so der Fall“, aber gemäß Bayerischer Bauordnung in Ordnung.

„Ein schwacher Trost für die, die jetzt da wohnen“, meint Thomas Kauer (CSU). Der Chef des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach versucht, immer wieder hochkochende Emotionen zu beruhigen. Selbst GWG-Geschäftsführer Hans-Otto Kraus kann die Aufregung der Anwohner nachvollziehen. „Ich verstehe, dass Sie nicht begeistert sind, aber das ist unser Auftrag vom Stadtrat.“ Und der soll möglichst rasch umgesetzt werden. Schon nächsten Monat sollen die Bauvorbereitungen beginnen, im November ist Baubeginn. Bis April soll alles fertig sein, für Mai 2017 ist bereits Einzugstermin.

"Noch ein fremdes Haus und fremde Leute"

Etwa 110 Kleinwohnungen sollen entstehen. 60 Prozent für Ein-Personen-Haushalte, der Rest für Familien. Eine eigene Kommission wird die Mieter aussuchen, die sich je zur Hälfte aus registrierten Wohnungssuchenden des Wohnungsamts und aus anerkannten Flüchtlingen zusammensetzen werden. „ein aufwändiges Verfahren, aber wir wissen um die Brisanz“, so Monika Betzenbichler vom Sozialreferat. Mit einer „Wohnschule“ und einer sozialen Hausverwaltung soll speziell den Flüchtlingen das Wohnen und Miteinander gezeigt werden. Das Ziel sei eine gute Mischung und Einbindung in die Siedlung und ins Quartier. Die Anlieger haben trotzdem Angst. Auch, dass die Stimmung kippen könnte „Wir haben hier jetzt schon eine Problemsiedlung an der Puechbergerstraße, jetzt kommen hier noch ein fremdes Haus und fremde Leute“.

Carmen Ick-Dietl

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